Obertürkheimer führt Radsport-Team an Zwischen Studium und Profi-Traum:Das einzigartige Konzept der Racing Students

Racing-Students-Kapitän Jakob Heni (links) beim Zielsprint. Foto: Vero Schäf

Die Racing Students wurden einst gegründet um jungen Radfahrern den Spagat zwischen Hochleistungssport und Ausbildung zu ermöglichen. Dass das ungewöhnliche Konzept auf gehen kann zeigen zwei Erfolgsgeschichten.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

Jakob Heni ist längst kein Student mehr. Vor drei Jahren hat der Obertürkheimer seinen Abschluss in Agrarwissenschaft an der Uni Hohenheim gemacht. Und trotzdem fährt der 30-Jährige weiterhin für das Radsportteam Racing Students. „Ich bin mittlerweile der alte Hase im Team“, sagt Heni, der seit 2015 für die Amateurmannschaft fährt.

 

Entwickelt wurde das Konzept des Teams im Jahr 2008 von den beiden Gründern Christoph Kindle und Alexander Gut. „Ursprünglich war die Idee dahinter, jungen Fahrern neben dem Studium, aber auch neben der Ausbildung oder Beruf, die Möglichkeit zu geben, auf hohem Niveau Radsport zu betreiben“, erklärt Heni. Dies habe – zu einer Zeit, als die Dopingskandale um Radstars wie Jan Ullrich oder Lance Armstrong für Schlagzeilen sorgten – auch zur Prävention dienen sollen. „Es ist wichtig, dass man sich neben dem Radsport ein zweites Standbein aufbaut, dass man nicht irgendwann vor der Frage steht: Höre ich jetzt auf und habe nichts oder greife ich zu leistungssteigernden Mitteln, um doch noch den Sprung in den Profiradsport zu schaffen“, führt der Sprinter aus.

Mittlerweile tummeln sich im Team von Schülern bis zu Festangestellten eine bunte Mischung aus ambitionierten Radfahrern. Den größten Teil der Ausgaben für den Sport decken die Sponsoren des Teams. Darum kümmern sich die beiden Gründer aus dem Raum Offenburg als Teamchefs im Hintergrund. Sportlich steht das zehnköpfige Team um Kapitän Heni auf eigenen Beinen. Jeder der Fahrer, die verteilt in Baden-Württemberg rund um Offenburg, Nürtingen, Heilbronn und Stuttgart leben, trainiert für sich. Dazu kommen gemeinsame Ausfahrten sowie ein zweiwöchiges Trainingslager im Februar in Spanien. Während der Saison fährt das Team hauptsächlich Rennen rund um Baden-Württemberg. Dazu kommt die Teilnahme an der Rad-Bundesliga. Die Serie umfasst acht Rennen in ganz Deutschland. Für die kommende Runde hat sich das Team im zweiten Jahr nach einem großen Umbruch einen Top-Ten-Platz bei einer Tagesrundfahrt als Ziel gesetzt.

Kein typisches Radsport-Team

In vielen Bereichen unterscheidet sich das Team von vielen herkömmlichen Radsportmannschaften. Die Fahrerverträge werden per Handschlag geschlossen, das Wort zählt. Dazu übernimmt jeder Fahrer eine Aufgabe. Heni, der dazu Mitglied beim 1. RV Stuttgardia Stuttgart ist, kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Auch auf dem Rad unterstützen sich die Fahrer der Racing Students gegenseitig und treten schon seit Jahren als ein ausgeglichenes Team auf. „Wir sind eine sehr enge Gemeinschaft und gute Freunde“, sagt Heni, der beim Fellbacher Weingut Aldinger und bei einer Kaffeerösterei in Esslingen arbeitet.

Dass das junge Team auch ein Sprungbrett sein kann, beweisen Jannik Steimle und Kathrin Hammes. Steimle, der seit vergangenem Jahr für das Schweizer Profi-Team Q36.5 Pro Cycling Team um Mountainbike-Olympiasieger Thomas Pidcock fährt, gelang über die Racing Students der Einstieg in den Herrenbereich. 2023 gewann der 28-Jährige im Mixed Bronze bei der Weltmeisterschaft. Kathrin Hammes fuhr einst für das mittlerweile eingestellte Frauen-Team der Racing Students. Sie stand zuletzt bis zu ihrem Karriereende 2024 beim US-Team EF Education-Tibco-SVB unter Vertrag. „Das zeigt, dass die Philosophie des Teams ganz gut funktionieren kann, sich zuerst auf Ausbildung und Radsport gleichzeitig zu konzentrieren, man aber trotzdem noch gut genug Radsport betreibt, dass es zum Profivertrag reichen kann“, sagt Heni.

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