Ostfildern Neues Raumkonzept für die Pflege – Samariterstift ist Großbaustelle
Für 11,6 Millionen Euro saniert die Gradmann-Stiftung das Samariterstift. Dass die Arbeiten bei laufendem Betrieb stattfinden, ist für Bewohner und Personal fordernd.
Für 11,6 Millionen Euro saniert die Gradmann-Stiftung das Samariterstift. Dass die Arbeiten bei laufendem Betrieb stattfinden, ist für Bewohner und Personal fordernd.
Komplett eingerüstet ist das Samariterstift in Ruit. Die Generalsanierung des 41 Jahre alten Gebäudes läuft auf Hochtouren. „Bis August wollen wir mit dem größten Teil der Arbeiten fertig sein“, sagt Rainer Lechner, der Geschäftsführer der Gradmann Stiftung, der das Haus gehört. Dass das Haus bei laufendem Betrieb saniert wird, sei für alle eine Herausforderung. Inzwischen sind die 81 Zimmer alle fertig.
Da die Arbeiten in Abschnitten geplant wurden, mussten die Seniorinnen und Senioren immer wieder umziehen. „Das war anfangs für viele schwierig“, sagt Daniela Peschel, die das Pflegeheim in Ruit leitet. Sie lobt ihr Team, „das den Menschen vermittelt hat, weshalb die Arbeiten notwendig sind.“ Jetzt freuten sich viele darauf, wenn alles fertig ist. Im ersten Stock ist der Küchen- und Essbereich neu und großzügig gestaltet. „Da schauen viele vorbei und sagen, ‚so schön wird es bei uns auch mal.’“ Dass der Baulärm Bewohnern und Mitarbeitenden zu schaffen gemacht hat, ist der Heimleiterin bewusst. Sie lobt auch die Teams der Baufirmen, die im Gespräch mit den betagten Menschen viele Situationen entspannt hätten.
Die Arbeiten liegen nach Lechners Worten „im Zeitplan“. Allerdings erschwert das Regenwetter die Arbeiten in den Außenbereichen. Nach mehr als vier Jahrzehnten habe man sich für eine Generalsanierung entschieden, sagt Lechner. „Es ging darum, für das Haus eine langfristige Perspektive zu schaffen“, sagt der Geschäftsführer, der bis 2023 Erster Bürgermeister der Stadt Ostfildern war.
Man habe auch über eine kleinere Lösung nachgedacht, blickt Lechner zurück. Dann hätte das Haus aber eine deutlich geringere Lebensdauer gehabt: „Mit der umfassenden Erneuerung geht er nun von einer Perspektive von 25 bis 30 Jahren aus. „Nicht nur die energetischen Voraussetzungen und die Vorschriften beim Brandschutz haben sich geändert.“ Auch in der Pflege sei heute vieles anders organisiert. Dokumentation hat da einen hohen Stellenwert. Damit die Pflegekräfte in den Zimmern mit dem Tablet festhalten können, was bei den Patienten gemacht wurde, sind Wlan-Verbindungen in den Zimmern ein Muss. 11,6 Millionen Euro kostet das Projekt.
Das Gebäude des Samariterstifts ist komplett eingerüstet. „Die Dämmung war besonders herausfordernd“, sagt Lechner. Denn um neuen Standards zu genügen, braucht das Hause eine 20 Zentimeter dicke Dämmschicht. Langfristig spare das Energie, ist der ehemalige Finanzbürgermeister überzeugt. Auch das Dach wird erneuert. Dort wird es künftig eine Fotovoltaikanlage geben, die Strom nicht nur für das Gebäude erzeugt. Denn im Samariterstift sind auch die Räume von „Samariter mobil“, dem Pflegedienst des sozialen Dienstleisters Samariterstiftung, untergebracht.
„Die Menschen sollen sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen. Wir wollen das Gebäude mit der Generalsanierung in die Stadt hinein öffnen.“
Rainer Lechner, Gradmann-Stiftung
Wichtig ist Lechner auch, dass die Atmosphäre im Haus heller und angenehmer wird. „Die Menschen sollen sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen“, sagt der Gradmann-Geschäftsführer. Mit großen Fensterfronten und Balkonen öffnet sich das Haus in die Stadt hinein. Diesen Aspekt hebt der langjährige Bürgermeister, der in Ruit lebt, hervor.
Die betagten und pflegebedürftigen Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen, sei das Ziel. Durch die offenen Küchen- und Essbereiche hätten die Seniorinnen und Senioren jetzt auch die Möglichkeit, sich mehr zu bewegen. „Das ist für die Gesundheit wichtig“, findet Lechner, „denn wenn es mal regnet, ist es schwierig, mit Rollatoren vor die Türe zu gehen.“
Dass die Architektur des Hauses erhalten bleibt, sieht der Geschäftsführer als Chance. Denn im Gebäude gibt es verwinkelte Bereiche, in die sich die Bewohner zurückziehen können: „So wird heute kaum noch gebaut.“ In einer Ecke steht ein Klavier. Oben gibt es einen Bereich mit roten Sofas, der einen herrlichen Blick auf die Schwäbische Alb öffnet.
Neu gemacht wurden auch die Wohnungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Haus tätig sind. „Wir haben viele Pflegekräfte aus dem Ausland“, sagt Daniela Peschel. Gerade im Pflegebereich sei die Konkurrenz um Fachkräfte besonders hat. Damit sie in einem anderen Land arbeiten dürfen, ist der Nachweis über eine Wohnung Pflicht. Mit dem Haus Liselotte, einem preisgekrönten architektonischen Schmuckstück auf der anderen Straßenseite, ist das Samariterstift in Ruit da bestens aufgestellt.
Im Zuge der Bauarbeiten ist im Bereich der ehemaligen Großküche ein eigener Raum entstanden, in dem die Auszubildenden geschult werden – derzeit bildet das Haus 18 Männer und Frauen aus. Dazu gibt es einen Besprechungsraum. Gegen Ende der Arbeiten soll auch der Eingangsbereich neu gestaltet werden.
Projekte
Das Samariterstift gehört der Gradmann-Stiftung Ostfildern. Das Unternehmer-Ehepaar hat viele vorbildliche Projekte in der Altenhilfe angestoßen. Zweck der Gradmann-Stiftung ist die Unterstützung von hilfsbedürftigen älteren Menschen, insbesondere durch Bereitstellung von Wohnraum und Betreuung. Der Stiftungszweck wird umgesetzt durch Bau oder den Erwerb von altengerechten Wohnungen. Menschen mit Demenz gilt ein besonderes Augenmerk.
Geschichte
Das Stiftungsvermögen stammt aus den Erträgen einer von Erich Gradmann gemeinsam mit einem Teilhaber 1926 gegründeten Versicherungsagentur. Die Geschäftspartner expandierten mit ihrer Gruppe ab 1955 ins Ausland. Nach Erich Gradmanns Tod verbrachte seine Ehefrau Liselotte ihren Lebensabend in der Parksiedlung in Ostfildern. Sie lebte sehr bescheiden und spendete bereits zu Lebzeiten beträchtliche Summen für soziale Zwecke.