Michael Leiters hat vor Porsche schon den Sportwagenhersteller McLaren geführt. Foto: -/Porsche AG/dpa
Porsche rutscht Richtung rote Zahlen – und Michael Leiters soll den stolzen Autobauer aus der Krise führen. Wer ist der neue Mann an der Spitze? Und wie will er die Wende schaffen?
Seit Anfang des Jahres ist Michael Leiters im Amt, und während dieser Zeit hat er sich mit öffentlichen Äußerungen zu Porsche diszipliniert zurückgehalten. Bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens trat Leiters nun erstmals öffentlich auf – und machte mehr als deutlich, dass er nicht gekommen ist, um die zehnjährige Ära von Konzernchef Oliver Blume fortzusetzen.
Er vermied zwar jegliche Kritik an seinem Vorgänger – doch die zahlreichen Veränderungen, die er ankündigt, zeigen deutlicher als jeder Kommentar über die Vergangenheit, dass es ein Weiter-So unter Leiters nicht geben soll.
In Zuffenhausen wird unter anderem, der 911 produziert, der sich trotz Krise gut schlägt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko
An den Zahlen, die er bei seiner Pressekonferenz bekanntgab, war er selbst gar nicht beteiligt – er legte die Schlussbilanz seines Vorgängers vor, aus der vor allem eines hervorgeht: dass die wirtschaftliche Talfahrt ungebremst weitergeht. Der Umsatz sank um zehn Prozent auf 36 Milliarden Euro, die Rendite sackte auf 1,1 Prozent ab.
Noch schwieriger sieht es im reinen Autogeschäft aus, dessen Eckdaten schon tags zuvor von der Muttergesellschaft Volkswagen veröffentlicht worden waren. Dieses erzielte mit einer operativen Rendite von 0,3 Prozent gerade noch eine schwarze Null.
Porsche-Chef: Auch Ferrari und McLaren haben mich geprägt
Die Herkunft von Leiters dürfte seinen Blick auf die Porsche AG schärfen. „Meine beruflichen Stationen waren Porsche, Ferrari und McLaren“, sagt der 54-Jährige. „Alle drei Unternehmen haben mich geprägt. Vor seiner Rückkehr zu Porsche habe er als Chef des Sportwagenherstellers McLaren das Unternehmen „durch eine umfassende Restrukturierung und zur erfolgreichen Markteinführung mehrerer Modelle geführt.“ Besonders wichtig seien aber seine 13 Jahre bei Porsche zu Beginn seiner Karriere gewesen. „Hier habe ich gelernt, wie man eine Manufakturproduktion, wie sie damals vorherrschte, auf Effizienz trimmt. Wie Prozesse optimiert werden, die zu mehr Profitabilität führen. Und wie neue ertragbringende Modelle das Gesicht der Marke so verändern, dass Porsche trotz höherer Stückzahl als kleiner und feiner Hersteller sportlicher Fahrzeuge wahrgenommen wird.“
Das Thema Effizienz zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausführungen von Leiters. Ob es um die Produktstrategie geht, um die Finanzen oder um die gesamte Organisation – überall sieht Leiters Bedarf und Möglichkeiten, Geld und Personal ertragbringender einzusetzen als dies heute der Fall ist. Dort, wo sein Vorgänger bereits entsprechende Schritte in die Wege geleitet hat, will er die Gangart verschärfen. Das gilt vor allem für die Organisation des Unternehmens selbst.
Verwaltung wuchs schneller als das Geschäft von Porsche
„Wir haben bei Porsche ein motiviertes und engagiertes Team mit großartigen Talenten“, sagt der neue Konzernchef. „Allerdings ist die Organisation insbesondere in den indirekten Bereichen überproportional zur Entwicklung unseres Geschäfts gewachsen.“ Die indirekten Bereiche – damit sind Funktionen jenseits der direkten Produktion gemeint, von der Entwicklung über den Personalbereich bis zu den Finanzen.
Seine Absicht, keinen Stein auf dem anderen zu lassen, trifft im Unternehmen auf ein geteiltes Echo. Die Ansage bei einer Führungskräftetagung, ein Teil der Anwesenden werde im nächsten Jahr nicht mehr im Unternehmen sein, wurde teils als Weckruf, teils als Drohung wahrgenommen. Leute, die bereits mit ihm zu tun hatten, berichten aber auch über einen Chef, der sich auskennt und unbequeme Sichtweisen geradezu einfordert. Auch ein befreiender Humor wird ihm von Mitarbeitern zugeschrieben. Bei seinem ersten Auftritt vor Journalisten zeigte er sich als sattelfester Manager, der zuhören kann und keiner Frage aus dem Weg geht.
Nimmt sich Leiters zu viel Zeit für seine Planungen?
Gleichwohl gibt es auch Fragen, die er bisher offengelassen hat. In Teilen des Unternehmens stellt sich die Frage, wann Leiters mit seinen Plänen konkreter wird. Dass seine Aussagen zur Strategie bisher eher allgemein gehalten sind, räumt er selbst ein. „Als Ingenieur will ich Dinge durchdringen. Das ist wichtig, um gute Entscheidungen zu treffen und Dinge verbessern zu können“, sagt er. Viele erwarteten Antworten. „Aber wir befinden uns immer noch innerhalb der berühmten ersten 100 Tage. Und da ist es ganz natürlich, dass wir noch nicht auf jede Frage eine Antwort haben und nicht für jedes Problem eine Lösung.“
Dem wird in Kreisen des Unternehmens entgegengehalten, dass Leiters Porsche seit langem sehr gut kennt und schon Wochen vor seinem Amtsantritt tiefe Einblicke habe nehmen können. Dennoch könnte es noch ein weiteres halbes Jahr dauern, bis er seine Strategie vorstellt. Passt solch ein weiter Zeitplan zu seiner eigenen Beschreibung der Lage?
Untätigkeit dürfte allerdings auch in der Zwischenzeit nicht zu den hervorstechenden Eigenschaften von Leiters gehören. Seine Fragen seien bohrend, oft aber berechtigt, heißt es bei Porscheanern, die ihm wohlgesonnen sind. Sie teilen auch seine Diagnose, wonach die höchst erfolgreichen Jahre der Ära Blume etwas mit der Organisation gemacht haben.
Kann Porsche überhaupt Krise?
Porsche sei Jahrzehnte des Wachstums und positiver Nachrichten gewöhnt, sagt Leiters. Deshalb bestehe nun seine Führungsaufgabe darin, die Organisation anzuleiten und das Unternehmen krisenfest zu machen. Notwendig sei nicht weniger als ein Kulturwandel. Er spricht es zwar nicht aus, aber aus seiner Sicht haben sich das Unternehmen und zumindest ein Teil seiner Führungskräfte zu sehr auf den Lorbeeren ausgeruht, die sie sich in den Jahren zuvor erarbeitet hatten.
Allerdings habe das Unternehmen auch früher schon schwierige Zeiten überstanden. „Schauen Sie sich die Pandemie an, schauen Sie sich die Versorgungsprobleme mit Halbleitern an oder den Ukrainekrieg, der leider noch immer andauert. „Schon heute sei Porsche in der Lage, mit solchen Entwicklungen umzugehen. Er sei sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen „stabil steht und schwierige Situationen verkraften kann“.