Das beschädigte Wasserrohr an der Ecke Spaichinger Straße und Ilse-Beate-Jäkel-Weg in Stuttgart-Sillenbuch. Foto: Caroline Holowiecki
Bereits Mitte März gab es einen Wasserrohrbruch in Sillenbuch. Betroffen war ausgerechnet eine Fernwasserleitung. Mittlerweile steht fest: Der Schaden ist größer als gedacht.
Caroline Holowiecki
15.04.2026 - 15:36 Uhr
Das Loch im Boden ist gewaltig und so tief, dass erwachsene Menschen aufrecht darin stehen können. Am Grund: ein 40 Zentimeter dickes Rohr. Wo normalerweise Trinkwasser aus dem Bodensee durchrauscht, herrscht aktuell Ebbe. Das Rohr an der Ecke Spaichinger Straße und Ilse-Beate-Jäkel-Weg im Stuttgarter Stadtteil Sillenbuch ist kaputt und stillgelegt.
Gebrochen ist es bereits am 19. März. „Die Wiese kam hoch. Plötzlich hat es Flopp gemacht, und wir hatten hier einen Springbrunnen“, berichtet ein Anwohner. Einen Monat nach dem Vorfall steht er in Gummistiefeln und schlammverschmierter Kleidung in der Garage des Mehrfamilienhauses, in dem er wohnt, und räumt seinen Keller immer noch auf.
Das Wasser ist nach dem Rohrbruch dort hineingeflossen und hat alles geflutet. „Da stand einen Meter hoch Wasser“, berichtet der Mann. Autos habe man noch schnell ins Freie befördern können, zwei Motorräder aber seien „abgesoffen“, ebenso etwa Kisten mit Erinnerungsstücken. Zwei volle Müllcontainer stehen am Haus.
Mittlerweile ist klar: Was nach einem einfachen Wasserrohrbruch aussah, ist etwas Größeres. Klassisches Flicken reicht nicht, erklärt Teresa Brehme, die Sprecherin der Bodensee-Wasserversorgung. „Das würde nicht halten.“ Das Expertenteam habe festgestellt, dass die Leitung an der geborstenen Stelle irreparabel und auf einem größeren Abschnitt marode sei – altersbedingt. „Unser Leitungsnetz ist in Teilen bis zu 70 Jahre alt“, erklärt Teresa Brehme. In Sillenbuch müsse die Leitung nun auf einem rund 80 Meter langen Abschnitt komplett ausgetauscht werden.
Bäume in Sillenbuch müssen wegen der Wasserleitung gefällt werden
Das wiederum bedeutet, dass am Ilse-Beate-Jäkel-Weg noch mehr Bäume gefällt und Sträucher gerodet werden müssen als bereits passiert, in Summe wohl an die zehn große Pflanzen. Die Krux: Eigentlich ist das aktuell gar nicht erlaubt. Das Bundesnaturschutzgesetz untersagt solche Arbeiten vom 1. März bis 30. September, um Tiere während der Fortpflanzungszeit zu schützen.
Laut Teresa Brehme haben die zuständigen Naturschutzbehörden aber sämtliche Büsche und Bäume am Mittwoch nach möglichen tierischen Bewohnern abgesucht – und dann grünes Licht gegeben. Es geht offenbar nicht anders. „Ein nicht gewährleisteter Zugang zur Leitung könnte im Notfall zu längeren Versorgungsunterbrechungen und erheblichen Sachschäden führen und im ungünstigsten Fall auch Personen gefährden, etwa durch instabile oder umstürzende Bäume im Zusammenhang mit einem erneuten Rohrschaden“, teilt der Wasserversorger mit. Die Rede ist von einer Notfallmaßnahme.
Wasserversorgung in Stuttgart-Sillenbuch war nie unterbrochen
Das Wasser für Sillenbuch stammt aus dem Bodensee. Foto: dpa/Felix Kästle
Stuttgart ist laut Teresa Brehme komplett fremdwasserversorgt. Während der Norden und der Osten ihr Trinkwasser über die sogenannte Landeswasserversorgung aus dem Bereich Alb-Donauried bekämen, würden der Süden und der Westen aus dem Bodensee beliefert. So auch Sillenbuch. Dort sitzen die Menschen trotz des Rohrbruchs jedoch nicht auf dem Trockenen. „Sämtliche Häuser sind versorgt, es gab auch nie eine Unterbrechung“, betont Teresa Brehme. Im betroffenen Bereich werde das Wasser derzeit umgeleitet. „Die Netze BW kann aktuell notversorgen“, sagt sie.
Dass der Schaden auch einen Monat nach dem Wasserrohrbruch nicht behoben ist, erklärt Teresa Brehme mit mehreren Faktoren: Man sei auf externe Firmen angewiesen, auf Lieferzeiten oder den Austausch mit anderen Versorgern, die im Untergrund Leitungen hätten. Spätestens in der Kalenderwoche 17 werde man die bestehende Baustelle erweitern und den Austausch des Rohres starten.
Dann soll es nach Teresa Brehmes Erfahrung flott gehen. „Länger als zwei Wochen dauert das eigentlich nicht.“ Der Anwohner wird da womöglich immer noch mit dem Aufräumen seines Kellers beschäftigt sein. „Mir reicht’s“, sagt er. „Ich hab’ mir meinen Frühling anders vorgestellt.“
Die Bodensee-Wasserversorgung
Wasser-Quelle Das Wasser stammt aus dem Teil des Bodensees, der Überlinger See genannt wird. Dort wird es in 60 Metern Tiefe entnommen.
Wasser-Aufbereitung Das Wasser aus dem Überlinger See wird mit sechs Pumpen bis in die etwa 310 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage gepumpt. Dort wird es unter anderem durch Mikrosiebe geleitet und mit Ozon behandelt.
Wasser-Verteilung Das aufbereitete Wasser aus dem Bodensee hat laut dem Versorger „eine sehr hohe Qualität“. Es wird durch ein Rohrnetz von etwa 1.700 Kilometern Länge in weite Teile des Landes gepumpt, etwa vier Millionen Menschen werden damit versorgt.