Mit ihrem fluffigen Teig – Schwäb:innen nennen ihn „lapprig“ – und dem dicken Rand, gehört die neapolitanische Pizza inzwischen zu jeder Übersicht an Neueröffnungen im Kessel dazu. Der Hype ist real: An jeder zweiten Ecke öffnet ein neuer Laden für Pizza Napoletana – oder ist bereits in Planung. Die Toppings der Pizzen reichen von basic bis fancy (wir sagen nur: Fenchel, lila Kartoffeln oder Trüffel), die Preisspanne liegt oft bei um die 15 bis 25 Euro – wenn es super fancy sein soll sogar mehr. Doch bei all der Pizza Napoletana, die in den Öfen und auf unseren Tellern landet, fragen wir Stadtkinder uns schon: Wie viel neapolitanische Pizza braucht Stuttgart noch?
Am Marienplatz gibt's die Pizza seit zehn Jahren
Eine der Vorreiterinnen in Sachen neapolitanischer Pizza war die L.A. Signorina am Marienplatz. Unter der damaligen Leitung von Martina Schneider, die ihr Gastro-Baby im letzten Jahr an Chiara Troiano, Tochter von Betreiber Francesco Troiano, abgegeben hat, hat die Pizza aus Neapel in Stuttgart bereits vor zehn Jahren das erste Mal so richtig Aufmerksamkeit erregt. Statt dünnem knusprigem Teig mit dem Standardbelag wurden im Süden plötzlich original neapolitanische Pizzen mit ausgefallenen Toppings serviert. Und das Konzept ging auf wie Pizzateig. Bis heute ist das Restaurant am Marienplatz immer gut besucht und für viele die Top-Adresse für die beste Pizza der Stadt.
"Eine Stadt lebt von Vielfalt"
Chiara Troiano schwört auf das Original: „Die neapolitanische Pizza ist einfach der Klassiker.“ Für die Pizzen am Marienplatz setzen sie und ihr Team auf qualitativ hochwertiges Mehl, Fior di Latte, Pelati und eine an die Jahreszeiten angepasste Karte. „Um die Pizza gut verdaulich zu machen, muss außerdem möglichst wenig Hefe verwendet werden und der Teig lange gehen“, erklärt Chiara. Und auch wenn sie selbst ein großer Pizza-Fan ist, hat Chiara zum Pizza-Overload im Kessel eine klare Meinung: „Wir finden es etwas schade, wenn Gastronomien mit ähnlichen Konzepten nach Stuttgart kommen – es ist einfach etwas langweilig. Eine Stadt lebt von Vielfalt und da kann Stuttgart definitiv noch aufholen.“ Doch einen Vorteil hat es dann auch, wenn plötzlich überall Läden mit neapolitanischer Pizza wie Pilze aus dem schwäbischen Boden schießen: „Je mehr Angebot es in der Stadt gibt, desto mehr muss jede:r auf die Qualität der Pizzen achten“, stellt die L.A-Singornia-Chefin klar.
Der Pizza-Profi von Plieningen
Andere fahren für „die beste Pizza der Stadt“ nach Plieningen, wo 2018 L’Artista eröffnet hat. Dass die neapolitanische Pizza hier so beliebt ist, kann auch Inhaber Nico Zingariello nur zu gut nachvollziehen. „Die Pizza ist ein Ausdruck der neapolitanischen Lebensfreude und Gastfreundschaft, ein Stück Kultur, die bei jedem Essen spürbar ist“, schwärmt er. Auch für den Hype hat Nico eine Erklärung: „Pizza Napoletana ist schon seit Jahren Unesco-Weltkulturerbe. Und seitdem der Tourismus in Neapel boomt und jede:r irgendwann mal ein paar Tage dort war, sind auch die Deutschen auf den Geschmack gekommen“. Einen weiteren Grund sieht er in der Corona-Pandemie, in der sich viele Hobbypizzabäcker:innen an der Pizza „wie in Neapel“ versucht haben. Dazu kamen dann die ausgefallene Toppings und der Hype war perfekt!
Was eine wirklich gute neapolitanische Pizza für den Profi aus Plieningen ausmacht? „Die Basis sind gutes Mehl und eine sehr, sehr gute Tomatensoße“, erklärt Nico. „Die sonnengereiften Tomaten müssen nach Urlaub schmecken, nicht nach Wasser. Außerdem gehört Fior di Latte aus italienischer Milch dazu, die auf den Pizzen nicht verbrennt und für den richtigen Cheese-Effekt sorgt.“
Leidet die Qualität unter dem Pizza-Overload?
Doch wie sieht der L'Artista-Chef den Pizza-Hype in unserer Stadt, wenn es um das große Wort „Qualität“ geht? „Ich denke schon, dass die Qualität darunter leidet – der Markt ist hier inzwischen voll mit Pizza. Auf der anderen Seite ist das für mich aber auch ein Ansporn, immer noch besser und innovativer zu werden als meine Mitbewerber:innen. Bei so viel Konkurrenz muss man beispielsweise mit immer hochwertigeren Zutaten arbeiten, um das Genusserlebnis noch besser zu machen“, erklärt er. Aus Konsumentensicht darf gespannt sein, welches kulinarische Pferd als nächstes durch den Kessel getrieben wird. Vielleicht Gaisburger Marsch?