Plochingen im Kreis Esslingen „Hochpreisregion Stuttgart“ – Unternehmen wollen für ihre Beschäftigten bauen

Hier in der Ulmer Straße hat einst die Eisenbahn für ihre Mitarbeiter und deren Familien gebaut. Foto: Karin Ait Atmane

Mehrere große Firmen in Plochingen wären bereit, in den Bau von Mitarbeiterwohnungen zu investieren. Es braucht aber noch ein geeignetes Grundstück.

Den Firmen fehlen die Fachkräfte, den Fachkräften fehlt bezahlbarer Wohnraum: Da liegt es nahe, beides zusammenzubringen. Neu ist die Idee der Mitarbeiterwohnungen keineswegs. Anfang des 20. Jahrhunderts haben große Unternehmen teilweise ganze Siedlungen für Mitarbeiter und ihre Familien gebaut; in kleinerem Umfang gab es solchen Wohnungsbau bis in die 1970er-Jahre. Dann ist er weitgehend eingeschlafen, rückt nun aber angesichts der Lage auf dem Wohnungsmarkt und des Fachkräftemangels wieder in den Fokus.

 

Beschäftigten eine Wohnung anbieten zu können, kann ein echter Trumpf für einen Arbeitgeber sein. So bauen beispielsweise die Medius Kliniken direkt beim Ruiter Krankenhaus 60 Personalwohnungen; erst kürzlich wurde dort Richtfest gefeiert.

Von Bosch bis zum Landratsamt wurden Arbeitgeber befragt

Und Plochingen setzt ebenfalls auf die Karte „Werkswohnungen“ oder „Mitarbeiterwohnungen“. Die Stadt hat zusammen mit dem Büro Reschl kommunale Projektentwicklung und dem früheren Wirtschaftsförderer der Region Stuttgart, Walter Rogg, ein Pilotprojekt gestartet. Zehn große Arbeitgeber, von Bosch über Logbatt bis Kaatsch, von der AOK bis zum Landratsamt, sind befragt worden, ob sie daran interessiert wären, in den Wohnungsbau für Beschäftigte zu investieren. Neun von ihnen hätten ein „großes und starkes Interesse“ gezeigt, berichtete Walter Rogg kürzlich in einem Ausschuss des Gemeinderats. Die befragten Unternehmen würden das Thema als „superinteressant in der Hochpreisregion Stuttgart“ einstufen. Sie hätten Interesse an verschiedensten Wohnformen geäußert, von geförderten Familienwohnungen über Appartements für Singles oder Azubis bis hin zu Business-Appartements mit hotelähnlichem Service.

Die Stadt mit Wirtschaftsförderer Martin Gebauer koordiniert das Projekt, ist aber auch selbst als Arbeitgeberin an Wohnungen interessiert: immerhin 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe man, so Gebauer. Er hält einen Schwerpunkt eher auf günstigem Wohnraum für sinnvoll, weil es dafür auch Fördergelder gibt – und weil die entsprechende Zielgruppe sich auf dem freien Markt besonders schwertut.

Bauflächen in Plochingen sind rar

Insgesamt hätten „die befragten Arbeitgeber Interesse an rund 80 eigenfinanzierten Wohnungen“, möglicherweise auch an mehr, fasst Rogg zusammen. Wobei die wenigsten eigenständig bauen möchten; lieber wäre ihnen eine gemeinsame Projektgesellschaft, die einen Bauträger beauftragt. Bleibt noch die Frage nach geeignetem Grund und Boden – ein Problem, bei dem auch die Stadt mit ihren eigenen Bauprojekten immer wieder an Grenzen stößt. Den Erhebungen zufolge sind auch bei den befragten Firmen kaum geeignete Flächen vorhanden, lediglich in einem Fall könnte vielleicht auf einem vorhandenen Grundstück gebaut werden. Das müsste aber noch geprüft werden.

Derzeit sichtet die Stadt also einmal mehr ihre Möglichkeiten, dann soll es eine Schlussrunde mit den Unternehmen geben. Am liebsten wäre Gebauer, er könnte dabei schon ein konkretes Projekt in Aussicht stellen. Zum Zeitpunkt unserer Nachfrage Mitte April konnte er das noch nicht.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Plochingen Kreis Esslingen bauen