Pendelnde Spitzenbeamtin Die Landtags-Direktorin und der „Monstertruck“

Passt kaum auf den Parkplatz: der Wagen der Direktorin in der Landtags-Tiefgarage Foto: privat

Die Landtagsdirektorin Christine Werner ist – als Fernpendlerin von der Ostalb – ein Fan von Bus und Bahn. Dennoch macht sie in Stuttgart mit einem SUV von sich reden. Warum?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der Pickup mit der Doppelkabine und der Box auf der Ladefläche erregte wiederholt Aufsehen in der Tiefgarage des Landtags. Ausladend stand der dunkle Ford Ranger Wildtrak auf einem der Frauenparkplätze, ein Teil ragte über die weiße Begrenzungslinie hinaus.

 

Wem, wurde gerätselt, mochte der „Monstertruck“ wohl gehören? Das Nummernschild aus dem Ostalbkreis half da rasch weiter. Die Buchstabenkombination („CW“) und die Jahreszahl in der Ziffernfolge verwiesen klar auf die höchste Beamtin des Parlaments, die Landtagsdirektorin Christine Werner (59).

Die Juristin und einstige Ulmer Amtsgerichtschefin, die ihr Amt vor vier Jahren antrat, ist zwar nach offiziellen Angaben parteilos. Doch da sie die Verwaltung im Auftrag von Präsidentin Muhterem Aras (Grüne) führt, wird bei ihr eine gewisse Nähe zur Ökopartei vermutet. Prompt witterten kritische Beobachter in ihrem Fahrzeug ein Beispiel für grüne Doppelmoral:

Öffentlichen Nahverkehr predigen, aber für die Fahrt von ihrem Wohnort Neresheim nach Stuttgart einen dicken „SUV“ nutzen – da sehe man mal wieder zweierlei Maßstäbe.

Spitzenbeamtin verzichtet auf Dienstwagen

Doch mit derlei Vermutungen tut man Werner Unrecht. Das (private) Auto brauche sie, weil sie auf einem Bauernhof mit Pferden wohne, teilt eine Landtagssprecherin mit. Nach Stuttgart komme sie damit allerdings nur, wenn es nicht anders gehe. Auf den ihr zustehenden Dienstwagen habe die Ministerialdirektorin (Grundgehalt: 13 372,38 Euro) bewusst verzichtet. Grundsätzlich nehme sie den öffentlichen Nahverkehr, sofern es keine Störungen gebe. Die Zeitdifferenz für die knapp 100 Kilometer lange Strecke ist gering: mit Bus und Bahn ist man laut Google Maps eine Viertelstunde länger unterwegs als die anderthalb Stunden mit dem Auto.

Sogar im SWR-Fernsehen hat sich Werner schon als Fan des Nahverkehrs geoutet. Voriges Jahr gab es in Neresheim einige Aufregung, weil die Bushaltestelle aus dem kleinen Ortsteil Stetten an eine viel befahrene Landstraße verlegt worden war.

Der Grund: eine Zeitersparnis von wenigen Minuten. Anders als im Dorf gab es dort auch kein Wartehäuschen. Umgehend formierte sich unter den Bewohnern Widerstand, ein TV-Team interviewte die Protestierenden – darunter auch die nicht als solche ausgewiesene Landtagsdirektorin.

„Wenn der Lkw vorbeikommt, kann ich mich umziehen“

Vor der Kamera ließ sie ihrem Frust freien Lauf: „Ich stehe hier im Winter. Ich stehe hier im Dunkeln. Ich stehe hier ohne Einhausung. Ich habe Bürokleidung an. Wenn der Lkw hier vorbei kommt, kann ich mich umziehen.“ Dazu kämen rund zehn Minuten Fußweg an der Straße, die nicht einmal einen Bürgersteig habe. Als Anwohnerin fühle sie sich da nicht wertgeschätzt, beklagte Werner. Inzwischen hatte der Protest Erfolg, nach einer Verkehrsschau des Landkreises wurde die Haltestelle wieder zurück in den Ort verlegt.

Was lehrt der Fall? Zunächst sah es nach einem Beispiel dafür aus, dass Verschlechterungen im Nahverkehr die Kunden zurück zum Auto treiben. Tatsächlich zeigt er für die Landtagssprecherin, wie sich das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern lohnen kann. Ausgeräumt sind inzwischen auch Irritationen, ob Werner nicht doch einer Partei angehört. Auf der Homepage der Stadt Neresheim war sie noch dieser Tage als Mitglied des beratenden Bezirksbeirats Stetten aufgeführt, mit dem Zusatz CDU.

Der Grund: nach der Kommunalwahl 2024 hatte die CDU sie für das Ehrenamt vorgeschlagen. „Um weiteren Missverständnissen entgegenzuwirken“, so die Landtagssprecherin, „hat Frau Werner um die Entfernung des Zusatzes gebeten, was mittlerweile geschehen ist.“

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