OB-Kandidat in Sindelfingen Wie Max Reinhardt die Stadt fit für die Zukunft machen will

Max Reinhardt an seinem Lieblingsort in Sindelfingen: dem Biergarten im Sommerhofenpark. Foto: Eibner/Memmler

Max Reinhardt ist 25 Jahre jung. In Sindelfingen ist der Stadtrat von der FDP aber kein Neuling, seit 2019 sitzt er im Gemeinderat. Am 11. Mai will Reinhardt Oberbürgermeister werden und in seiner Stadt zahlreiche Projekte anstoßen, die das Gesicht der Stadt verändern sollen.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Idyllisch geht’s zu zur Mittagszeit im Biergarten des Sommerhofenparks: Vögel zwitschern, bunte Blumen blühen, Radfahrer, Spaziergänger und Biergartenbesucher genießen die Frühlingssonne. Mitten in dieser Wohlfühlatmosphäre findet sich mit Max Reinhardt jemand, dessen Terminkalender aktuell wohl nur wenige Momente der Ruhe zulässt. Der 25-Jährige möchte Sindelfinger Oberbürgermeister werden und steckt mitten im Wahlkampf.

 

Schon früher zog es ihn in den Sommerhofenpark, wie der Jurist erzählt: „Man kann essen, trinken, lesen, spazieren.“ Mit dem Park verbindet der Stadtrat aber auch eine andere Etappe seiner Biografie: Nur wenige Meter entfernt befindet sich die Klosterseehalle. Hier sammelten Ehrenamtliche von „Helfen statt Hamstern“ im Jahr 2022 Hilfsgüter für die kriegsgebeutelte Ukraine. Reinhard gehörte zu den Gesamtkoordinatoren.

Wie viel Badezentrum darf es sein?

Zeit zum Schwelgen in Erinnerungen bleibt ihm derzeit aber kaum. Bis zur Wahl am Sonntag, 11. Mai, muss der OB-Kandidat noch zahlreiche Auftritte abspulen und zu Themen Stellung beziehen. Dazu gehört immer wieder auch das Badezentrum. Seit Jahren streitet Sindelfingen darüber, ob das Bad für rund 100 Millionen Euro um Sauna-, Wellness- und Rutschenbereiche erweitert werden oder nur eine Sanierung für 35 Millionen Euro erfolgen soll. Damals wie heute sagt der FDP-Stadtrat Reinhardt: „Wir haben dringlichere Probleme als ein Spaßbad. Straßen, Schulen, Kitas – hier benötigen wir das Geld.“

Auch die neuesten Zahlen der Stadt, wonach die erste Variante langfristig wirtschaftlich gesehen den größeren Nutzen bringen dürfte, ändern nichts an seiner Haltung: „Ein Geschäftsmodell, das trotz 100-Millionen-Euro-Investition nach 33 Jahren ein jährliches Minus abwirft, überzeugt nicht.“ Ungelöst seien nach seiner Ansicht auch die Probleme Personalgewinnung und Verkehrssituation. „Ich wäre für eine Sanierung des Bades, für eine Sauna und die Reaktivierung des Nordbeckens im Freibad.“

Wirtschaftliche Vielfalt fördern

Seit jeher hängt die Haushaltslage Sindelfingens von der wirtschaftlichen Entwicklung des hiesigen Autobauers ab. „Ein guter Draht ins Werk ist wichtig“, sagt Reinhardt. Auch wenn „der Daimler“ mit seinen 35 000 Beschäftigten Sindelfingens größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler und Reinhardt selbst Sohn von Mercedes-Beschäftigten ist, plädiert er für eine Diversifizierung des Wirtschaftsstandorts. „Ich setze auf einen Branchenmix mit KI- und Software-Firmen.“

Mit dem Breuningerland, das 2021 eine große Erweiterung ankündigte, besitzt die Stadt einen Publikumsmagneten – die Innenstadt allerdings steht auch in dessen Schatten. Max Reinhardt sieht die Lage nicht so schwarz: „Vieles, wie der Wochenmarkt oder ‚Sindelfingen rockt’, funktionieren gut.“ Wenn statt des geplanten Gebäudes mit Hochpunkt auf dem Post-/VoBa-Areal ein grüner Stadtpark entstünde, wäre Aufenthaltsqualität geschaffen. Städtische Immobilien könnten zu gastronomischen Frequenzbringern umgewandelt werden. Auch in der planmäßigen Gründung neuer Hochschulen sieht der 25-Jährige Entwicklungspotenzial.

