Nice try: Haltestelle Staatsgalerie Zwischen Absperrgittern, Treppen und Schotter

Alles ist so monoton. Foto: Collage Katrin Maier-Sohn

In unserer Reihe „Nice try, Stuttgart“ besuchen wir Orte in der Landeshauptstadt, die verbesserungswürdig sind. Nächster Halt: Staatsgalerie.

Digital Desk: Katrin Maier-Sohn (kms)

Entlang der Willy-Brandt-Straße treffen zwei Welten aufeinander: Das gemütliche Kernerviertel und die Dauerbaustelle rund um die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie. Dazwischen liegt ein Grenzgebiet aus steilen Treppenstufen und Absperrgittern.

 

Alte Stadthäuser, schöne Hinterhöfe und der 2023 umgestaltete Schützenplatz mit lebensgroßem Schachbrett und einem Büchertauschregal machen aus dem Stuttgarter Kernerviertel eine familiäre Wohngegend. Das Poffers Café in der Urbanstraße ist in der ganzen Stadt für seine holländischen Pfannkuchen bekannt und bei einem Spaziergang weiter hinauf in Richtung Halbhöhenlage lässt sich die Aussicht vom Eugensplatz oder der Uhlandshöhe über die ganze Stadt genießen. Hält man sich die Ohren zu, ist es nahezu idyllisch.

Ein Blick von oben auf das Planetarium. Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich

Steht der Wind allerdings ungeschickt und die Kopfhörer sind außer Betrieb, hallt der Lärm von der „anderen Seite“ den Hang hinauf und lässt nicht wenige Anwohner:innen des Kernerviertels ihre Fenster schließen. Da sind die Sirenen der Rettungsfahrzeuge, welche die Bundesstraße 14 entlang rasen, die einfahrenden Züge im Hauptbahnhof, Partymusik von Sonja Merz‘ Biergarten oder der ständige Lärm der S21-Baustelle. Ein Vorgeschmack darauf, was einen erwartet, wenn man doch mal die B14 überqueren muss – zum Beispiel um die am nächstgelegenen Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie zu erreichen.

Um vom Kernerviertel zur Stadtbahnhaltestelle oder auch zum Planetarium zu gelangen, müssen 113 Stufen überwunden werden. Denn der schnellste Weg führt aktuell vom Kernerplatz vorbei an Landwirtschafts- und Umweltministerium über die Wullestaffel und den Wullesteg und damit einmal unter dem Le Meridien Hotel durch. Ganz schön steil sind die Stäffele, sogar so steil, dass die Kinderwagenrampe nicht mit Kind im Kinderwagen überwunden werden kann. Kinderwagen und Kind müssen separat hochgetragen werden.

Steile Treppen überall. Foto: Katrin Maier-Sohn

Vom Wullesteg, der sich über die B14 spannt, lässt sich die Umgebung gut überblicken. Da sind bekannte Stuttgarter Gebäude wie das Planetarium, das Königin-Katharina-Stift oder die Oper zu sehen, vor allem aber Autos, Schotter, Beton und Absperrgitter.

Wegen des Baus des neuen Fernbahnhofs Stuttgart 21 musste die alte Stadtbahn‐Haltestelle Staatsgalerie verlegt werden. Von 2014 bis 2020 wurde die neue Haltestelle gebaut, die nun teils über einem ebenfalls neuen Autotunneltunnel liegt, der demnächst in Betrieb gehen soll. Zwar mussten bereits erste Sanierungsarbeiten an der Haltestelle mit dem Schalendach gemacht werden – unter anderem waren die Treppenabgänge undicht – doch die von Architekt Christoph Ingenhoven entworfene Haltestelle überzeugt mit ihrem Design und wird regelmäßig als Fotohintergrund verwendet.

Betonwüste. Foto: Katrin Maier-Sohn

Rings herum eher wenig Ansehliches. 2026 werde mit der Herstellung der Freianlage begonnen, teilt eine Sprecherin der Stadt Stuttgart uns mit. Künftig soll dann ein ebenerdiger, barrierefreier Fußweg vom Kernerplatz direkt zur Haltestelle Staatsgalerie und zum neuen Südzugang des Hauptbahnhofs führen – ganz ohne Umwege über den bisherigen Wulle-Steg. Auch ein neuer Radweg soll die Anbindung verbessern. Zusätzlich werde der Straßenraum neu aufgeteilt und begrünt.

Klingt gut. Doch was ist mit den über zehn Jahren Baustellenwüste bis dahin?

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