Prokurist Stefan Eberspächer zeigt Nicolas Fink und Andreas Stoch (v.l.) die Abfüllanlage bei Robugen in Esslingen. Foto: Roberto Bulgrin
Kampf um jüngere Kundschaft: Das Familienunternehmen Robugen in Esslingen ist auf Arzneimittel und Kosmetika mit überwiegend pflanzlichen Wirkstoffen spezialisiert.
In der Alleenstraße 22 bis 24 sitzt in Esslingen mit der Firma Robugen ein kleiner aber feiner Familienbetrieb. Bei dem Unternehmen handelt es sich um den einzigen namhaften Pharmabetrieb im Kreis. Was ist das Erfolgsrezept des Unternehmens, das bald 100 Jahre alt wird, und wie zukunftsfähig ist der Betrieb?
Arzneimittel und Kosmetika mit überwiegend pflanzlichen Wirkstoffen sind das Kerngeschäft des Unternehmens, das im Jahr 1927 von Apotheker Theodor Mauz gegründet wurde und heute einen Jahresumsatz von zehn bis elf Millionen Euro erzielt. Das erklärt der Prokurist Stefan Eberspächer aus Anlass eines Besuchs von Landes-SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch und dem Esslinger SPD-Wahlkreisabgeordneten Nicolas Fink.
Das E-Rezept erweist sich für das Familienunternehmen als Problem
Neuerdings muss sich der Traditionsbetrieb mit dem veränderten Einkaufsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher auseinandersetzen. Dem Geschäftsführenden Gesellschafter Matthias Mauz treibt die Konkurrenz der niedergelassenen Apotheken durch die Versandapotheken Sorgenfalten auf die Stirn. Die junge Kundschaft, die im Netz bestellt, kenne Robugen häufig nicht mehr. Dazu trage auch das E-Rezept bei, weil die Kundschaft gar nicht mehr vor Augen habe, was ihr der Arzt verschreibe. Jüngere Zielgruppen will man deshalb mit einem aktualisierten Werbekonzept, den neuen Medien sowie über Informationen an jüngere Hausärzte erreichen.
Die weitläufig verzweigte Familie Mauz ist übrigens eng mit der Esslinger Rats-Apotheke am Rathausplatz verbunden, die zuletzt viele Jahre von Christoph Mauz in fünfter Generation geführt worden war. Das Unternehmen Robugen, dessen Firmenname sich aus dem griechischen Robustos genaios ableitet und „vom starken Stamm“ bedeutet, ist quasi als Ausgründung aus dieser Apotheke entstanden, denn besagter Theodor Mauz, der die Apotheke 1897 übernommen hatte, gründete wie erwähnt 1927 gemeinsam mit Sohn Ernst die Firma Robugen. Zunächst wurde noch in der Esslinger Innenstadt produziert, später siedelte der Betrieb nach Esslingen-Zell aus.
Familienbetrieb profitiert in Esslingen von der verkehrsgünstigen Lage
Das Betriebsgelände in der Esslinger Alleenstraße ist auffallend weitläufig und umfasst mehrere Gebäude für Produktion und Verwaltung. „Wir produzieren hier am Standort Esslingen mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“, sagt Stefan Eberspächer, der die Gäste durchs Unternehmen führt. Eberspächer hebt die sehr verkehrsgünstige Lage in den Esslinger Neckarwiesen und „einen guten Draht zur Stadtverwaltung“ hervor.
In dem Pharma-Unternehmen findet die Produktion in Esslingen-Zell statt. Foto: Roberto Bulgrin
Zu den unternehmerischen Herausforderungen zählen der Kaufmännische Leiter genauso wie der Geschäftsführende Gesellschafter Matthias Mauz auch den Wettbewerb um Fachkräfte. „Durch das Umfeld der Automobilindustrie ist das bisher dort bezahlte Lohnniveau sehr hoch, das ist für einen mittelständischen Pharmahersteller schwierig“, so Eberspächer. Außerdem forderten die Regulatorik im Pharmabereich sowie die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen rund um die Themen Energiekosten und bezahlbarer Wohnraum für die Belegschaft den Familienbetrieb heraus.
Bei den Arzneimitteln ist auch ein Esslinger Hidden Champion dabei
Rund 24 Produkte wie Arzneimittel und Kosmetika mit überwiegend pflanzlichen Wirkstoffen werden in Esslingen hergestellt. Dabei handle es sich bei den Phytopharmaka zwar um eine Marktnische, aber „im Segment Schwindel, Mattigkeit und Wetterfühligkeit haben wir eine sehr gute Abdeckung“ auf dem Markt, sagt Eberspächer und bezeichnet die Korodin Herzkreislauf-Tropfen aus D-Campher und Weißdornfrüchte-Fluidextrakt als den Hidden Champion im Portfolio.
Der typisch kräftige Campher-Geruch steigt den Gästen dann auch eindrücklich in die Nasen, als die Gruppe das Warenlager betritt. Bekannt ist Campher für seine durchblutungsfördernden, schmerzlindernden und antiseptischen Eigenschaften, die beispielsweise zur Linderung von Muskelschmerzen und Katarrhen in Salbenform eingesetzt werden.
Wie kommt eigentlich die Salbe in die Tube?
Bei Robugen werde Campher aus China verwendet, da der Campherbaum dort wie Unkraut wachse, wie Eberspächer lächelnd erzählt. Zuvor hat er seinen Gästen bereits den Produktionsbereich vorgeführt, wo beispielsweise Weißdornfrüchte für die spätere Verarbeitung extrahiert, püriert und gepresst werden. Aber es gebe auch deutsche Rohstoffe wie beispielsweise Kamillenblüten aus Thüringen, die dort auf mehreren hundert Hektar großen Flächen für die Herstellung von Kamillenextrakten angebaut werden.
Fertige Tinkturen und Salben werden später im Abfüllbereich portioniert. Ziemlich laut geht es dort zu, wo die braunen Glasfläschchen mit Korodin befüllt und danach in kleine Kartons verpackt werden. Bis zu 30 000 Fläschchen landen pro Tag auf diese Weise im benachbarten Versand.
Wenige Meter weiter macht sich Staunen breit: „Ich dachte immer, der Inhalt wird durch die Tubenöffnung eingefüllt“, sagt Nicolas Fink und auch die anderen Gäste lassen sich gerne zeigen, wie die Salbe in die am Ende geöffnete Aluminiumtube gefüllt wird. Dann wird das Ende zweimal gefalzt – und fertig ist die Tube.
Und damit die Verpackungsanlage immer ausgelastet ist, arbeitet Robugen auch als Lohnunternehmer für Mitbewerber. Fremdaufträge, die laut Eberspächer rund zehn Prozent der Auslastung ausmachten.
Wurzeln Die Gründung der Esslinger Rats-Apotheke reicht ins Jahr 1517 zurück, eine Apotheke, die immer im selben Gebäude nahe der historischen Apothekergasse angesiedelt war. Lange Zeit war die mehr als 500 Jahre alte Esslinger Rats-Apotheke im Besitz der Familie Mauz. 2022 musste die Apotheke von Christoph Mauz auch mangels Nachfolge geschlossen werden. Christoph Mauz, der der Bruder von Robugen-Geschäftsführer Matthias Mauz ist, betrieb die Apotheke ab dem Jahr 1986.
Historie Der erste Inhaber der Esslinger Rats-Apotheke war Philipp Horn aus Stuttgart. Sein Nachfolger wurde in den 1530er-Jahren Hans Blattenhardt. 1857 übernahm Gottlieb Mauz die Apotheke.