Larissa Sirah Herden „Das Leben fängt immer gerade erst an!“

Larissa Sirah Herden Foto: Max Sonnenschein

Popstar Larissa Sirah Herden, aka Lary, über ihre Rolle in der Serie „Parallel Me“ und das Stück „I Did It My Way“, das sie und Lars Eidinger an der Oper Stuttgart zum Paar macht.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Diese Frau weiß, was es heißt, verschiedenen Leben zu führen: Als Lary ist sie seit vielen Jahren als Musikerin erfolgreich und veröffentlichte zuletzt das Album „Stereo noir“, unter ihrem bürgerlichen Namen Larissa Sirah Herden dreht sie seit 2018 als Schauspielerin Filme. Dass sie zurzeit in der Serie „Parallel Me“ zu sehen ist, die von der Möglichkeit erzählt, unterschiedliche Leben zu führen, ist da nur konsequent. Und weil der 38-Jährigen zwei Leben nicht genügen, ist sie im September auch noch an der Stuttgarter Oper zu Gast. Das Musiktheaterstück „I Did It My Way“, eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale, erzählt anhand der Songs von Frank Sinatra und Nina Simone die Geschichte zweier Menschen.

 

Frau Herden, in der Serie „Parallel Me“ bekommt eine Frau die Möglichkeit herauszufinden, was aus ihr geworden wäre, wenn sie in ihrem Leben anders abgebogen wäre. Wie fänden Sie so eine Chance?

Eher gruselig , wenn ich auf meinen bisherigen Lebensweg zurückschaue, mag ich sehr gerne, wo und wer und wie ich gerade bin. Ich weiß nicht, ob ich die Lust zu Tabula rasa hätte.

Fällt Ihnen ein Moment in Ihrem Leben ein, in dem Sie eine Entscheidung gefällt haben, die Ihr Leben für immer verändert hat?

Ja, mehrere. Ich habe aber das Gefühl, dass jeder Mensch eine gewisse Disposition hat, und wo man sich am Ende findet, hat vielleicht mehr was mit Mut und damit, wie ehrlich man zu sich selbst ist, zu tun. Die einzelnen Entscheidungen bestimmen wahrscheinlich, vor allem für Frauen, ob man fürs MOMA malt oder für eine Schulklasse in Gelsenkirchen, aber ich glaube beim Malen landet man immer.

Das heißt, Sie haben nie den Eindruck, im falschen Leben gelandet zu sein?

Nein. Ich glaube daran, dass man immer alles ändern kann. Das Leben fängt immer gerade erst an. Aber das Gefühl des Aus-der-eigenen-Haut-raus-wachsen-Wollens ist mir sehr vertraut.

Und mussten Sie auch schon mal wie Bea in „Parallel Me“ einem Menschen die Freundschaft aufkündigen?

Ja. Das war zwar nötig, aber tut heute noch weh.

Sie haben in New York und Berlin gelebt und sind dann nach Paris gezogen. In welcher dieser Städte fühlen Sie sich am meisten zu Hause?

Paris. Aber auch Berlin oder zum Beispiel meine Heimatstadt Gelsenkirchen sind ein Teil meiner Geschichte und Identität, den ich immer in mir trage, egal in welcher Stadt ich gerade meine Jacke aufhänge. Ich kann mir auch vorstellen, irgendwann mal eine Zeit in Asien oder Südamerika zu leben, aber Paris ist, denke ich, die Stadt die mein Innenleben am besten spiegelt, ich fühle mich hier sehr authentisch und gesehen.

Und wie finden Sie den Song, den Malaya Stern Takeda in der „Parallel Me“-Episode singt, in der Toni ein Popstar in Asien ist. Wäre das auch ein Song für Lary?

Liebe den Song! Aber nein :)

Larissa Sirah Herden in „Parallel Me“ Foto: Krzysztof Wiktor/Paramount+

Sie führen selbst zwei Leben, sind Larissa Sirah Herden, die Schauspielerin, und Lary, die Musikerin. Sind das auch gewissermaßen zwei „Parallel Me“-Welten?

Nein, ich würde aber sagen, ich führe ein Leben, in dem es viele verschiedene Welten gibt, die aber am Ende im selben münden. Dreh- und Angelpunkt sind bei mir immer Kunst und Performance. Ich denke jemand, der zum Beispiel Mutter und Anwältin/Sekretärin/CEO ist, lebt da eher in parallelen Welten als ich.

Ist es trotzdem manchmal schwierig, diese beide Welten in Einklang zu bringen?

Nur wenn es um Termine geht eigentlich. Während der Dreharbeiten zu „Parallel Me“ habe ich gleichzeitig mein letztes Album released, was so aussah, dass ich 12 Stunden am Set war und dann Abends nach dem Dreh noch bis spät in die Nacht Kampagnen geplant, Videos gedreht, Releases mit meinem Team koordiniert habe und so weiter. In der Retrospektive würde ich das nie wieder so machen, bin da glaube ich knapp an einem Burnout vorbei geschlittert.

Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen dem Job als Schauspielerin und dem als Musikerin?

