Nürtingen bietet neues Onlineportal an Hauseigentümer können Sanierungsszenarien durchspielen

Mit einer gedämmten Fassade lassen sich Heizkosten senken. Foto: dpa/Armin Weigel

Ein kostenloses neues Onlineportal zeigt interessierten Hauseigentümern aus Nürtingen Wege zur Sanierung auf – und das Schritt für Schritt.

Region: Corinna Meinke (com)

Rechnet sich das überhaupt – und womit soll man am besten anfangen? Solche Fragen treiben viele Eigentümerinnen und Eigentümer um, die sich Gedanken rund ums energetische Sanieren ihrer Immobilie machen. Eine erste Orientierung dazu soll ein neues kostenloses Onlineportal der Stadt Nürtingen bieten, das sich unter dem Stichwort Gebäudesteckbrief auf der Homepage der Kommune leicht finden lässt.

 

Die Sanierungsrate ist noch zu niedrig

Mit wenigen Klicks zum Ergebnis, das sei eine der Stärken des neuen Angebots, darin sind sich die Nürtinger Klimaschutzmanagerin Tamara Fischer und Matthias Schöttler einig. Schöttler ist einer der drei Geschäftsführer der Stuttgarter FÜNF PROZENT GmbH, die Kommunen eine Onlineplattform anbietet, mit deren Hilfe der Bestand an Wohngebäuden analysiert werden kann. „Unser Name ist die Vision, die uns antreibt“, erläutert Schüttler mit Blick auf die Klimaziele, die bundes- und landesweit angestrebt werden.

Im Gebäudebereich müssen demnach bis 2030 etwa 45 Prozent der CO₂-Emissionen eingespart werden, was eine jährliche Sanierungsrate von fünf Prozent bedeutet. Aktuell liege die Sanierungsrate allerdings nur bei einem Prozent und in Nürtingen mit 0,6 Prozent noch einmal deutlich niedriger. „Ich sehe ein großes Potenzial in Nürtingen“ erklärte der Oberbürgermeister Johannes Fridrich mit Blick auf mögliche Sanierungsvorhaben und den hohen Anteil von Gebäuden in der Stadt, die 45 Jahre und älter sind.

Ein Jahr lang ist das Angebot frei geschaltet

Mit dem neuen Onlineportal Gebäudesteckbrief sollen Hürden abgebaut und durch den einfachen Zugang zu allen notwendigen Informationen die Gebäudeeigentümer bei ihren Sanierungsvorhaben bestmöglich unterstützt werden, so begründet Fridrich das neue Angebot, das auf ein Jahr angelegt ist und für das die Kommune 35 000 Euro bezahlt.

Wer auf der neuen Seite seine Adresse angibt, kann loslegen, und das Programm spuckt Daten zu verschiedenen Sanierungsszenarien aus. Auf diese Weise erfährt man, in welchem Kostenrahmen sich beispielsweise ein Fenstertausch, die Dämmung von Kellerdecke, Dach oder Außenwänden bewegen könnten – ein echtes Angebot vom Handwerker ersetzen diese Zahlen aber nicht. Sie sollen Nutzerinnen und Nutzer lediglich Anhaltspunkte auf dem Weg zu einer möglichen Sanierung geben.

Als Vergleichsbasis dienen mögliche Einsparungen beim Wärmebedarf, Vorteile , die auch in Eurobeträgen ausgewiesen werden. Zum Beispiel beim Thema Fenster. Wer dem Rechner ein Wohngebäude mit drei Etagen und dem Baujahr 1960 als Aufgabe stellt, erfährt, dass der Fenstertausch rund sieben Prozent des jährlichen Wärmebedarfs einspart, was einer Kostensenkung von 168 Euro pro Jahr entspreche, wenn man als Energieträger Heizöl eingegeben hat. Da die Energiepreise allerdings in Bewegung sind, würden diese Kosten alle drei Monate aktualisiert, erklärt Schöttler. Mit so einem Fenstertausch könnten laut Beispiel 0,6 Tonnen CO2 pro Jahr weniger emittiert werden. Und auch einen Kostenrahmen hat das Programm parat, der sich bei drei Wohnetagen auf 39 000 bis 48 000 Euro belaufen könnte, während eine Außenwand- oder eine Dachdämmung mit 45 000 bis 55 000 Euro zu Buche schlagen würde. Längst nicht jeder Häuslebesitzer kann solche Summen investieren, das ist den Beteiligten klar, deshalb verweise das Portal auf Förderprogramme, über die beispielsweise die Klimaschutzagentur Baden-Württemberg informiert. Eine Möglichkeit, bei der Sanierung von günstigeren Preisen zu profitieren, sei die Sammelausschreibung, sagt Schöttler und berichtet von einem Beispiel in Schorndorf, wo sich 55 Eigentümer beim Kauf von PV-Anlagen zusammengetan haben und einen Nachlass von rund 20 Prozent erzielten.

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