Parasit im Kreis Göppingen Füchse breiten sich aus – und mit ihnen der Fuchsbandwurm

Der Rotfuchs verbreitet sich hierzulande. Grund dafür ist nicht nur der Klimawandel sondern auch die Ausrottung der Tollwut. Foto: imago/Dirk Sattler

Füchse auf der Schwäbischen Alb sind häufiger vom Fuchsbandwurm befallen als andernorts. Warum der Parasit auch für Menschen gefährlich ist – und wie man sich schützt.

Dieses Jahr haben sich im Regierungsbezirk Stuttgart bislang vier Menschen mit alveolärer Echinokokkose, der Fuchsbandwurm-Erkrankung, angesteckt. Diese Zahl klingt zunächst nicht gerade besorgniserregend. Doch haben sich die Würmer erst einmal im Körper eingenistet, geht die Krankheit in der Regel mit einem schweren Krankheitsbild einher. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) trägt bis zu einem Drittel der in Deutschland lebenden Füchse den Erreger in sich. Dazu kommt: Die Fuchspopulation steigt.

 

Zwar meldet das Umweltschutzamt auf Anfrage, dass keine Daten über die Ausbreitung des Fuchsbandwurms in der Region vorlägen. Dafür bieten sogenannte Streckendaten, also Informationen über Wildtiere, die entlang bestimmter Strecken erfasst werden, gewisse Anhaltspunkte für die Fuchsdichte im Landkreis. Seit dem Jagdjahr 2021/22 nehmen Sichtungen von Füchsen kontinuierlich zu. Waren es damals noch 634 Füchse, sind es im Jagdjahr 2024/25 bereits 923 Füchse.

Tollwut hat den Fuchsbestand früher reguliert

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen begünstigt der Klimawandel die Überlebenschancen junger Füchse durch mildere Winter. Zum anderen profitieren sie von Verstädterung und dichterer Besiedlung. Müll, Haustierfutter und Nagetiere bieten reichlich Nahrung. Hinzu kommt die intensive Landwirtschaft – große, offene Felder erleichtern die Jagd auf Kleinsäuger und bodenbrütende Vögel. Auch der Wegfall der Tollwut spielt eine Rolle: Seit Deutschland 2008 als tollwutfrei gilt, entfällt ein Faktor, der zuvor die Bestände jährlich um bis zu 50 Prozent dezimierte.

„Je höher die Fuchsdichte, desto allgemein größer die absolute Zahl an Individuen, die potenziell Träger des Fuchsbandwurms sein können“, erläutert das Umweltschutzamt des Landkreises. Geeignete Endwirte für den nur rund vier Millimeter langen Fuchsbandwurm sind vor allem Füchse, aber auch Hunde, Katzen oder Marder.

Der Mensch ist ein Fehlwirt für den Fuchsbandwurm

Fuchsbandwürmer in einer infizierten Leber. Foto: imago/Zoonar

Sein Larvenstadium durchläuft der Parasit in Nagetieren, meist Feld- oder Schermäusen. Dort bildet sich in der Leber wenige Wochen nach einer Infektion ein tumorähnliches Larvengewebe mit tausenden Bandwurmanlagen. Wird das befallene Nagetier gefressen, breitet sich der Wurm im Darm des Endwirtes aus. Über dessen Kot gelangen die Eier erneut in die Umwelt – und der Übertragungszyklus schließt sich. Der Mensch ist ein sogenannter Fehlwirt, doch auch er kann sich infizieren, wenn die aus dem Kot von Endwirten stammenden Eier in den Magen-Darm-Kanal gelangen. Deshalb sind vor allem Menschen gefährdet, die Mäuse-fressende Haustiere besitzen oder in Kontakt mit Fuchskot gelangen. „Das höchste Risiko haben Landwirte, die Grünland bewirtschaften, Jäger und Hundehalter“, schreibt das Umweltschutzamt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnet 39 Erkrankungsfälle für das Jahr 2023, 14 davon in Baden-Württemberg. Im Jahr 2024 waren es bereits 52 Erkrankungsfälle, hiervon 17 Fälle in Baden-Württemberg. Für dieses Jahr sind die Zahlen mit Stand Mitte August im Vergleich noch niedrig: Das RKI meldet 22 Fälle, davon stammen acht aus Baden-Württemberg.

Für Menschen besteht keine Meldepflicht bei Infektion mit Fuchsbandwurm

Für den Landkreis Göppingen seien dem Gesundheitsamt derzeit keine Infektionen beim Menschen bekannt. Das könnte aber auch daran liegen, dass es für die Erkrankung mit Echonokokkose beim Menschen keine gesetzliche Meldepflicht gibt. Lediglich eine nichtnamentliche Meldung durch die behandelnden Praxen und Labore an das RKI ist verpflichtend. Anders bei Haustieren. Bei infizierten Haustieren ist eine Meldung Pflicht. In den vergangenen zehn Jahren seien aber laut Göppinger Veterinäramt nur zwei Fälle von infizierten Hunden gemeldet worden.

Das Gesundheitsamt rät zur Vorsicht: Beeren, Gemüse aus Freilandkulturen oder Fallobst sollten immer gründlich gewaschen, Speisen über 60 Grad erhitzt werden. Hunde und Katzen sollten regelmäßig untersucht und entwurmt werden. Gründliches Händewaschen nach Garten- oder Waldarbeit sei entscheidend: „Individuelles Verhalten spielt allgemein die größte Rolle.“

Was ist alveoläre Echonokokkose?

Krankheit
 Auch im Menschen kann sich die Larve des Fuchsbandwurms ansiedeln und die Erkrankung auslösen. Der Parasit wächst zwar im Menschen sehr viel langsamer als in den natürlichen Zwischenwirten – so treten erste Symptome zum Teil erst nach zehn oder mehr Jahren auf – trotzdem kann die Erkrankung unbehandelt tödlich verlaufen.

Auswirkung
Der Parasit wächst in das Lebergewebe ein. Dabei wird Gewebe verdrängt und zerstört, sodass es unter anderem zur Leberzirrhose kommen kann. Behandelt wird die Erkrankung mit wachstumshemmenden Medikamenten. In einigen Fällen kann eine operative Entfernung erforderlich sein.

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