Pläne für Geflüchtete in Hedelfingen Widerstand gegen eine Asylunterkunft auf der Sportwiese wächst

Die Wiese und der Kinderspielplatz an der Vereinsgaststätte Dürrbachklause sollen einer Flüchtlingsunterkunft weichen. Foto: Mathias Kuhn

Ein Zweckbündnis will verhindern, dass das Sportgelände an der Rohrackerstraße in Hedelfingen umgewidmet wird. Dort plant die Stadt Unterkünfte für 156 Geflüchtete. Eine nun gestartete Onlinepetition unterzeichneten 500 Menschen – an einem Tag.

Am Freitag, 21. März, berät der Stuttgarter Gemeinderat im Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen zum ersten Mal über die von der Verwaltung geplante fünfte Tranche an Flüchtlingsunterkünften. Doch bereits jetzt regt sich massiver Widerstand – zumindest in Hedelfingen. Seit Montagabend gibt es eine Onlinepetition gegen den Bau von insgesamt 40 Containern in Modulbauweise mit bis zu 156 Plätzen auf der Sportwiese an der Rohrackerstraße. Die Zustimmung für den von Bürgerinnen und Bürgern organisierten Widerstand, die die Spiel- und Bewegungsfläche für die Kinder im Stadtbezirk erhalten wollen, ist groß. Innerhalb von 24 Stunden haben bereits mehr als 500 Menschen die Petition unterschrieben.

 

„Wenden uns nicht gegen Asylsuchende“

„Wir wenden uns damit ausdrücklich nicht gegen Asylsuchende“, betont Sandra Heske, eine der Initiatorinnen des Zweckbündnisses. Sie hebt sich damit auch bewusst von den Ereignissen von vor drei Jahren ab. Bereits damals hegte die Stadt den Plan, die Wiese auf dem Gelände der SportKultur am Vereinsheim der Dürrbachklause als Standort für eine Asylunterkunft zu nutzen. Die Onlinepetition lief damals jedoch völlig aus dem Ruder. Der Vorstand der SportKultur erhielt sogar Morddrohungen – der Staatsschutz ermittelte einen Verdächtigen –, im Internet waren zahlreiche ausländerfeindliche Parolen zu lesen.

Das ist nun nicht der Fall. Fast einhellig geht es um die große Bedeutung der Freifläche als Bewegungs- und Freizeitort sowie für den kulturellen Austausch. Denn das Vereinsgelände mit Bolzplatz, Beachvolleyballfeld, Kinderspielplatz, Gaststätte und Wiese werde tagsüber von Grundschule oder Kindertagesstätte sowie am Nachmittag und am Wochenende von vielen Familien, Freizeit- und Vereinssportlern genutzt. „Auch das bereits mit hohem Migrationsanteil“, berichtet Sandra Heske. Und nicht zuletzt dient die Wiese als Veranstaltungsfläche.

Einziger, öffentlich genutzter Standort

Einen Ersatzstandort im Stadtbezirk – auch für das Beachvolleyballfeld – gibt es nicht, wie Jörg Maier vom Sportamt bei der Vorstellung des Vorhabens in der vergangenen Sitzung des Bezirksbeirats Hedelfingen betonte. Nicht nur die zahlreich anwesenden Bürger, die der Stadtverwaltung zudem ein „falsches Spiel“ hinsichtlich der Hochwassergefahr der unmittelbar neben dem Dürrbach liegenden Wiese unterstellten, lehnten den Standort ab, auch der Bezirksbeirat positionierte sich einstimmig dagegen.

Aus Sicht der Lokalpolitiker und des Zweckbündnisses handelt es sich in der gesamten Tranche zur Flüchtlingsunterbringung um die einzige rege genutzte öffentliche Fläche. Neben dem Standort in der Rohrackerstraße sind in der aktuellen Vorlage zur Errichtung von Flüchtlingsunterkünften auch Neubauten an der Lenbachstraße in Feuerbach (76 Plätze), an der Möhringer Landstraße in Vaihingen (92) und an der Kirchheimer Straße in Sillenbuch (92) enthalten. Zudem sollen bereits beschlossene Standorte ausgebaut beziehungsweise umgerüstet werden, wie zum Beispiel die frühere Sportklinik gegenüber dem Kursaal und Bestandsgebäude wie das ehemalige Stadtbad in Bad Cannstatt.

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