Nürtingen/Geislingen Ernährungssicherheit im Fokus: HfWU lobt das Land

Die HfWU Nürtingen-Geislingen begrüßt, dass sich die neue Landesregierung um das Thema „Ernährungssicherheit“ kümmern möchte. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die grün-schwarze Koalition will globale Abhängigkeiten reduzieren: In einem Positionspapier nimmt die Hochschule Nürtingen-Geislingen dazu Stellung.

Region: Andreas Pflüger (eas)

Als während der Coronapandemie das Klopapier ausging und in den Supermarktregalen auch sonst gewaltige Lücken klafften, rückte das Thema Versorgungssicherheit auf einmal in den Fokus. Wurden Menschen, die sich in ihren Kellern einen überschaubaren Vorrat an Lebensmitteln und ähnlichem anlegten, zuvor noch belächelt oder als Prepper verunglimpft, gab es nun doch einige, die sich entsprechend ausrüsteten.

 

Als mit Beginn des Ukrainekriegs dann auf einmal Produkte wie Mehl, Öl, Gemüse und Obst knapp wurden, zeigte sich eine weitere Facette der Versorgungsunsicherheit hierzulande. Formulierungen wie „gestörte Lieferketten“ oder „globale Abhängigkeit“ fanden plötzlich Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch. Inzwischen ist auch in der Politik angekommen, dass eine ordentliche Portion an Ernährungssouveränität keine Kürveranstaltung ist.

HfWU: Verlässliche Lebensmittelversorgung ist zentrale Aufgabe

So hat etwa die neue grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg die „Ernährungssicherheit“ als ein zentrales Element in ihrem Regierungsprogramm verankert und mit Schlagworten wie „ regionale Versorgung“, „krisenfeste Lieferketten“ und „Ausbau von Innovationen in der Landwirtschaft“ versehen.

Passend dazu hat die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) jetzt ein entsprechendes Positionspapier verfasst. Im Mittelpunkt steht dabei die Notwendigkeit, die Bevölkerung auch in Krisenzeiten sicher und verlässlich mit Lebensmitteln zu versorgen, was laut HfWU „eine zentrale Aufgabe von Politik und Verwaltung ist“. Die Hochschule sieht sich dabei als Partner sowohl der Landwirtschaft als auch der Gesellschaft.

Regionale Lieferketten sind entscheidend

Der Autorenkreis des Positionspapiers, vier Professorinnen und Professoren des Studienganges Agrarwirtschaft, begrüßt das Bekenntnis der Koalitionspartner, die Ernährungssicherheit als Ziel in die Landesverfassung aufzunehmen und „dafür die Resilienz und die bäuerlich geprägte Landwirtschaft gezielt zu stärken“. Gerade in unsicheren politischen Zeiten komme es auf eine funktionierende Land- und Ernährungswirtschaft an, um die Bevölkerung zu versorgen.

Für diese, laut dem Positionspapier, „kritische Infrastruktur“ seien regionale Lieferketten entscheidend. Derzeit jedoch sei die Versorgung mit Lebensmitteln von Importen fossiler Energieträger, Mineraldünger sowie Futter- und Lebensmitteln abhängig. Für eine resiliente landwirtschaftliche Produktion werden in dem Positionspapier eigenständige Wertschöpfungsketten und weniger Importe angemahnt.

HfWU-Forschungsschwerpunkte im Koalitionsvertrag

In diesem Zusammenhang bieten die Agrarökologin Maria Müller-Lindenlauf, die Pflanzenbauerin Carola Pekrun, der Experte für Tierernährung, Stephan Schneider, und der Agrartechnologe Albert Stoll an, „dass die HfWU angesichts dieser Problemlage eine aktive und gestaltende Rolle spielt“. Die Hochschule besitze die Expertise, wenn es um die nachhaltige und resiliente Landnutzung gehe: in der Lehre, in der angewandten Forschung und im Transfer in die Praxis. Dort würden zudem qualifizierte Fach- und Führungskräfte für eine resiliente Lebensmittelversorgung ausgebildet.

Die Autorinnen und Autoren betonen, „dass sich die aktuellen Forschungsschwerpunkte der HfWU im neuen Koalitionsvertrag wiederfinden“. So wolle die kommende Landesregierung zügig die strukturellen, personellen und finanziellen Voraussetzungen für mehr Resilienz und den Erhalt der Lebensgrundlagen schaffen, was von der Hochschule ausdrücklich begrüßt wird.

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