Bei großen Veranstaltungen, zum Beispiel dem Frühlings- oder Volksfest oder während der Fußball-EM im vergangenen Sommer, gilt ein Parkverbot im Cannstatter Veielbrunnen-Gebiet. Allerdings leiden die Anwohner nicht nur bei solchen Mega-Events unter einem enormen Parkdruck. Das dem Cannstatter Neckarpark und dem Wasen am nächsten gelegene Wohngebiet auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal wird übers Jahr bei Konzerten und Veranstaltungen in der Schleyerhalle, Porsche-Arena und im Stadion von Autos geflutet: Straßen, Plätze, Gehwege und sogar Grünflächen sind zugestellt. Daher fordert die Bürgerinitiative Veielbrunnen eine dauerhafte Verkehrsregelung zum Schutz des Wohngebiets.
Fußgänger gefährdet, Rasen wird als Parkfläche genutzt
Damit bewahrheiten sich zum Teil die Vorbehalte der Skeptiker, die diesen enormen Parkdruck prophezeit hatten, als mit dem Ausbau des neuen Viertels im Neckarpark begonnen wurde. Schließlich habe der eigentliche Wohnungsbau noch nicht einmal richtig begonnen. Insgesamt sollen 850 Wohnungen auf dem 22 Hektar großen Areal für bis zu 5000 Menschen entstehen.
Das Thema ist nicht neu. Seit Jahren steht die Bürgerinitiative in engem Austausch mit der Stadtverwaltung. Neu ist nun aber, dass nicht nur während des Frühlings- und Volksfests, sondern auch bei anderen Veranstaltungen der Parksuchverkehr stark zunimmt. Aggressive Autofahrer, die auch auf den Gehwegen fahren, gefährdeten Fußgänger. Sogar der Veielbrunnen-Park, in dem viele Familien ihre Freizeit verbringen, wird als Abstellfläche genutzt. Dabei ist die grüne Mitte der einzige Spielplatz im Wohngebiet. Die Bürgerinitiative bringt daher wieder eine Zufahrtsbeschränkung mit versenkbaren Pollern ins Spiel.
Stadt scheut die hohen Kosten
Bereits im Doppelhaushalt 2022/2023 wurden 110 000 Euro für den Bau der dauerhaften Zufahrtssperre eingestellt, weitere 29 000 Euro pro Jahr stehen dem Tiefbauamt zur technischen Instandhaltung zur Verfügung. Die Planungen sehen zwei versenkbare Poller an der Einfahrt von der Daimlerstraße in der Fracht- und der Reichenbergstraße vor. Bei Veranstaltungen könnten diese ausgefahren werden. Anwohner könnten die Poller per Fernbedienung absenken.
Das lehnt die Stadt bislang ab. Während einer Zählung im vergangenen Jahr – während des Frühlingsfestes – wurden bis zu 100 Fahrzeuge gezählt, immerhin 40 Prozent davon gehörten nicht ins Wohngebiet. Die Verwaltung befürchtet einen erheblichen Rückstau auf die Daimlerstraße, sollten sich Autofahrer in Diskussionen verwickeln. Zudem sei es schwierig, den Kreis der Zufahrtsberechtigten genau zu definieren. Nicht zuletzt scheuen Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) und der Tiefbauamtsleiter Jürgen Mutz die mutmaßlich hohen Kosten für die empfindliche Technik – das machten sie in der Sitzung des Technikausschusses deutlich. Die Verwaltung empfiehlt daher, weiter auf die aus ihrer Sicht bewährte Regelung zu setzen, mit Zufahrtssperren und Ordnungsdienst an besucherstarken Tagen.
„Mit Ordnungspersonal nicht machbar“
Eine Lösung wie während des Rummels auf dem Cannstatter Wasen hält Regine Herdecker, die Sprecherin der Bürgerinitiative, „für unrealistisch, weil viel zu aufwendig und teuer“. Das könnten sich die meisten Veranstalter nicht leisten. Und auch im Gemeinderat zeichnet sich derzeit keine Mehrheit für eine solche Lösung ab. „Eine Ablehnung aus Kostengründen können wir zum Schutz der Anwohner im Veielbrunnen nicht akzeptieren“, machte Christoph Ozasek von der Fraktionsgemeinschaft Puls deutlich. Zumal „in vielen anderen Städten in Deutschland versenkbare Poller weiter verbreitet sind“. Auch in Stuttgart gibt es bereits Beispiele mit festen Durchgangssperren dieser Art – so am Obertürkheimer Markt.