Palazzo Dinnershow So schmeckt das neue Menü im Palazzo

Das Hauptgericht des 4-Gang-Menüs ist ein Schulterscherzl mit getrüffelter Polenta. Ausgedacht von Spitzenkoch Harald Wohlfahrt. Foto: Ferdinando Iannone

Törtchen vom Flusskrebs und geschmortes Schulterscherzl: Auf dem Wasen serviert Harald Wohlfahrt das Menü für die 20. Saison. Wir verraten, ob es etwas taugt – und welches Detail fehlt.

Freizeit & Unterhaltung: Anja Wasserbäch (nja)

Natürlich kommt niemand ins Spiegelzelt auf dem Cannstatter Wasen, um sich ausschließlich dem kulinarischen Hochgenuss hinzugeben – und auch die Show allein wäre nicht der Grund, sich auf den Weg dorthin zu machen. Es ist die Mischung aus beidem: ein Abendessen, das gleichzeitig Unterhaltung bietet. Mehr als drei Stunden Eskapismus bietet auch dieses Jahr wieder die Show Palazzo, die mit dem Gastgeber Harald Wohlfahrt bereits die 20. Spielzeit einläutet. Der Mann, der 25 Jahre lang in der Schwarzwaldstube in Baiersbronn drei Michelin-Sterne erkochte, zeichnet für das Vier-Gang-Menü verantwortlich. In seiner zwanzigsten Saison hat er sich entschieden, dem Publikum schmackhafte Hits auf den Teller zu bringen: Gerichte, die sowohl in vegetarischer als auch in der klassischen Fleisch- und Fischvariante angeboten werden, um möglichst viele Geschmäcker zu treffen. Es gibt schlichtweg viel, was nicht möglich ist: ein rosa gebratenes Reh? Ein Ding der Unmöglichkeit, dies auf 320 Teller zu zaubern.

 

Man könnte sich natürlich über die Eventisierung der Kulinarik beschweren und fragen, ob man wirklich ein „Dinner mit Show“ braucht, um gutes Essen zu genießen. Andererseits: Ins Palazzo-Zelt kommen Menschen, die vielleicht sonst nicht in ein gehobenes Restaurant gehen und das Entertainment mögen.

Das Menü

Es geht kulinarisch fulminant und sehr gut los mit einem Törtchen von mariniertem Flusskrebs und Surimi mit glaciertem Apfel, Kräuterspitzen und Sesam-Kimchi. Es ist – wie alles, was folgen wird – eine ordentliche Portion, der Apfel erinnert in Konsistenz und Farbe fast schon an Ananas, die Kombination mit der Süße des Mangospiegels ist fein. Ein guter, frischer Start.

Die Vorspeise Foto: Ferdinando Iannone

Der Zwischengang ist eine Umami-Bombe und zum Reinlegen gut: die gefüllten Steinpilzgnocchi mit gegrilltem Kräuter-Seitling, Pilzragout und Schnittlauch-Nage sind für einige Gäste der Höhepunkt. Auch wenn die Kräuter nicht millimetergenau geschnitten sind, ist dies eine Petitesse. Es ist immer wieder faszinierend, wie hier die Rädchen ineinander gehen und alles am Schnürchen läuft. Wie Akrobatik, Musik und eben Kulinarik gut zueinander passen.

Der Zwischengang Foto: Ferdinando Iannone

Der Hauptgang dann ist ein geschmortes Schulterscherzl (für die vegetarischen Gäste wird Selleriesteak serviert). Das Hauptgericht kommt noch wirklich warm an den Tisch, obwohl man ein Detail als Palazzo-Premierengast dann doch etwas vermisst: Die Gloschen fehlen, der Moment als die silbernen Abdeckhauben am Tisch gleichzeitig erhoben werden und das Servicepersonal „Palazzo“ sagt, hat mittlerweile etwas Ikonisches.

Nur den ersten paar Tellern war dies vergönnt. Dennoch Zeit für Trübsal bleibt kaum: Das Fleisch zergeht auf der Zunge, am Tisch fällt das Urteil über die getrüffelte Rahmpolenta unterschiedlich aus – die einen haben einen starken Trüffelgeschmack, die anderen eher wenig. Das Gesamturteil aber fällt doch positiv aus, der intensive Gesamtgeschmack mit der Madeira-Jus überzeugt.

Der Hauptgang Foto: Ferdinando Iannone

Bevor der Schlussakkord dieses kurzweiligen Abends erklingt und die Künstlerinnen und Künstler gefeiert werden, wird zum Dessert ein Schneeball mit Zitrusgeschmack serviert: ein fluffiges Tartufo Limone mit exotischem Früchtecocktail, Kokosschaum und Vanille. Das ist schön cremig und säuerlich, mit etwas Crunch obendrauf – und einmal mehr eine opulente Portion. Ja, die Gäste können ob der Qualität und Menge (hier geht niemand hungrig nach Hause) durchaus zufrieden sein.

Das Dessert Foto: Ferdinando Iannone

Die Karten kosten zwischen 99 und 171 Euro (inklusive Menü), für Silvester gelten Extra-Preise. Mittwochs bis samstags startet die Show um 19 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Es gibt ein klassisches und ein vegetarisches Menü. Karten telefonisch unter 01806 - 388 883 oder im Netz unter: www.palazzo.org/stuttgart/de/home.html

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