Nur vor und nach der Veranstaltung durften die Kandidaten Hans-Martin Fischer (links) und Hartmut Holzwarth gemeinsam auf die Bühne. Ansonsten wurden sie getrennt nacheinander gefragt. Foto: Gottfried Stoppel
Die Winnender OB-Kandidaten Hartmut Holzwarth und Hans-Martin Fischer präsentieren sich – und könnten in Stil und Inhalten kaum unterschiedlicher sein. Wer konnte beim Publikum punkten?
Donnerstagabend in Winnenden. Auf der Bühne der Hermann‑Schwab‑Halle stehen – nacheinander für jeweils gut eine Stunde – zwei Männer in Jeans und Sakko, ohne Krawatte, beide sichtlich bemüht um Nahbarkeit. Vor ihnen: rund 300 Gäste, gut verteilt auf die Reihen des Saals, der an diesem Abend nicht ganz zur Hälfte gefüllt ist.
Die Stadt hatte eingeladen – zur offiziellen Vorstellung der Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 25. Januar. Moderiert von Bürgermeister Norbert Sailer, folgt die Veranstaltung einem klaren Ablauf: jeweils 15 Minuten Selbstdarstellung, anschließend Fragen aus der Bürgerschaft. Dass es überhaupt zu diesem Format kommt, ist der späten Bewerbung eines Herausforderers zu verdanken.
„Mach acht weiter“ – Holzwarths Weg zur erneuten Kandidatur
Hartmut Holzwarth tritt nach 16 Jahren im Amt erneut an. 56 Jahre alt, drei Kinder, verheiratet, aufgewachsen im Weissacher Tal – in seiner Ansprache spannt er den Bogen von der persönlichen Herkunft zur kommunalen Verantwortung. Am Morgen habe ihn ein Jugendtrainer auf dem Wochenmarkt angesprochen und sich für die „16 Jahre Einsatz für unsere Stadt“ bedankt, erzählt Holzwarth. Die Botschaft: „Mach acht weiter.“
Weil er doch noch einen Gegenkandidaten hat, muss Hartmut Holzwarth Wahlkampf machen. Foto: Gottfried Stoppel
Er spricht von den „großen Herausforderungen“, die Winnenden in seiner Amtszeit bewegt haben – von der Bewältigung des Amoklaufs, über die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie bis zu den wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs. „Das alles hat uns gefordert, aber auch stark gemacht“, betont er.
Holzwarth setzt auf transparente Führung und nachhaltige Entwicklung
Sein Verständnis von kommunaler Führung fasst er mit wenigen Worten: moderieren, verbinden, realistische Handlungsspielräume aufzeigen. Für das kommende Jahrzehnt stellt er sich ein „verantwortungsvolles, transparentes Wirtschaften“ vor – vorsichtig mit Blick auf die finanzielle Lage, entschlossen in Fragen wie Schulentwicklung, Infrastruktur oder Energiewende.
Holzwarth betont, dass Winnenden nicht auf Rosen gebettet sei – und als Klinik- und Schulstandort überdurchschnittlich gefordert. Entscheidungen, etwa zur Sanierung des Wunnebads oder zur Beteiligung am Windpark Hörnle, verteidigt er mit Blick auf den langfristigen Nutzen. Die Modernisierung des Bads ermögliche einen wirtschaftlicheren Betrieb, der Windpark sei Teil einer „starken, aber verantwortungsvollen Energiewende“. Nicht nur mit Blick auf den Maßregelvollzug, der im Zentrum für Psychiatrie eingerichtet werden soll, betont er: „Wir haben miteinander, nicht gegeneinander gerungen – und gute Lösungen gefunden.“
Auch beim Thema Innenstadtentwicklung und Verkehrspolitik bleibt Holzwarth pragmatisch. Kostenloses Parken sei ein schönes Angebot, habe aber seine Grenzen. Frequenz müsse erhöht, Dauerparken vermieden werden. Im Umgang mit begrenzten Mitteln gehe es darum, das richtige Maß zu finden.