In der Musik liegt die gesamte Verantwortung für das Projekt größtenteils bei mir, alles steht und fällt mit mir, ich trage das Risiko, die Kosten und bin Teil jedes Arbeitsschrittes. Als Schauspielerin muss ich mich mehr oder weniger nur um mich selbst kümmern und werde auch dann bezahlt, wenn das Projekt zum Beispiel nicht erfolgreich ist. Das ist ein sehr großer Unterschied. In der Musik hat man neben dem Artist-Hut auch den der Autorin/Regisseurin/Produzentin und so weiter auf. Da ich durchs Solokünstlerin-Sein weiß, wie es ist, die Kontrolle zu haben, empfinde ich es beim Filmemachen als großes Geschenk, Kontrolle abgeben zu können/müssen.

Bei Ihrem Album „Stereo noir“ habe ich den Eindruck, dass Sie da musikalisch auch ein bisschen unterschiedliche Leben ausprobieren, sich bewusst nicht entscheiden möchten zwischen zum Beispiel Chanson, R&B und Neuer Neuer Deutscher Welle.

Ist gar nicht so bewusst, ich bin einfach mehr als nur eine Sache, und meine Musik spiegelt mich in all meinen Facetten und ich lasse sie.

In dem Musiktheaterstück „I Did It My Way“ spielen Sie an der Seite von Lars Eidinger. Sind Sie da eher Sängerin oder eher Schauspielerin?

Ich bin eigentlich immer einfach Lary :)

Können Sie verraten, was uns da erwartet?

Wir beginnen erst in ein paar Wochen mit den Proben, deshalb bin ich selbst noch voller Erwartung, aber wenn wir es so hinbekommen, wie wir es uns vorstellen, wird es, denke ich, ein sehr intensives interdisziplinäres Stück, was in der Form weltweit einzigartig ist.

Wenn ich die Idee von „I Did It My Way“ richtig verstehe, spielt Nina Simones Wille zur Veränderung, ihr Engagement für die Bürgerrechtsbewegung eine große Rolle.

Es geht mehr um die Beziehung zweier Menschen, aber ich denke wir leben in einer Zeit in der Engagement, in welcher Form auch immer, essenziell ist . Es ist nicht mehr wirklich möglich sich abzugrenzen und nicht auf irgendeiner Ebene den Status quo, nach innen oder außen, zu reflektieren.

Was verbinden Sie mit Nina Simone und ihrer Musik?

Simone war/ist für mich mehr meine Lieblingspianistin als Sängerin , ich habe mich im Zuge des Stückes glaube ich zum ersten mal tiefer mit ihrer Geschichte und Songkatalog beschäftigt, kannte aber vorher natürlich die Classics.

Was ist Ihr Lieblingsstück von Nina Simone?

„Young, Gifted and Black“

Ist das für Sie eine neue Herausforderung – auf einer Theaterbühne zu stehen?

Auf jeden Fall, ich habe sehr viel Respekt davor aber auch ganz ganz viel Vorfreude.

Das Stück ist eine Koproduktion der Ruhrtriennale und der Staatsoper Stuttgart. Nach der Uraufführung in Bochum ist „I Did It My Way“ ab dem 26. September an der Stuttgarter Oper zu sehen. Haben Sie irgendwelche Verbindungen zu Stuttgart?

Nein, das wird das erste Mal sein, dass ich länger als einen Tag in der Stadt bin. Bin gespannt!

Larissa Sirah Herden, die Serie „Parallel Me“ und das Stück „I Did It My Way“

Person
Larissa Sirah Herden ist die Tochter eines Briten und einer Deutschen. Sie kommt in 1986 in Gelsenkirchen zur Welt. Als Lary veröffentlicht sie im Jahr 2014 ihr erstes Album namens „Future Deutsche Welle“. Sie arbeitet danach unter anderem mit Lena, Jan Delay, Patrice und MoTrip. 2024 erscheint ihr drittes Album „Stereo noir“. Ihr Schauspieldebüt gibt sie 2018 in dem Film „Wach“. Danach ist sie zum Beispiel auch in den Serien „Bad Banks“ (2020), „King of Stonks“ (2022) oder „Para – Wir sind King“ (2023) zu sehen.

Serie
Aktuell spielt Larissa Sirah Herden an der Seite von Malaya Stern Takeda in der Fantasy-Dramedy-Serie „Parallel Me“ eine Hauptrolle. Alle acht Episoden sind beim Streamingdienst Paramount+ verfügbar.

Bühne
Das interdisziplinäre Musiktheaterstück „I Did It My Way“ mit Larissa Sirah Herden und Lars Eidinger wird am 21. August im Rahmen der Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle in Bochum uraufgeführt. Dort steht es bis zum 31. August auf dem Spielplan. Alle Vorstellungen in Bochum sind bereits ausverkauft. Man kann sich allerdings auf eine Warteliste eintragen lassen. Vom 26. bis 28. September ist die Produktion dann auch in der Oper Stuttgart zu sehen. Der Vorverkauf für die drei Aufführungen in Stuttgart beginnt am 14. Juli. 

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