Der Unfallfahrer wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – und er muss den Opfern Schadenersatz zahlen. Viel zu wenig, meinen viele Leser.
Im Prozess gegen den Unfallfahrer, der im vergangenen Jahr am Olgaeck in Stuttgart in eine Menschengruppe gefahren war und dabei eine Frau tötete, ist am Mittwoch ein Urteil gefallen. Der 43-Jährige wurde vom Schöffengericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, außerdem muss er 400.000 Euro an die Opfer zahlen. Am Amtsgericht spielten sich am Mittwoch emotionale Szenen ab.
Im Netz löst das Urteil unter juristischen Laien vor allem Unverständnis aus. Viel zu gering sei das Strafmaß ausgefallen, zumal ein Mensch ums Leben gekommen sei, lauten die häufigsten Kommentare in den Kommentarspalten zur Berichterstattung zu dem viel beachteten Prozess. „Unbegreiflich“, „ein Witz“, „schockierend“, nennen die Leserinnen und Leser unserer Zeitung den Richterspruch. Angemessen findet das Strafmaß hingegen kaum jemand.
Angeklagter räumt Kokainkonsum ein – viel Unverständnis
Insbesondere die Tatsache, dass der Mann Kokainkonsum vor Gericht eingeräumt hatte und dieser auch in Zusammenhang mit dem Unfall gebracht wurde, bemängeln einige. „Drogen, und töten im Straßenverkehr, das ist doch hoch alarmierend“, schreibt beispielsweise Marijana Špehar. „Wäre er nicht auf Kokain gefahren würd ich’s gerade noch nachvollziehen können. Aber so nicht“, lautet ein beispielhafter Kommentar auf Instagram. Claudi Zeeb befindet, dass die Strafe „keine Abschreckung für Auto-Raser“ darstelle.
Zudem bemängeln einige Kommentatoren, dass der 43-Jährige in absehbarer Zeit wieder Auto fahren darf und die Strafe auf Bewährung ausgesetzt wurde. „Dieses Urteil ist mir vor dem Hintergrund völlig schleierhaft. Allein, dass er nach 9 Monaten wieder die Chance auf einen Führerschein hat…Puh…“, schreibt Carsten Wanka auf Facebook. Dass der Unternehmer offenbar auch wohlhabend ist, wird in den Kommentarspalten ebenfalls thematisiert.
Olgaeck-Urteil: „Trotzdem gehört der Mann ins Gefängnis“
Außerdem werden Vergleiche zu anderen Straftaten und Delikten gezogen. „Da bekommt jeder Schwarzfahrer mehr“, schreibt etwa Natascha Franke. „Justitia ist hierzulande wirklich auf einem Auge blind.“ Auch der Nutzer Janos Financz schreibt: „Wegen Steuerhinterziehung hätte er 5 Jahre ins Gefängnis gehen müssen. Keine gerechte Strafe.“
Die Staatsanwaltschaft hatte den Unternehmer wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung in acht Fällen sowie Gefährdung des Straßenverkehrs angeklagt. Weil die Anklage nicht auf Mord lautete und kein entsprechendes Strafmaß erwartet wurde, war vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Warum kein höheres Gericht zuständig war, hatte im Nachgang im Netz ebenfalls fragen aufgeworfen. Die Staatsanwaltschaft forderte dann auch „nur“ ein Bewährungsstrafe, das Gericht folgte dem. Die Richterin hatte dem Angeklagten zugute gehalten, dass er sich geständig gezeigt und Verantwortung übernommen habe.
Der 43-Jährige sagt am Mittwoch: „Die Schuld wird mich für den Rest meines Lebens begleiten.“ Das stimme „vermutlich, dass ihn die Schuld sein ganzes Leben begleiten wird“, kommentiert Dirk Sparrow, „und trotzdem gehört der Mann ins Gefängnis.“