Olympia-Superstar Eileen Gu Erstes Gold nach dem Arroganz-Anfall?
Die Ski-Freestylerin ist eines der Gesichter der Spiele, obwohl sie noch keine Goldmedaille gewonnen hat: Jetzt will sich Eileen Gu den Olympiasieg in der Halfpipe holen.
Die Ski-Freestylerin ist eines der Gesichter der Spiele, obwohl sie noch keine Goldmedaille gewonnen hat: Jetzt will sich Eileen Gu den Olympiasieg in der Halfpipe holen.
Einst hat sich Eileen Gu aus dem alpinen Skisport zurückgezogen, weil ihrer Mutter die Abfahrten in den Bergen zu gefährlich waren. Doch der Grat, auf dem sie sich bewegt, ist schmal geblieben. Allerdings auf einer ganz anderen Ebene.
Eileen Gu (22) ist, weltweit betrachtet, der Superstar dieser Olympischen Spiele. Die hochintelligente Ski-Freestylerin und Studentin ist eine Werbe-Ikone, ein gefragtes Model, hat Millionen Follower in den sozialen Netzwerken, verdient mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr – so viel wie sonst niemand im Wintersport. Dies alles zu verarbeiten, ist offenbar nicht ganz so einfach.
Nachdem der Stern von Gu, die in San Franzisco geboren wurde, aber für China – das Heimatland ihrer Mutter – startet, 2022 in Peking aufging, als sie zweimal Gold (Halfpipe, Big Air) und einmal Silber (Slopestyle) gewann, ist sie diesmal noch ohne Olympiasieg. Im Slopestyle-Parcours und auf der Big-Air-Schanze wurde sie in Livigno jeweils Zweite, weshalb sie von einem Reporter anschließend gefragt wurde, ob sie zwei mal Silber gewonnen oder doch zwei mal Gold verloren habe. Die Reaktion von Gu? Ging viral.
In einem Anfall von Arroganz kanzelte sie den Journalisten ab, lachte zuerst einmal laut und ziemlich künstlich, ehe sie sagte: „Ich bin die erfolgreichste weibliche Free-Skierin der Geschichte. Ich denke, das ist Antwort genug.“ War es dann aber doch nicht. Denn Gu fuhr fort: „Eine Medaille bei den Olympischen Spielen zu gewinnen, ist für jeden Athleten eine lebensverändernde Erfahrung. Das fünfmal zu schaffen, ist exponentiell schwieriger. Was die Situation mit den zwei verlorenen Medaillen angeht, finde ich es – um ehrlich zu sein– eine ziemlich lächerliche Sichtweise. Ich zeige mein bestes Skifahren. Ich mache Dinge, die noch nie zuvor gemacht wurden, und ich denke, das ist mehr als gut genug.“
Dass sie bei diesen Winterspielen nicht ganz zufrieden ist, hatte sich allerdings auch schon vorher angedeutet – als sich Gu über die Ansetzung einer Trainingseinheit in der Halfpipe beklagte. Diese fand gleichzeitig mit dem Big-Air-Finale statt. „Keine andere Frau im Halfpipe-Bereich nimmt an einer anderen Disziplin teil, und dieser Mut sollte nicht bestraft werden“, erklärte Gu frustriert. Nicht ausgeschlossen, dass sie daraus zusätzliche Motivation schöpft. Das Finale in der Halfpipe findet an diesem Samstag (19.30 Uhr) statt – und mit Gu ist immer zu rechnen. Nicht nur, wenn sie in Pressekonferenzen sitzt.