Herr Dr. Metke, sollen gegen Corona geimpfte Personen ihre Freiheitsrechte zurück erhalten?
Man kann die Frage umdrehen: Darf eine Minderheit von Nichtgeimpften die Gesellschaft blockieren? Ist es richtig, dass man Corona-Maßnahmen für alle verhängt, nur weil einige einer persönlichen Meinung anhängen und nicht geimpft werden möchten? Aber es geht ja nicht um mehr Rechte für Geimpfte, sondern um die Aufhebung von Beschränkungen für sie und die müssen kommen. Allerdings erst, wenn das Impftempo so weiter geht wie in den vergangenen zwei Wochen und wir eine nennenswerte Durchimpfung haben. Es kann ja auch nicht sein, dass Geimpfte doppelt privilegiert werden- durchs Impfen und mehr Freiheit.
Einige Länder wollen die Impfpriorisierung schon aufheben. Warum zögert da Baden-Württemberg? Es scheint oft an der Spitze der Langsamkeit bei den Bundesländern zu stehen?
Nein, Baden-Württemberg steht meiner Ansicht nach unter den Ländern an der Spitze der Seriosität. Wir können die Impfpriorisierung erst aufheben, wenn die Schwächsten durchgeimpft sind oder Impfstoff übrig bleibt. Die Forderung nach einer Freigabe für alle zum jetzigen Zeitpunkt ist Populismus. Wird sie erfüllt, würde der Druck auf die Impftermine steigen, das Impfterminlotto zunehmen. Impfpriorisierung geht andererseits mit hohem Verwaltungsaufwand auch bei der Anmeldung in den Praxen einher. Das macht die Forderung nach einem Ende der Priorisierung verständlich.
Wie läuft das Impfen bei den Hausärzten? Gibt es da Probleme?
Wir haben in Baden-Württemberg schon 4700 niedergelassene Ärzte, die impfen. Die sind erst seit Ostern dabei, haben aber an zwölf Arbeitstagen schon 450 000 Corona-Impfungen geleistet. Schwierigkeiten gibt es mit unzuverlässigen Lieferungen. Man bestellt Dienstag, erhält die Rückmeldung der Apotheken am Donnerstag und sieht am Montag bei der Lieferung häufig, dass zu wenig ankommt. Aber das Problem kennen Impfzentren auch.
Wer ist schuld daran?
Das lässt sich nicht genau sagen, diese Lieferungen sind störanfällige Prozesse, das ist ein Logistiksystem von hoher Komplexität. Zum Teil liegt es an den Herstellern, die immer wieder kurzfristig Lieferengpässe melden.
Haben die Hausärzte ein Problem mit Astrazeneca?
Der Impfstoff ist schlecht beleumundet. Wir haben da einen höheren Gesprächsaufwand mit den Patienten und Patientinnen. Für zwei Wochen ist das Thema aber jetzt ausgesetzt – da die Hausärzte wegen Lieferschwierigkeiten von Astrazeneca nur Biontech bekommen sollen.
Die Kassenärztliche Vereinigung hatte in einer Petition die Auflösung der Impfzentren verlangt. Läuft die noch?
Nein, wir haben sie vergangene Woche eingestellt, nachdem wir unser Ziel erreicht haben: eine gleichmäßige Verteilung aller Impfstoffe an niedergelassene Ärzte und an die Impfzentren. Sollten wir Ende Mai mehr als eine Million Impfdosen in Baden-Württemberg pro Woche erhalten, dann brauchen wir alle Impfkapazitäten. Und wenn dann auch noch Curevac früher auf den Markt kommt, dann könnten wir noch mehr verimpfen und im Land eventuell rascher zu einer Herdenimmunität kommen.
Die neue Task-Force im Sozialministerium: Hat sie die Arbeit verbessert?
Wir hatten bisher schon eine exzellente Zusammenarbeit mit dem Minister und seinen Beamten. Die sind seit einem Jahr Tag und Nacht ansprechbar gewesen, brachten optimale Lösungsvorschläge. Ich hatte nicht geglaubt, dass man das noch toppen kann. Das Team von Uwe Lahl im Sozialministerium hat aber auch das geschafft, es brachte eine Verbesserung in der Kommunikation, in dem es verschiedene Stakeholder – also Interessenvertreter – in Konferenzen zusammenführte.