Michael Leiters ist seit Jahresbeginn Porsche-Chef und will das Unternehmen effizienter machen. Foto: IMAGO / Schöning / Marijan Murat/dpa
Bei keinen anderem großen Autohersteller bekamen die Mitarbeiter so hohe Sonderzahlungen wie bei Porsche. In guten Zeiten saßen sie alle in einem Boot. Nun leiden sie gemeinsam.
Langjährigen Porsche-Mitarbeitern klingen diese Zahlen bis heute in den Ohren: 8911 etwa. Oder 9111. Die „911“ spielt bei Porsche nicht nur in der Börsenkennung der Aktie (PAG911) und bei geschäftlichen Handynummern eine Rolle, sondern auch bei der Höhe des Bonus. Dieser lag meist – außer in diesem Jahr – bei einem Vielfachen dieser symbolträchtigen Zahl.
Jahrelang eilten nicht nur die Gewinne von Rekord zu Rekord, sondern auch die Beteiligungen der Beschäftigten am Ergebnis des Sportwagenherstellers, der lange zu den profitabelsten Autobauern der Welt zählte.
Ibrahim Aslan ist seit mehreren Monaten Porsche-Betriebsratschef und will die Arbeitsplätze absichern. Foto: Marijan Murat/dpa
Im Jahr 2015 etwa stieg der Gewinn um ein Viertel auf 3,4 Milliarden Euro. Für die Beschäftigten bedeutete das einen Bonus von 8211 Euro plus 700 Euro für die Altersvorsorge – zusammen 8911 Euro. Im Jahr darauf erhöhte sich der Bonus um 200 Euro auf 9111 Euro.
„Einen Bonus auszuhandeln ist nie einfach“, sagte der damalige Betriebsratschef Uwe Hück. „Dieses Mal war es aber besonders schwierig.“ Niemand in der großen VW-Familie habe auch nur annähernd einen so hohen Bonus wie die Porsche-Belegschaft. Es gelte, solidarisch zu sein. Dennoch wurde im Jahr darauf ein neuer Rekordbonus von 9700 Euro erreicht, der 2019 erneut gezahlt wurde.
Nach der Pandemie ging es schnell wieder aufwärts
Unter der Corona-Pandemie litten die Geschäfte auch bei Porsche – die Prämie für 2020 sank auf 7850 Euro. In den drei Folgejahren näherte sie sich schrittweise wieder dem Rekordniveau und verfehlte es 2023 mit 9690 Euro nur knapp. Danach ging es deutlich bergab: Für 2024 wurden nur noch 5250 Euro gezahlt. Für 2025 hat der Vorstand entschieden, gar keinen Bonus auszuschütten.
Der Betriebsrat kritisierte dies und erklärte, die Entscheidung sei „bereits letztes Jahr vom Vorstand einseitig getroffen worden“. Das ist offenbar möglich: Zwar wurden die Bonuszahlungen bislang stets zwischen Vorstand und Betriebsrat vereinbart, formal liegen sie jedoch im Ermessen des Vorstands. Dieser spricht seit jeher von „freiwilligen Sonderzahlungen“ – und zeigte sich in der Vergangenheit bei Renditen von bis zu 18 Prozent deutlich großzügiger als andere Hersteller.
Porsche zahlte mehr als Mercedes
Porsche zahlte über Jahre hinweg deutlich höhere Prämien als Mercedes. Während Porsche bis zu 9700 Euro ausschüttete, lag der Rekord bei Mercedes bei 7300 Euro. Beide Rekorde wurden jeweils in zwei aufeinanderfolgenden Jahren erreicht – bei Porsche 2018 und 2019, bei Mercedes 2022 und 2023.
Für 2024 sank die Prämie bei beiden Herstellern deutlich auf ein ähnliches Niveau: Porsche zahlte 5250 Euro und damit nur noch 30 Euro mehr als Mercedes. Für das Jahr 2025 haben sich die Verhältnisse nun gedreht: Mercedes zahlt 3139 Euro plus eine Jubiläumsaktie zum 140-jährigen Bestehen. Bei Porsche hingegen soll es gar nichts geben – eine Entscheidung, über die mit dem Betriebsrat keine Einigkeit erzielt wurde. Während die Rendite bei Mercedes im Pkw-Geschäft um 45 Prozent sank, fiel sie bei Porsche um 98 Prozent. Die Rendite von 0,3 Prozent entspricht gerade noch einer schwarzen Null.
Auch im Vergleich zur Kernmarke Volkswagen lag Porsche lange vorn. VW-Mitarbeiter erhalten nun entgegen ursprünglicher Planungen doch einen Bonus von 1250 Euro – ermöglicht durch einen überraschend hohen Finanzmittelzufluss, der auch beim VW-Vorstand die Kassen klingeln ließ.
Bei Porsche büßen auch Vorstand und Management
Bei Porsche trifft die Krise nicht nur die Belegschaft. Auch Vorstand und Management müssen Einbußen hinnehmen: Für 2025 gibt es keinen Bonus, zudem wurde die Grundvergütung bereits zum zweiten Mal in Folge nicht erhöht.