Parkhaus in Stuttgart Der Pocket Park dient reiner Symbolpolitik
Überraschend macht der Stuttgarter OB Frank Nopper den umstrittenen Pocket Park zur Chefsache. Die ganze Debatte wirkt übertrieben, kommentiert unser Autor.
Überraschend macht der Stuttgarter OB Frank Nopper den umstrittenen Pocket Park zur Chefsache. Die ganze Debatte wirkt übertrieben, kommentiert unser Autor.
Es ist erstaunlich, wie viel Diskussionsstoff einige Büsche und Bäume doch liefern können. Auf dem Parkhaus Steinstraße sollte ein Pärkchen aus Kübelpflanzen errichten werden, am Dienstag stimmte der Stadtplanungsausschuss gegen das Projekt. Im Rathaus werfen sich Befürworter und Gegner des so genannten Pocket Parks nun gegenseitig Symbolpolitik vor. Und man muss sagen: Beide haben Recht.
Einige Bäume auf einem Parkdeck machen noch lang keine „grüne Oase“. Fragen nach dem Nutzen sind angebracht. Wie viele Menschen Zeit auf dem Parkhaus verbringen würden, ist unklar. Und der Beitrag zum Klimaschutz ist bei diesem Pärkle minimal. Zugleich überhöhen die Gegner des Projekts die Kosten: 81 000 Euro sind sicherlich keine kleine Summe, würden aber auch kein großes Loch in den Haushalt der Stadt reißen.
Dass sich ein viel beschäftigter OB ausgerechnet für diese Abstimmung Zeit nimmt, verblüfft. Es würde allen Beteiligten gut zu Gesicht stehen, wenn sie sich nicht in symbolpolitischen Grabenkämpfen engagierten, sondern die Herausforderungen angehen.
Bis 2035 soll Stuttgart klimaneutral werden. Ein Ziel, das, wenn überhaupt, nur durch konsequentes Handeln erreichbar ist. Und das bei knapperen Kassen. Diskussionen wie die um den Pocket Park lösen weder das eine noch das andere Problem. Asphalt gegen Pflanzen zu tauschen, dient der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Das braucht es im großen Stil. Versiegelte Orte gibt es in Stuttgart genug.