Fischer fordert Kurswechsel für bürgernahe Politik in Winnenden
Hans‑Martin Fischer, Jahrgang 1965, Medienunternehmer, Stadtrat der „Bürgerstimme“ in Winnenden. Er lebt in Höfen, ist erklärtermaßen Fan des VfB Stuttgart und begeisterter Städtereisender. Seine späte Bewerbung erklärt er gleich zu Anfang seiner Vorstellung auf der Bühne: „Ich habe mir gedacht: Es braucht noch einen Gegenkandidaten.“ Als zentrales Motiv nennt er den Eindruck, in Winnenden sei „einiges in Schieflage“ geraten. Er wirbt für einen „Kurswechsel“ und eine „bürgernahe, wirtschaftliche Politik“.
Seine Kritik richtet sich unter anderem gegen den Windpark Hörnle, der Immobilien entwerte und Natur zerstöre. Auch die Modernisierung des Wunnebads, die deutlich teurer ausgefallen ist, als ursprünglich geplant, stellt er infrage: „War das notwendig – oder hätte es nicht auch eine einfache Sanierung getan?“
Winnenden müsse raus aus der Schuldenspirale, sagt Hans-Martin Fischer. Foto: Gottfried Stoppel
„Wir müssen raus aus der Schuldenspirale – und zwar durch Einsparungen“, sagt er. Konkrete Maßnahmen? Statt der Neuanschaffung von Sirenen hätte er lieber Instrumente für die Musikschule finanziert. Auch die neuen Säulenblitzer hält er für verzichtbar. Bei den Kitas schlägt er vor, Gruppen zusammenzufassen, um Personal effizienter zu nutzen.
Fischer: „Wir können in Winnenden nicht die ganze Welt retten“
Dagegen formuliert er Vorhaben, die das Stadtsäckel belasten würden: Die Gewerbesteuer will er nicht erhöhen, gleichzeitig aber die Kulturetats aufstocken, ein kommunales Kino schaffen, die Stadttürme beleuchten und eine neue Tourismusinfo einrichten. Auch kostenfreies Parken soll beibehalten werden. Auf die Frage, wie all das finanziert werden könne, verweist er auf „Schwarmintelligenz“, Ideenkästen und Bürgerbeteiligung. Und auf den Verzicht von Aufgaben: „Wir können in Winnenden nicht die ganze Welt retten.“
Seine mangelnde Verwaltungserfahrung ist für Fischer kein Hinderungsgrund. „Wir haben doch im Rathaus gute Mitarbeiter“, sagt er und: „Ich bin ein Teamplayer.“
Bürgeranliegen und Prioritäten: Fischer und Holzwarth im Dialog
Die Veranstaltung verläuft ruhig, an manchen Stellen etwas diffus. Ein paar Bürger nutzen die Gelegenheit, persönliche Anliegen direkt anzusprechen: Müllprobleme bei Altglascontainern, Streit über Genehmigungen. Als es um Inklusion und Barrierefreiheit geht, sagt Fischer, er sei „prinzipiell dafür“, müsse aber die Kosten im Blick behalten. Holzwarth verweist auf bestehende Strategien. Beim Thema Personalabbau in der Verwaltung betont er den Spagat zwischen Arbeitgeberattraktivität und Sparnotwendigkeit. Fischer bleibt auch hier im Allgemeinen: Man müsse Prioritäten setzen, auf manches verzichten.
Nach rund zweieinhalb Stunden ist klar: Die Rollen sind verteilt. Der eine spricht aus Erfahrung, der andere formuliert den Anspruch auf Erneuerung. Der eine nennt Zahlen und Entscheidungen, der andere vage Ideen und Perspektiven.
Am 25. Januar haben die Bürgerinnen und Bürger in Winnenden die Wahl.