Porsche Tennis Grand Prix Favoritin Elena Rybakina siegt – die Veranstalter geben ein großes Versprechen

Siegerin mit Siegerinnenpokal: Elena Rybakina nach ihrem Triumph in Stuttgart. Foto: Baumann

Die Weltranglistenzweite Elena Rybakina wird ihrer Favoritenrolle gerecht und siegt beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Die Veranstalter geben ein Versprechen für die Zukunft.

Sport: Marco Seliger (sem)

Auf den Finalsieg folgte die Liebeserklärung der Favoritin. „Es fühlt sich hier wie zuhause an“, sagte Elena Rybakina, die frischgebackene Gewinnerin des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart ins Hallenmikrofon: „Ich will jedes Jahr hierher zurückkommen.“

 

Sollte die kasachische Weltranglistenzweite ihr Versprechen im nächsten Jahr wahr machen, wird sie 2027 also als Titelverteidigerin in den Neckarpark zurückkehren. Die Australian-Open-Siegerin bezwang am Sonntagnachmittag die tschechische Weltranglistenzwölfte Karolina Muchova nach einem hart umkämpften ersten Satz am Ende souverän mit 7:5, 6:1 – es war nach 2024 ihr zweiter Triumph in der Porsche Arena. Als Nachfolgerin der lettischen Vorjahressiegerin Jelena Ostapenko wurde die 26-jährige Rybakina mit einem Preisgeld von 161 310 Euro und einem Sportwagen des Titelsponsors belohnt.

Die Veranstalter indes zeigten sich zum Turnierabschluss rund um das Finale am Sonntag glücklich. Oder besser: sehr glücklich. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte die Sportliche Leiterin Anke Huber: „Es war über die gesamte Woche ein sehr hohes Niveau sportlich.“ So schlugen nach der kurzfristigen Absage der Weltranglistenersten Aryna Sabalenka noch immer sechs Top-Ten-Spielerinnen in Stuttgart auf – mit der späteren Turniersiegerin Rybakina als topgesetzter Akteurin an der Spitze.

Ausverkaufte Halle an vier Tagen

Hoch waren auch die Zuschauerzahlen in der abgelaufenen Woche. Insgesamt strömten 34 000 Zuschauer in die Porsche Arena und damit 1000 mehr als im Vorjahr. Vor zwei Jahren waren es noch 31 000 Zuschauer gewesen. Von Donnerstag bis Sonntag war die Arena im Neckarpark mit 4400 Zuschauern nun jeweils ausverkauft, bereits am Mittwoch kamen 4200 Tennisfans in die Halle. Einen kleinen Wermutstropfen aber gab es – der aber angesichts der Klasse des Feldes und der aktuellen Talsohle des deutschen Frauentennis kaum verwunderte: Von anfangs fünf Deutschen im Hauptfeld erreichte anno 2026 keine das Viertelfinale.

„Da fehlt vielleicht ein bisschen die Klasse bei diesem stark besetzten Turnier“, sagt Anke Huber dazu: „Man sollte das deutsche Frauentennis aber jetzt nicht ganz schlecht reden.“

Es habe, so die frühere Weltranglistenvierte, auch früher immer mal Lücken gegeben nach einer sehr guten Zeit. „Und wir haben mit Eva Lys, Ella Seidel, Laura Siegemund und Tatjana Maria allgemein vier Damen, die im Hauptfeld bei den Grand Slams stehen. Und die Jungen brauchen jetzt eben noch zwei bis drei Jahre.“ Fakt ist: Auch in den nächsten Jahren werden die Deutschen als Außenseiterinnen ins Heimturnier von Stuttgart gehen – wo die Organisatoren mit dem übergeordneten Blick in die Zukunft mit neuen, speziellen Herausforderungen zu kämpfen haben.

Der Tennis Grand Prix ist ein Turnier der sogenannten 500er-Kategorie auf der Frauentour. Davon gibt es neuerdings fast 20, bis vor Kurzem waren es acht. Obendrein gibt es wie beim Turnier von Madrid bei einigen Events eine zeitliche Aufstockung von einer Turnierwoche auf zwei. Bedeutet: die Konkurrenz für den Standort Stuttgart wächst stetig – weil die Spielerinnen künftig schlicht mehr Möglichkeiten haben, 500er-Turniere zu spielen.

Hintergrund dieser Entwicklung ist der internationale TV-Markt der Tennistour, in dem die Strategen am liebsten in jeder Woche ein Top-Produkt und damit ein Turnier auf Top-Niveau präsentieren wollen.

Genau das wollen die Stuttgarter Veranstalter im Kampf gegen die neue Konkurrenz wie etwa das österreichische Linz auch in Zukunft bieten – und dabei vom jahrelangen hervorragenden Ruf bei den internationalen Topstars profitieren. „Wir werden immer fünf oder sechs Top-Ten-Spielerinnen hier in Stuttgart haben“, verspricht Turnierdirektor Markus Günthardt: „Ob es dann auch mal wieder acht oder neun werden, das weiß ich nicht.“ Die Diskussion, ob man das Top-Level halten könne, werde auch intern seit Jahren geführt, sagt Günthardt weiter: „Wir schaffen es aber immer wieder – mit dem Produkt, das wir für die Spielerinnen anbieten.“

Der berühmte Stuttgarter Wohlfühlfaktor, eine hohe Hallenauslastung mit begeisterungsfähigen Zuschauern, das Siegerfahrzeug des Namenssponsors und, klar, die Gewissheit, sich unabhängig vom Wetter unter dem Hallendach bei einem der ersten Sandplatzturniere der Saison für die French Open einspielen zu können, zählen dazu.

Eine gewisse Erleichterung herrscht bei den Organisatoren zum Abschluss des Turniers 2026 noch mit dem Blick auf eine komplexe Thematik: den möglichen Neu- oder Umbau der Schleyerhalle, die beim Turnier im Neckarpark ein entscheidender Baustein ist – unter anderem mit einem weiteren Platz, auf dem Spiele stattfinden, einem Trainingscourt und einer großen Verkaufsfläche für die Sponsoren.

Aktuell herrscht mit dem Blick auf mögliche neue Zukunftspläne mit der Schleyerhalle aber eher Stillstand. Was Markus Günthardt mit Blick auf die nächsten Jahre, nun ja, gewiss nicht verärgert: „Für uns als Turnier ist das sicher nicht schlecht. Wir brauchen die Fläche mit der Schleyerhalle, die wir haben. Die Kombination als Hallenduo ist für uns Weltklasse – ich glaube die Gefahr ist relativ klein, dass da in den nächsten Jahren etwas passiert.“

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