Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen Keiner will Französisch als dritte Fremdsprache - Schule zieht nun Konsequenzen

, aktualisiert am 16.02.2026 - 10:20 Uhr
Sprachenwechsel am OHG: Französisch soll als dritte Fremdsprache von Italienisch abgelöst werden. Foto: Stefanie Schlecht

Das Otto-Hahn-Gymnasium Böblingen will bald als dritte Fremdsprache Italienisch statt Französisch anbieten. Eigentlich hätte sich die Schule aber sogar eine andere Sprache gewünscht.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Rien ne va plus –wenn es nach den Verantwortlichen des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) geht, hat Französisch an der Schule zum neuen Schuljahr als dritte Fremdsprache ausgedient. Stattdessen will man sich von Herbst 2026 an in Richtung Italien orientieren.

 

Seit dieser Woche ist nun klar: Der Verwaltungsausschuss des Böblinger Gemeinderats steht hinter dieser Entscheidung. Ob die Änderung aber schlussendlich durchkommt, entscheidet aber das Regierungspräsidium in Stuttgart (RP).

Am OHG soll ab nächstem Jahr Italienisch als dritte Fremdsprache angeboten werden. Foto: dpa

Französisch als dritte Fremdsprache: Kaum Interesse

Der Grund für den angestrebten Wechsel ist das dauerhaft geringe Interesse an dieser Sprache. Seit rund zehn Jahren kann Französisch als dritte Fremdsprache inzwischen nicht mehr angeboten werden, weil die Mindestanzahl von zwölf Schülern nicht zusammenkam.

Und das ist offenbar nicht nur am OHG so, wie Schulleiterin Stefanie Bermanseder auf Anfrage erklärt: „Das Interesse ist überall gesunken. Deshalb wählen viel weniger Schüler bei uns eine dritte Fremdsprache. Das liegt sicherlich auch an der Attraktivität von den Profilfächern Naturwissenschaft und Technik (NWT) sowie Informatik, Mathematik, Physik (IMP).“

Böblinger Gymnasium: Attraktiver durch Italienisch statt Französisch?

Das Böblinger Gymnasium und die Stadtverwaltung erhoffen sich durch die Änderung ein größeres Interesse an der Schule, wie es in der Vorlage des Ausschusses steht. „Mit der Einführung von Italienisch soll wieder ein größerer Kreis von Schülern erreicht werden.“ Außerdem hätten damit Schüler, die bislang Französisch als zweite Fremdsprache gelernt hätten, die Möglichkeit, neben Russisch noch eine andere Sprache als dritte Fremdsprache zu wählen.

Einen Einwand aus anderen Schulen oder einen anderen Hinderungsgrund für die Neueinführung von Italienisch habe es im Kreis nicht gegeben, wie der Erste Bürgermeister Tobias Heizmann am Dienstag betonte. Diese Information hatten sich Stadt und Schule im Vorfeld aus formalen Gründen einholen müssen. Wie groß das Interesse von Schülerinnen und Schülern aber an Italienisch wirklich ist, das lässt sich noch nicht sagen. Eine entsprechende Abfrage bei der aktuellen Schülerschaft habe es jedenfalls nicht gegeben, wie Bermanseder sagt. Die Einführung von Italienisch könnte aber gerade für künftige Fünftklässler von größerem Interesse sein.

Eigentlich hätte das OHG gerne eine andere Sprache angeboten

Ratsmitglied Lukas Häberle (SPD) zeigte sich im Verwaltungsausschuss, der der Änderung übrigens letztlich einstimmig zustimmte, durchaus verwundert darüber, dass angesichts hoher Beliebtheitswerte von Spanisch die Wahl auf Italienisch gefallen sei: „Ich habe gelesen, dass fünf Prozent in Baden-Württemberg Italienisch und zwanzig Prozent Spanisch wählen würden. Warum haben Sie sich für Italienisch entschieden?“ Der stellvertretende Schulleiter Daniel Laupp erläuterte dazu: „Italienisch war nicht unsere erste Wahl. Wir hätten eher Spanisch genommen, weil es auf der Welt auch deutlich mehr Sprechende gibt. Das hat uns das Regierungspräsidium aber aufgrund bestehender Angebote an anderen Gymnasien in Böblingen verwehrt.“

Fast ein Alleinstellungsmerkmal hat das OHG mit seinem seit vielen Jahren angebotenen Sprachzug Russisch. Italienisch könnte hier nach Ansicht von Co-Rektor Laupp eine gute Ergänzung sein: „Russisch ist derzeit auch nicht so en vogue.“ Dieses Angebot soll aber trotz der wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und fehlender Austauschmöglichkeiten mit dem flächenmäßig größten Land der Welt nicht abgeändert werden, denn eingebrochen seien die Zahlen dennoch nicht, wie Schulleiterin Stefanie Bermanseder erklärt. „Die Zahlen der Russisch-Schüler schwankt schon immer, ist aber auch seit dem Krieg in der Ukraine seit 2022 stabil geblieben.“

OHG erwartet keine Probleme bei der Suche von Lehrern

Einen Pool an Italienisch-Lehrkräften gibt es am OHG noch nicht. Sollte das RP dem Antrag zustimmen, hätte das Gymnasium aber einen Anspruch auf entsprechende Lehrer. Schwierigkeiten bei der Personalsuche erwartet Stefanie Bermanseder nicht. „Es gibt ausreichend Italienisch-Lehrkräfte. Das dürfte also kein Problem sein.“

Eine Schwächung des europäischen Geistes, weil Französisch als dritte Fremdsprache wegfällt, sieht die Stadt Böblingen nicht: „Französisch wird durch Italienisch, ebenfalls eine wichtige europäische Sprache, ersetzt. Das fördert die europäische Integration“, betont Tobias Heizmann.

Als Schulträgerin muss die Stadt den Antrag zur Sprachänderung bis spätestens 1. März gestellt haben. Die finale Entscheidung kann bis zum kommenden Schuljahr andauern.

Sprachangebote am OHG Böblingen

Russisch
Das Otto-Hahn-Gymnasium gehört zu den wenigen Schulen im Kreis Böblingen, die Russisch als (dritte) Fremdsprache – ab Klasse acht – anbieten. Dazu zählen das Andreae-Gymnasium in Herrenberg und die Freie Waldorfschule Böblingen. Letztere möchte Kinder spielerischer an Russisch heranführen.

Französisch
Französisch würde am OHG auch nach einem möglichen positiven Bescheid nicht gänzlich wegfallen, sondern nur als dritte Fremdsprache.

Sprachenzüge

Alle Klassen starten mit Englisch. Als zweite Sprachen funktionieren Französisch und Latein. Als drittes dann Russisch oder bald möglicherweise auch Italienisch.

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