Olympia 2026 Große Emotionen – Max Langenhan denkt nach Sieg an verstorbenen Trainer

Große Emotionen nach dem Olympiasieg: der deutsche Rodler Max Langenhan. Foto: Robert Michael/dpa

Rodler Max Langenhan hat das erste Gold für das deutsche Team bei den Olympischen Spielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo geholt. Danach wurde er besonders emotional.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Die ersten Tränen, da saß Max Langenhan noch auf seinem Schlitten. Als er nach der Siegerehrung seine Familie in den Arm nehmen konnte, rann wieder ein Rinnsal von den Augen über die Backen. Und sogar kurz vor halb neun, als der Rodler aus Friedrichsroda vor Journalisten mit teils brüchiger Stimme über das eben Erlebte sprach, wischte er sich noch einmal mit seinem Handrücken über die Augen. Keine Frage: Der Olympiasieg war für den 26-Jährigen eine hoch emotionale Sache. Eine verdammt starke war sie sowieso.

 

Vier Läufe müssen bei Olympischen Spielen absolviert werden, ehe der König der Schlittenfahrer gekürt wird. Meist ist klar: Wer am Ende oben steht, hat es auch verdient. Diesmal war die Sache noch klarer. Viermal fuhr Max Langenhan im olympischen Wettkampf auf der neuen „Eugenio Monti“ in Cortina d’Ampezzo, viermal leuchtete am Ende eine Zeit auf, die als neuer Bahnrekord galt.

„Max war im Training noch so instabil“, sagte der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab, „dass er dann so einen Wettkampf abliefert – alle Achtung.“ Zumal die Schwierigkeiten in den Übungsfahrten ja nicht das einzige Problem des Sportsoldaten waren in den vergangenen Tagen.

Im Olympischen Dorf störte den Rodler zunächst irgendetwas beim Schlafen (er schläft übrigens neben seinem Schlitten). Daraufhin drehte er seine Matratze – und machte vermutlich alles noch viel schlimmer. Denn plötzlich bekam er einen steifen Hals, dann noch stärkere Nackenschmerzen. Am Morgen vor dem ersten Lauf war er der Meinung, kein Rennen fahren zu können. „Da habe ich schon eine Träne verdrückt“, gab er zu. Doch dann erledigten „die besten Ärzte und Physios der Welt“ (Langenhan) ihren Job herausragend – und der Rodler konnte sogar auf eine schmerzstillende Spritze verzichten.

Felix Loch wurde am Ende Sechster. Foto: Michael Kappeler/dpa

Mit seinen Startzeiten haderte Langenhan unter den gegebenen Umständen dann zwar – die Konkurrenz hielt er dennoch in Schach. Lauf für Lauf. Während der Dreifach-Olympiasieger Felix Loch schier verzweifelte und schon nach dem ersten Tag weit weg lag von den Medaillenrängen. „Es hat ausgerechnet an diesen beiden Tagen nicht gepasst“, sagte der Routinier, der Sechster wurde – war dann aber der erste Gratulant beim jungen Kollegen.

„Es ist einfach mega“, sagte Loch, „wir kennen uns sehr gut. Mich hat es einfach mega gefreut. Ich bin zu ihm hin und hab nur gesagt: genieß es!“ Das hatte Max Langenhan vor, er wollte schnell ins Deutsche Haus – allerdings nicht, weil er gerne im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen wollte. Sondern, um seinen Emotionen genüge zu tun.

Gedanken an den Jugendtrainer

Seine Jugendtrainer seien da gewesen, sagte der neue Olympiasieger. Auch seine ersten Sponsoren. Sein Fanclub. Seine Familie. Da seien einfach „so viel Menschen, die ihren Teil zu dieser Medaille beigetragen haben“. Dass nur er sie nun hat, schien ihm fast ein wenig unangenehm. „Ich würde sie am liebsten in viele kleine Stücke teilen“, sagte er. Weil das nicht geht (oder nicht gut ankommen würde), hatte er einen anderen Plan: „Ich möchte sie herumreichen.“ Einer allerdings wird nicht zugreifen können.

Uwe Lehmann, erzählte Max Langenhan – und wurde dabei wieder sehr emotional –, sei sein erster Trainer im Sportinternat. Beim Klettern sei dieser aber viel zu früh gestorben. Nun gehe er davon aus, dass er sich auch freue – „aber eben anderswo“. Womöglich gibt es ja weiteren Grund zur Freude.

Am Donnerstag tritt Max Langenhan noch in der Teamstaffel an – und könnte dann eine zweite Goldmedaille gewinnen. Doch auch jetzt schon sind diese Winterspiele von Mailand und Cortina d’Ampezzo der sportliche Höhepunkt der bisherigen Karriere. Zwar war er nie ganz zufrieden mit seinen Läufen: „Die Serie der Rekorde zeigt, dass immer Luft nach oben war und noch ist.“ Dennoch hat er eine Stufe erklommen, die er bisher noch nicht kannte.

Bei den Spielen 2022 in Peking belegt der damals noch sehr junge Rodler Platz sechs. Dann begann eine Entwicklung, die den Olympiasieg nun fast logisch erscheinen lässt. Einmal Weltmeister 2023, zweimal 2024, dreimal 2025. Dazu 18 Einzelsiege im Weltcup und zweimal der Triumph im Gesamtweltcup. Aber: Ausgerechnet in dieser Saison lief ihm der Altmeister Felix Loch wieder den Rang ab. Bis sich der Wind in Italien wieder drehte.

Max Langenhan holte nicht nur sein erstes olympisches Gold, sondern auch den ersten deutschen Olympiasieg der deutschen Mannschaft bei diesen Spielen. Dem weitere folgen sollen. Inklusive weiterer emotionaler Momente.

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