Offensivmann des VfB Stuttgart Führich furios – fährt der Flügelstürmer zur WM?

Jubel in Sinsheim: Chris Führich nach seinem Tor zum 1:1 für den VfB. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Chris Führich zeigt seit Monaten starke Leistungen, die sich auch in Zahlen zeigen. Wird der Bundestrainer Julian Nagelsmann das honorieren?

Sport: Marco Seliger (sem)

Es gab fernab des satten Sonnenscheins über Sinsheim nicht viele Lichtblicke aus der Sicht des VfB Stuttgart am Samstagnachmittag. Die erste Hälfte im Liga-Spiel bei der TSG Hoffenheim geriet ziemlich finster. Düster waren die Aussichten angesichts eines rabenschwarzen Tags, den die Weiß-Roten in den ersten 45 Minuten zunächst erwischt hatten.

 

Doch einer der zehn VfB-Feldspieler brachte schon da Licht in den satten Stuttgarter Schatten: Chris Führich war es, der zwischendurch nicht nur zum 1:1 traf, sondern auch sonst viel Erhellendes bot in der spektakulären Partie, die am Ende 3:3 ausging. Hinterher dann war es endgültig klar, dass Führich – neben Keeper Alexander Nübel – der mit Abstand beste VfB-Profi gewesen ist. Und alle, die es mit den Weiß-Roten halten, zum Strahlen gebracht hatte.

Das sahen auch die Verantwortlichen so, die den Nationalspieler in den Katakomben der Leistung angemessen lobten. „Chris ist zur richtigen Zeit in einer sehr guten Verfassung, nicht erst seit letzter Woche, sondern seit Monaten. Er nimmt viel Einfluss auf unser Offensivspiel, auch mit Scorern, mit Fakten“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß.

Großes Lob für Chris Führich

Sportvorstand Fabian Wohlgemuth äußerte sich ähnlich positiv – und hatte schon andere Dinge im Sinn mit dem Blick auf die nahe Zukunft. „Chris ist schon die letzten Wochen aus den guten Mannschaftsleistungen herausgestochen“, sagte er: „Deshalb glaube ich auch, dass er ein Kandidat für die Weltmeisterschaft sein könnte, vielleicht sogar mehr als könnte.“

Ob Bundestrainer Julian Nagelsmann es am Ende als ein „Muss“ ansieht, Führich für die WM zu nominieren, wird sich spätestens bei der Kaderbekanntgabe am 21. Mai (zwei Tage vor dem DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern) zeigen. Fakt ist: Der Offensivmann drängt sich seit Monaten für eine WM-Teilnahme auf, wie das dann so schön heißt.

Die starke Form Führichs zeigt sich dabei auch an den Fakten. So gelangen ihm drei Tore und eine Vorlage in den vergangenen vier Bundesliga-Partien – über die gesamte Spielzeit kommt er auf acht Tore und acht Vorlagen und hat damit seine bisherige Bestmarke aus der Vizemeister-Saison 2023/24 bereits geknackt. Damals war Führich auf acht Tore und sieben Vorlagen gekommen.

Zuletzt nominierte Bundestrainer Nagelsmann den Blondschopf rund um das Länderspiel gegen Ghana Ende März (2:1) für den verletzten Felix Nmecha nach. Im Heimspiel von Stuttgart durfte Führich 29 Minuten lang ran. Es war die erste Berufung seit Ende 2024 für Führich gewesen, der ein paar Monate zuvor zum Kader bei der Heim-EM gehört hatte. „Chris kann uns helfen bei der WM“, betonte VfB-Coach Hoeneß am Samstag nach dem 3:3 von Sinsheim noch: „Die Entscheidung liegt aber beim Julian.“

Besagtem Julian wird es dabei nicht entgangen sein, dass Führich auch nach dem vergangenen Länderspielblock Ende März weiter stark aufspielte – und dass er den Offensivmann zumindest als Ersatzkraft bei der WM womöglich gut gebrauchen kann.

Kai Havertz, Florian Wirtz, Nick Woltemade, Jamal Musiala, Lennart Karl, Leroy Sané sowie die VfB-Teamkollegen Deniz Undav und Jamie Leweling sind die Offensivkräfte, die Nagelsmann nominieren könnte. Die BVB-Profis Karim Adeyemi und Maximilian Beier haben Außenseiterchancen – zumindest Havertz, Wirtz, Woltemade und Musiala haben ihren Platz, wenn sie fit sind, sicher.

Da Serge Gnabry vom FC Bayern aber verletzt fehlen wird beim großen Turnier in Übersee, kommt mehr denn je Führich ins Spiel. Denn der VfB-Profi ist wie Gnabry (der auch im Zentrum hätte spielen können) ein Mann für die linke Außenbahn. Und daher ein Kandidat, einerseits den Münchner im DFB-Kader zu ersetzen und dann möglicherweise den Ersatzmann für Musiala auf der linken Offensivseite zu geben.

Ende März: Führich am Ball für die DFB-Elf in Stuttgart gegen Ghana. Foto: IMAGO/Nico Herbertz

Das alles sind Aussichten, die noch zu Jahresbeginn kaum einer für möglich gehalten hätte, womöglich sogar Führich selbst nicht. Denn der 28-Jährige hatte da noch ein zutiefst enttäuschendes erstes Halbjahr in dieser Saison hinter sich.

So stand er in 17 von 25 Pflichtspielen in der zweiten Jahreshälfte anno 2025 nicht in der Stuttgarter Startelf. Im Oktober noch hatte Trainer Hoeneß von einer „schweren Phase“ des Außenstürmers gesprochen, dessen Spiel in besonderem Maße von Selbstvertrauen und Automatismen lebt. Das aber fehlte. Denn Führich dachte nach, haderte, die Abläufe stockten. Hängen ließ er sich aber nicht. „Er war trotz der nicht ganz einfachen Situation extrem fleißig, war Impulsgeber in den Trainingseinheiten und hat die Qualität hochgehalten. Er hat einen richtigen Reifeprozess durchgemacht“, sagte Hoeneß dann Anfang dieses Jahres, als Führich plötzlich wieder durchgestartet war.

Der Offensivmann selbst blickt reflektiert auf die schwere Zeit zurück. „Solche Phasen machen einem Spieler nie Spaß“, sagte Führich kürzlich dem Bezahlsender Sky: „Ich probiere immer, die Phase entspannter zu sehen, mich da rauszuarbeiten. Mental ist es anstrengend, wenn du deiner Leistung hinterherläufst, obwohl du viel investierst.“ In diesen Phasen aber, so Führich weiter, schaffe man sich einen neuen Puffer, um stabiler und mental stärker zu sein: „Es fühlt sich so an, als hätte ich in diesem Jahr nochmals einen Entwicklungsschritt gemacht.“

Womöglich wecken diese Schritte und die starken Leistungen im Sommer sogar das Interesse einiger zahlungskräftiger Clubs. Angeblich hat Führich in seinem Vertrag bis 2028 eine Ausstiegsklausel, die bei knapp 20 Millionen Euro liegen soll.

Weitere Themen