Nicht mehr lange, dann ist Weihnachten. Besonders groß dürfte die Vorfreude bei denen sein, die von ihrer Firma ein Weihnachtsgeld bekommen. Dessen Höhe kann zwischen 250 und mehr als 4000 Euro variieren, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hervorgeht. Allerdings profitieren längst nicht alle Beschäftigten, denn nur gut die Hälfte (52 Prozent) bekommt die Sonderzahlung im November oder Dezember aufs Konto überwiesen.
Den größten Unterschied macht, ob der Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden ist oder nicht: Von den Beschäftigten mit Tarif bekommen 77 Prozent Weihnachtsgeld – fast doppelt so viele wie in Betrieben ohne Tarifvertrag, wo lediglich 41 Prozent der Beschäftigten einen solchen Extra-Groschen erhalten. Das ist das Ergebnis einer neuen Auswertung des Internetportals Lohnspiegel.de, das vom WSI betreut wird. In welchen Firmen in Baden-Württemberg ist der Geldsegen am größten? Das zeigt eine exklusive Umfrage unserer Zeitung bei Unternehmen im Südwesten.
Porsche und Kärcher stocken das Weihnachtsgeld auf
In der Metall- und Elektroindustrie beträgt die sogenannte Jahressonderzahlung im Tarifgebiet Nordwürttemberg/Nordbaden zwischen 25 und 55 Prozent eines Monatsverdienstes – je nach Betriebszugehörigkeit. Dies trifft beispielsweise auf Mercedes-Benz zu. Rund 90 000 Beschäftigten des Stuttgarter Autobauers wird der Extra-Groschen im November überwiesen. Porsche geht einen Schritt weiter und stockt die 55 Prozent bereits seit vielen Jahren auf ein volles 13. Monatsgehalt auf. Rund 23 300 Angestellte dürfen sich über den Extrageldsegen freuen.
Der Stuttgarter Technologieriese Bosch, ebenso tarifgebunden, hat unter den 130 000 Beschäftigten zu 70 Prozent Tarifmitarbeiter, die ebenfalls vom Extrageld profitieren. Auch der Autozulieferer Mahle richtet sich bei der Bezahlung des Weihnachtsgeldes nach dem Tarif. Größer ist die Freude in Winnenden: Beim Reinigungsgerätehersteller Kärcher wird zusätzlich zum Tarif ein freiwilliges „Kärcher-Weihnachtsgeld“ in Höhe von 40 Euro für jedes volle Jahr Betriebszugehörigkeit gezahlt.
Dürr zahlt mehr als das übliche Weihnachtsgeld
Der Waiblinger Motorsägen- und Gartengerätehersteller Stihl zahlt je nach Betriebszugehörigkeit ein Weihnachtsgeld zwischen zehn und 55 Prozent eines Monatseinkommens. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind die Basis unseres Erfolgs – insbesondere in herausfordernden Zeiten wie diesen“, sagt ein Sprecher. Darüber hinaus haben die Beschäftigen im Mai eine freiwillige Erfolgsprämie für das Vorjahr in Höhe von 50 Prozent eines Monatsentgelts erhalten.
Der Maschinenbauer und Autozulieferer Dürr zahlt seinen Mitarbeitern am Standort in Bietigheim ein Weihnachtsgeld in Höhe von 60 Prozent eines Monatseinkommens – und toppt die tarifliche Regelung somit um fünf Prozent. Der Handelskonzern Würth überweist seinen Mitarbeitern im November eine Kombination aus Urlaubs-, Weihnachtsgeld und Betriebsergebnisprämie, die dieses Jahr aufgrund der wirtschaftlichen Situation unter dem Vorjahr liegen wird, wie das Unternehmen mitteilt.
Breuninger zahlt freiwilliges Weihnachtsgeld
Im Handel beträgt das tarifliche Weihnachtsgeld 62,5 Prozent des individuellen Tarifentgelts. Lidl sei Mitglied der Arbeitgeberverbände und halte sich an die Tarifverträge, heißt es beim Discounter – der folglich ein Weihnachtsgeld zahlt. Konkurrent Aldi Süd lässt sich weniger in die Karten schauen, ein Sprecher betont aber: „Das Urlaubs- und Weihnachtsgeld hat Aldi Süd kürzlich noch einmal erhöht.“
Bei der Drogeriekette dm betont man, dass alle Beschäftigten ein Weihnachtsgeld erhielten, welches sich am Tarifentgelt plus individueller Zulagen bemesse. „Da für alle Mitarbeitenden das Tarifeinkommen erhöht wurde, liegt das Weihnachtsgeld über dem Wert von 2023“, sagt Personal-Geschäftsführer Christian Harms. Die Stuttgarter Warenhauskette Breuninger zahlt ihren Mitarbeitern ein freiwilliges Weihnachtsgeld. Bezogen auf das monatliche Grundgehalt erhalten die Angestellten im November eine Zusatzzahlung von 50 Prozent ihres Bruttolohns.
So hoch ist der Extra-Groschen bei der EnBW
„Die LBBW hat im November das im Bankgewerbe tariflich vereinbarte 13. Monatsgehalt gezahlt“, teilt ein Pressesprecher mit. Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische (W&W) richtet sich nach den Tarifverträgen für Banken und Versicherungen. Im Bankentarifvertrag wurde bereits im April ein volles Monatsgehalt gezahlt. Der Tarifvertrag für Versicherungen sieht eine Sonderzahlung von 80 Prozent eines Monatsgehalts im November vor.
Der Strabag-Konzern, zu dem auch das Stuttgarter Bauunternehmen Züblin gehört, zahlt das tarifliche Weihnachtsgeld. Nach Bautarif beträgt es 72 Prozent eines Monatsgehalts. Baden-Württembergs großer Energieversorger EnBW zahlt seinen Angestellten ein Weihnachtsgeld in Höhe eines Monatsgehalts. Auch bei der EnBW-Tochter Transnet BW dürfen sich die Mitarbeiter über einen Bonus zur Weihnachtszeit freuen. Der Stromnetzbetreiber zahlt das branchenübliche 13. Monatsgehalt.
Und wer zahlt kein Weihnachtsgeld?
Bei den IT-Unternehmen gibt es das klassische Weihnachtsgeld nicht. Stattdessen setzt die Walldorfer Softwareschmiede SAP auf ein branchenübliches Bonussystem, das sich am Unternehmenserfolg oder an individuell vereinbarten Zielen orientiert. „Darüber hinaus bieten wir vielerlei Mitarbeiterbenefits zur Vermögensbildung, wie zum Beispiel der bezuschusste Erwerb von Unternehmensaktien“, sagt ein Sprecher. Beim Göppinger Softwareanbieter Teamviewer gibt es ein einheitliches Vergütungspaket. Dieses umfasst laut Unternehmensangaben neben „überdurchschnittlichen Grundgehältern und einem Jahresbonus“ Zusatzleistungen wie ein Aktienprogramm.