Soziales Miteinander als„Herzensthema“

Sindelfingen ist mit 120 Nationen eine Stadt großer Vielfalt. „Für mich gibt es nur ein ‚wir’. Ich pflege seit Jahren Kontakt mit Menschen unterschiedlicher Nationen“, sagt der Darmsheimer. Dass er beim Fastenbrechen am 22. März auf dem Marktplatz dabei war und nicht wie OB Vöhringer wegen der Nähe der Organisatoren zu der türkischen Regierung nahen Verbänden wie etwa DİTİB oder der islamistischen Millî Görüş-Bewegung abgesagt hatte, begründet Reinhardt so: „3000 Menschen kann man nicht ignorieren. Es waren ja nicht nur Erdoğan-Fans da. Ich bin auch nicht kritiklos hingegangen.“ Wenige Tage zuvor war in Istanbul Oberbürgermeister Ekrem İmanoğlu verhaftet worden.

Angespannt ist die Lage in den Kitas auch in Sindelfingen. Reinhardt formuliert Verbesserungsvorschläge. „Wir müssen investieren in neues Personal. Die Stadt muss ein attraktiver Arbeitgeber sein. Dazu gehört auch, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“ Auch in der Daimlerstadt warteten Eltern länger auf einen Betreuungsplatz. „Das Vergabesystem muss digitaler funktionieren. Das beschleunigt die Vergabe und entlastet unsere Mitarbeiter. Das Matching können KI-Systeme längst.“

Klimaresistente Stadt erschaffen

In Sachen Klimaschutz wünscht sich Reinhardt eine Aktualisierung des Konzepts von 2013. „Wir brauchen weniger und mehr Neunutzung leer stehender Gebäude. Fassaden und Dächer sollten begrünt und mehr Bäume gepflanzt werden“, so der OB-Kandidat. Für den Ausbau erneuerbarer Energien könnte sich der Stadtrat eine Fachberatungsstelle für interessierte Bürger vorstellen. Mit der Energiedrehscheibe auf der Dachsklinge mit Solar- und Windkraft sowie Biogas habe Sindelfingen jedenfalls bereits ein Vorzeigeprojekt angestoßen.

Max Reinhardt ist mit seinen 25 Jahren mit Abstand der jüngste Bewerber. Ein Problem sieht er darin nicht. „Man kann mit 25 Jahren ein guter OB sein. Es geht um Kompetenz und Haltung. Ein OB braucht keine grauen Haare, sondern Sachverstand und Herz.“ Die Sindelfinger dürfen am 11. Mai entscheiden, ob Reinhardt den Chefsessel übernehmen soll.

Max Reinhardt tritt zur OB-Wahl an

Ausbildung
Reinhardt ist Diplom-Jurist. Er hat an der Universität Tübingen studiert. Aktuell arbeitet er als Wirtschaftsjurist in einer Kanzlei in Stuttgart.

Mandate
Seit 2019 sitzt Reinhardt für die FDP im Sindelfinger Gemeinderat. Seit 2024 ist er Fraktionsvorsitzender, er ist außerdem im Kreistag und im Ortschaftsrat Darmsheim vertreten.

Ehrenamt
Reinhardt ist Vorstandsmitglied beim VfL Sindelfingen, außerdem war er bis 2024 Vorstandsmitglied beim Gewerbe- und Handelsverein Sindelfingen. Er ist Gründer und Vorsitzender von „Helfen statt Hamstern“.

Wahlankündigung
Reinhardt kündigte kurz vor Weihnachten 2024 an, für die OB-Wahl anzutreten.

Wahl
Die Wahl zum OB findet am 11. Mai statt. Sollte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erringen, wird eine Stichwahl am 25. Mai entscheiden.

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