Passfoto-Ärger bei dm Mitarbeiter drangsaliert? Drogerieriese reagiert auf Vorwürfe

„Wir machen den Unterschied“ – der Drogerieriese dm betont den Stellenwert seines Personals – herrscht jetzt dicke Luft? Foto: Uli Deck/ARTIS/dm

Eine neue Regel für Passfotos hat Folgen für die Mitarbeiter von dm. Werden Sie von ihrem Arbeitgeber drangsaliert? Der Drogerieriese aus Karlsruhe bezieht Stellung.

Digital Desk: Jonas Schöll (jo)

Die Drogeriemarktkette dm rühmt sich gerne mit der außergewöhnlichen Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter. Erst Anfang des Jahres kürte eine Umfrage mit Rückmeldungen von 34 000 Befragten das Unternehmen aus Karlsruhe zu Deutschlands beliebtestem Arbeitgeber. „Unsere Zusammenarbeitskultur lebt von konstruktivem Miteinander“, wird Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, in der dazugehörigen Pressemitteilung zitiert. Doch das Bild vom perfekten Arbeitgeber wird infrage gestellt: „dm drangsaliert Mitarbeiter“, heißt es in einem Bericht der Bild-Zeitung. Darin kommen anonyme dm-Angestellte zu Wort, die gegen neue Arbeitsregeln „rebellieren“.

 

Unmut wegen neuer Passfoto-Regeln

Wegen neuer gesetzlicher Vorgaben zu Passfotos soll das Personal in den Filialen während den Schichten künftig immer einen Personalausweis mit aktivierter digitaler Ausweisfunktion (eID) mit sich tragen. Die Mitarbeiter wehren sich aber, haben Angst um ihre Daten, heißt es. In einigen Filialen gehe dm grob gegen Verweigerer vor. Auf dem Spiel steht ein Millionengeschäft: Rund ein Drittel aller Passbilder in Deutschland werden Unternehmensangaben zufolge zurzeit bei dm gemacht.

Und darum geht es genau: Ab dem 1. Mai nehmen Behörden nur noch digitale Fotos für Pässe oder Ausweise an, sodass man künftig nicht mehr mit ausgedrucktem Passbild zum Bürgeramt muss, um einen Pass zu beantragen oder zu verlängern. Kunden können weiterhin Fotos in den dm-Filialen knipsen lassen. Künftig können die Mitarbeiter die Bilder dann direkt verschlüsselt an das zuständige Amt weiterleiten. Der Knackpunkt: Ohne die eID dürfen Angestellte keine biometrischen Passfotos ausstellen.

So bewertet eine Arbeitsrechtlerin die Sache

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer, verantwortlich für den Bereich Marketing und Beschaffung: „Der Gesetzgeber hat als eine wesentliche Voraussetzung definiert, dass sich Fotografierende mit einer eID identifizieren müssen, um sicherzustellen, dass in den Ämtern keine Ausweise auf Grundlage manipulierter Fotos erstellt werden.“ Deshalb habe dm bereits vor Wochen reagiert und Mitarbeiter in den Filialen gebeten, sich mit der digitalen Ausweisfunktion auszustatten, um sich entsprechend als Absender identifizieren zu können.

dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer. Foto: dm-drogerie markt/Christina Riedl

Rechtlich spricht grundsätzlich nichts dagegen: Die Aufgabe, Passbilder zu erstellen und zu übermitteln, sei eine berechtigte Anforderung, wenn dies zum Angebot bei dm gehöre, sagt die Kölner Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür. Ähnlich wie bei der Verpflichtung, das eigene Auto für betriebliche Fahrten zu nutzen, könne arbeitsvertraglich vereinbart werden, den Personalausweis mit eID mit sich zu führen. Doch: „Die arbeitsvertragliche Vereinbarung muss allerdings einer Angemessenheitsprüfung standhalten“, betont die Juristin. „Ob dies der Fall ist, ist von der Rechtsprechung bislang nicht entschieden worden“, sagt Oberthür.

dm-Geschäftsführer: Mitarbeiter entscheiden freiwillig

In dem Bild-Bericht heißt es, dass dm-Filialleiter angewiesen worden seien, ihr Personal massiv zur Aktivierung der eID zu drängen – vor allem dort, wo das lukrative Passfoto-Geschäft in Gefahr geraten könnte. Angeblich haben Vorgesetzte mit drastischen Konsequenzen gedroht. Darunter auch die Kürzung von Arbeitsstunden. In einigen Filialen würden gar Listen geführt, wer die digitalen Ausweisfunktion beantragt habe und wer sich noch weigere.

Der Drogerie-Riese will das nicht stehen lassen. dm-Geschäftsführer Bayer versichert: „Die Entscheidung für eine eID, die während der Arbeit mitzuführen ist, ist immer freiwillig, denn die Entscheidungsfreiheit ist einer unserer Unternehmensgrundsätze.“ Wer Bedenken habe, könne sich also stets gegen die digitale Ausweisfunktion entscheiden: „Zum Beispiel aus Sorge, weil der Verlust eines Ausweises es verunmöglicht, eine Reise ins Ausland zu unternehmen, wenn man einen Aufenthaltstitel in Deutschland hat“, sagt Bayer.

Strenge Vorgabe steht in Stellenausschreibungen

Mittlerweile steht diese strenge Vorgabe der eID sogar in allen Stellenausschreibungen als Voraussetzung für eine Einstellung, bestätigt Bayer, „denn künftig gehört der Passbildservice wie das Kassieren zum normalen Tätigkeitsprofil, um den Kunden alle dm-Leistungen in allen dm-Märkten anbieten zu können. Mitarbeiter von dm müssen den Ausweis zum Schichtbeginn ständig bei sich tragen.“

Der überwiegende Teil des Personals habe bereits eine eID und sei bereit, diesen Service anzubieten. „Es hat aber auch einzelne kritische Stimmen gegeben, die wir ernst genommen haben“, räumt der dm-Geschäftsführer ein. Um den Passfoto-Service überall anbieten zu können, sei es erforderlich, dass einige Angestellte mit eID und ohne eID im Tausch die dm-Märkte wechseln müssen.

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