Mit einem Seitenhieb gegen Stuttgart fordert der Tübinger OB Boris Palmer den Abschuss von Nilgänsen. Warum Stuttgart gleichwohl vorerst auf die Bremse tritt.
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer plädiert für den Abschuss von Nilgänsen. Mit einem Seitenhieb gegen Stuttgart unterstreicht Palmer seine Forderungen. „Wenn wir nichts tun, haben wir hier bald Zustände wie am Eckensee in Stuttgart“, sagte Palmer der „Bild“ .
Der Eckensee ist ein Hotspot für Nilgänse, die sich mittlerweile im gesamten Schlossgarten der Landeshauptstadt ausgebreitet haben – und dort auch ihren Kot hinterlassen. Erst in der vergangenen Woche waren Mitarbeitende der Wilhelma mit schwerem Gerät angerückt, um den Gänsekot aus dem Eckensee an der Oper zu fischen. Die Stadt ist sich der Tierplage bewusst.
Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper wettert gegen die ungebetenen Gäste. Er pflichtet Palmer zumindest teilweise bei: „Inzwischen muss man geradezu von einer Nilgans-Invasion sprechen“, sagte der Stuttgarter Oberbürgermeister am Montag unserer Redaktion. Die Tiere führten zu starken Verunreinigungen und zu großen Schäden. „Wir müssen alles im Rahmen unserer Möglichkeiten unternehmen, um die Nilgans-Population zurückzudrängen.“ Damit werde nicht nur die Sauberkeit der Stadt verbessert, sondern auch heimischen Wasservogelarten geschützt.
Eine Abschuss-Erlaubnis erteilt die Stadt allerdings noch nicht. Stuttgart setzt weiterhin auf gewaltfreie Lösungen. Da es sich bei der Nilgans um eine invasive Art handle, sei Deutschland verpflichtet, ihre Population einzudämmen, sagt der Stuttgarter Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. „Im Rahmen des Wildgänsemanagements dürfen Nilgänse grundsätzlich auch geschossen werden“, sagt Maier auf Anfrage. „Bevor allerdings zu diesem letzten Mittel gegriffen wird, prüfen die Stadtjäger andere, mildere Maßnahmen.“
Mit Drohnen gegen die invasive Tierart
Die Stadt hatte im November gemeinsam mit dem Land ein Pilotprojekt namens „Urbanes Wildgänsemanagement Stuttgart“ gestartet, um die Population der Tiere zu kontrollieren. Die Gänse werden seither markiert, um Bewegungen aufzuzeichnen und die Ausbreitung zu protokollieren. Nun sollen unter anderem die Eier behandelt und Gänse mit Drohnen verscheucht werden. Im Gemeinderat stemmt sich unter anderem das Linksbündnis gegen einen Abschuss der Nilgänse.
Auch andere Kommunen in der Region Stuttgart haben der Nilgans den Kampf angesagt. Esslingen versucht ebenfalls den gewaltfreien Weg – und setzt auf Böller und Falken-Sturzflüge. Fellbach hingegen engagierte einen Jäger, der die Tiere auf den Liegewiesen des F3-Freibads mit einer Sondergenehmigung töten durfte.