Ostfildern Wechsel im Stadtarchiv – Welche Pläne hat Patrizia Hartich?

Wechsel im Stadtarchiv: Jochen Bender und seine Nachfolgerin Patrizia Hartich. Foto: Markus Brändli

Nach 34 Jahren geht der Ostfilderner Stadtarchivar Jochen Bender in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin ist Patrizia Hartich. Wie geht es zukünftig im Archiv weiter?

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Stadtgeschichte lebendig vermitteln, das macht für Jochen Bender und für Patrizia Hartich den großen Reiz der Arbeit im Stadtarchiv aus. Nach 34 Jahren geht der Kulturwissenschaftler Bender in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin wird die promovierte Historikerin, die in Esslingen lebt.

 

„Das Stadtarchiv verwahrt in seinem Magazin derzeit rund 720 laufende Meter Archivgut.“ Mit dieser Aussage verblüffte der scheidende Stadtarchivar Jochen Bender die Stadträtinnen und –räte bei seinem letzten Tätigkeitsbericht. Auf seine Nachfolgerin kommt nun die Aufgabe zu, diese Bestände soweit möglich zu digitalisieren. Wertvolle Buchbestände, Fotografien und Dokumente sind in den Räumen neben der Tiefgarage im Nellinger Klosterhof zu finden.

Die hat Jochen Bender nicht nur archiviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht, die Ostfilderns komplexe Geschichte dokumentieren. „Als ich kam, wurden die Nellingen Barracks von den US-Streitkräften an die Stadt Ostfildern übergeben“, blickt der scheidende Archivar zurück. Die spannende Geschichte, wie der neue, klimafreundliche Stadtteil Scharnhauser Park entstand, hat er ebenso dokumentiert wie die Historie der früheren Dörfer und heutigen Stadtteile der Reformstadt.

Jochen Bender und Patrizia Hartich sichten Archivbestände. Foto: Markus Brändli

Neben der wissenschaftlichen Arbeit war es Bender, der in Ruit lebt, immer wichtig, möglichst viele Menschen für die Geschichte zu begeistern. Das ist ihm zum Beispiel bei seinen Stadtführungen gelungen, die er mit viel Hintergrundwissen und netten Geschichten angegangen ist. Die schöne Atmosphäre war eines seiner Erfolgsrezepte. Nach den Touren ging es etwa zum entspannten Austausch in die Waldheim-Gaststätte. Weil sein Vortrag über 850 Jahre Ruit im Bürgerzentrum so überlaufen war, dass nicht alle Gäste Platz fanden, holte er diesen unter freiem Himmel in der Grünen Mitte nach. Bei einem Glas Wein erlebten die Gäste da einen Streifzug durch die Geschichte des ehemaligen Filderdorfs.

Nah an den Menschen dran: Der Stadtarchivar sammelt Geschichten

Dass der leidenschaftliche Radfahrer nicht nur auf die historischen Fakten setzte, sondern stets nah an den Menschen dran war, hat viele motiviert. In der Geschichtswerkstatt hat er mit interessierten Männern und Frauen aus der Stadt Ausstellungen erarbeitet, die hinter die Fassade der historischen Gegebenheiten schauten. Mit seiner Gabe, Menschen zu motivieren, hat er die Geschichtswerkstatt, die im Programm der Volkshochschule lief, jahrzehntelang geleitet. „Bürgerschaftlich Engagierte haben viel getan, um die Geschichte der Stadt Ostfildern aufzuarbeiten“, sagt Bender.

„Bürgerschaftlich Engagierte haben viel getan, um die Geschichte der Stadt Ostfildern aufzuarbeiten – etwa in der Geschichtswerkstatt.“

Jochen Bender, Stadtarchivar
Wertvolle historische Bücher im Stadtarchiv Ostfildern. Foto: Markus Brändli

Die Geschichte von Kommunen griffig und leicht zugänglich aufzuarbeiten, das findet die Historikerin spannend. Mit ihrer Familie lebt sie in Esslingen. Für die Mutter ist es wichtig, „gerade Kinder und Jugendliche an die Geschichte heranzuführen.“ Da will sie mit neuen Formaten gerade die Schülerinnen und Schüler erreichen. Den Draht zu den Schulen zu suchen, ist der neuen Stadtarchivarin ein großes Anliegen.

Auf die Herausforderung, im Stadtarchiv die Möglichkeiten der Digitalisierung weiter auszuschöpfen, freut sich Patrizia Hartich. Seit 2008 hat ihr Vorgänger fast 20 000 ortsbezogene Fotografien digitalisiert und mit den entsprechenden. Bildinformationen in eine leistungsfähige Fotodatenbank eingepflegt. Damit ist im Stadtarchiv eine gezielte, sekundenschnelle Recherche über sämtliche Fotografien möglich.

Neben dem städtischen Archiv sind auch Bestände der Vereine in Ostfildern im Archiv zu finden. Die bleiben zwar im Besitz der Organisationen, werden aber fachmännisch verwaltet. In den nächsten Wochen will die neue Stadtarchivarin Kontakte in Ostfildern knüpfen, um die Stadt noch besser kennenzulernen und nach neuen Formaten zu suchen. Da will die Historikerin offen sein für Neues. Die Angebot des Archivs sollen auf die Menschen in der Stadt zugeschnitten sein.

Das Stadtarchiv Ostfildern

Struktur
Seit 1991 ist das Stadtarchiv in einem eigens erstellten Neubau im Klosterhof Nellingen untergebracht. 1992 wurde erstmals die Stelle eines hauptamtlichen Stadtarchivars besetzt. Stelleninhaber ist seitdem Stadtarchivar Jochen Bender. Seit 1998 leisten zudem bürgerschaftlich Engagierte wertvolle Hilfe im Stadtarchiv. 2014 wurden dem Stadtarchiv auch die städtischen Zwischenregistraturen zugeordnet.

Publikationen
Stadtarchivar Jochen Bender hat seit 1992 bereits 19 ortsgeschichtliche Bücher wissenschaftlich erarbeitet, verfasst und publiziert. Themen waren unter anderem die Geschichte von Stadtteilen und der Reformstadt Ostfildern, Kemnat im Nationalsozialismus sowie die Geschichte der Sport- und Jugendleiterschule.

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