Oliver Blume (li.) als Gast bei einem Podcast seines Kommunikationschefs Sebastian Rudolph. Foto: Porsche
Der Kommunikationschef ist dafür verantwortlich, wie sich das Unternehmen öffentlich zeigt. Sebastian Rudolph ist allerdings mehr als der oberste Sprecher von Porsche-Chef Oliver Blume.
Er ist einer der engsten Mitarbeiter von Porsche- und VW-Chef Oliver Blume. Als Kommunikationschef beider Unternehmen ist Sebastian Rudolph dafür verantwortlich, wie die Unternehmen sich in der Öffentlichkeit, gegenüber der Politik, aber auch intern darstellen, für welche Botschaften und Werte sie stehen – und auch dafür, wie Konzernchef Oliver Blume selbst wahrgenommen wird.
Als Blume zusätzlich zu seinem Porsche-Job auch VW-Chef wurde, kam Rudolph mit – und nun, da Blume als Porsche-Chef abtritt, folgt Rudolph ihm auch auf diesem Weg. „Es fällt mir schon schwer, nach über sechs Jahren die kommunikative Verantwortung für diese wunderbare Marke abzugeben“, sagte Rudolph gegenüber seinen Mitarbeitern. „Porsche und die Menschen, die hier arbeiten, haben mich geprägt. Deshalb schwingt da Wehmut mit.“
Porsche-Mitarbeiter unterstützen das soziale Projekt Supp_optimal, zum fünften Geburtstag des Projekts verteilte Rudolph Kuchen. Foto: Joerg Eberl
Als Rudolph 2019 zu Porsche stieß – davor hatte er unter anderem mehrere Jahre lang die Kommunikation des Bundesverkehrsministeriums geleitet –, eilte das Unternehmen von Rekord zu Rekord. Dann kamen die China-Krise, der Einbruch der E-Mobilität, Sparprogramme. „Es gab die Zeiten, da sind wir von Rekord zu Rekord geeilt, und jetzt gibt es die Zeiten der Transformation“, sagte er vor Mitarbeitern. Das sei eine herausfordernde und zugleich erfüllende Aufgabe.
„Gut, wenn Mitarbeiter Dinge besser können als ich“
„Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, vertrauensvoll, eng und offen im Team zusammenzuarbeiten. Und das haben wir mit unserem Team bislang erfolgreich gemeistert.“ Ihm sei es wichtig, Menschen zu entwickeln, sie größer und stärker zu machen und auch neben sich zu haben. „Ich habe kein Problem damit, wenn Mitarbeiter Dinge besser können als ich.“ Gerade in einer Doppelrolle sei es extrem wichtig, Menschen zu haben, denen man vertraut und Verantwortung überträgt.
Reichlich Verantwortung bekommt er auch selbst übertragen – von seinem Chef Oliver Blume. „Wir haben ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und einen engen Draht“, sagt Rudolph. Die beiden tauschen sich eigentlich jeden Tag aus, sagen Kollegen. Sie können auch mal abschalten und nichts voneinander hören. Das sei das Schöne an diesem Team.
Zwischen Blume und Rudolph gibt es eine Verabredung: Wenn sie sich am Wochenende oder im Urlaub schreiben, weil bestimmte Dinge zu klären sind, dann meldet man sich zwar am gleichen Tag, aber es muss nicht sofort sein. Oliver Blume sei ein Mensch, der mit Vertrauen und klaren Zielen führt – mit ambitioniertem Zug und gleichzeitig viel Nähe.
Sportlich-entspanntes Verhältnis zum Porsche-Chef
Blume und Rudolph – das ist mehr als ein Chef und sein Abteilungsleiter. Oliver Blume wollte immer einen Sparringspartner haben, sagt einer, der beide Personen gut kennt. Einen Menschen, der ihm die Dinge vertrauensvoll und ehrlich einordnet - und auch mal anderer Meinung ist. Das führt zu einem sehr belastbaren Verhältnis. Es ist sportlich und entspannt zugleich.
Wie sein Chef Oliver Blume hat auch Rudolph einen Doppeljob. Bei Blume sorgen sich sogar Analysten wegen der hohen Belastung und fragen, wie er seine Zeit einteilt. Doch auch für Rudolph stellen sich diese Fragen. Er hat seinen privaten Bereich auf die Familie konzentriert. Vor der Doppelrollen-Zeit hatte er noch beim TEC Waldau Stuttgart mit den Herren 40 in der Regionalliga Südwest gespielt. Dafür musste man mehrmals in der Woche trainieren. Mit den Punktspielen und den Trainingseinheiten hat er dann aufgehört.
Gegenüber Kollegen soll er mal gesagt haben: Wichtig ist es, selbst zu akzeptieren, dass der Job eben keine fünf Tage hat, sondern eher sieben. Dafür brauche man gute Resilienz und Ausgeglichenheit. Und beides hat er, sagen Weggefährten.
Porsche-Position bei E-Fuels als Gemeinschaftsaufgabe
In welchem Maß es bei der Kommunikation und der Positionierung des Unternehmens und des Chefs auf Teamwork ankommt, zeigt Rudolph beispielhaft bei einem Thema, bei dem Porsche eine besonders eigenständige Rolle in der Autobranche einnimmt: dem Einsatz für synthetische Kraftstoffe. Diese Positionierung entstand zu Beginn im Zusammenwirken von Oliver Blume, Michael Steiner und Sebastian Rudolph. Vizechef und Forschungsvorstand Michael Steiner ist derjenige, der eine hohe fachliche Kompetenz bei der Frage besitzt, wie Kraftstoffe und Antriebe zusammenwirken.
Zur Kompetenz gehört aber auch das Eingeständnis, dass E-Fuels heute Apothekenpreise haben. Deshalb war es wichtig, kommunikativ die Botschaft auszusenden: Jeder Tropfen hilft. Selbst eine Beimischung von zehn Prozent nützt dem Klima.
Porsches Position fand Unterstützung in der Politik
Das hat wiederum geholfen, die Schwarz-Weiß-Diskussion im politischen Raum zu öffnen. Wichtig war auch die Botschaft, dass der Einsatz für E-Fuels keine Abkehr von der E-Mobilität ist, sondern eine sinnvolle Ergänzung und eine Nische für Sportwagen erhält. Porsche ist ja an einer Produktionsanlage in Chile beteiligt und positioniert sich damit zugleich als ein Unternehmen, das auch als Pionier neue Wege beschreitet.
Diese Positionierung, die auch Oliver Blume selbst immer wieder vertreten hat, fand dann auch Unterstützung bei Grünen-Politikern wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Verkehrsminister Winfried Hermann.
Nun endet die Zeit bei der Porsche AG, zu der Rudolph, damals Kommunikationschef des Baukonzerns Bilfinger Berger, vor gut sechs Jahren wechselte. Eine Rückkehr zur Normalität.