Kinky im Proton Sexpositive Party trifft Motto Party trifft immersive Show
Samstagabend verwandelt sich das Proton bei der Sanctuary-Party in einen postapokalyptischen Zufluchtsort für alle, die sich gerne verkleiden und entkleiden. [Plus-Archiv]
Samstagabend verwandelt sich das Proton bei der Sanctuary-Party in einen postapokalyptischen Zufluchtsort für alle, die sich gerne verkleiden und entkleiden. [Plus-Archiv]
Wenn es in Stuttgart ein Nischeninteresse gibt, kann man drauf gehen, dass sich Elmar Jäger kopfüber rein stürzt und dazu eine Veranstaltung aus dem Ärmel schüttelt. Ob Mini-Kneipenburlesque-Show in der Uhu Bar, Metal Karaoke im Schwarzen Keiler oder die Mitgründung von Sentinel Sound und dazugehöriger Partys, lange bevor sich der Mainstream-Kessel zu Sean Pauls „Get Busy“ mit Dancehall warmgetanzt hatte. Und dann spielt der Mann auch noch MTG (Magic the Gathering, ein Fantasy-Sammelkartenspiel) und macht LARP (Live Action Role-Playing, ein interaktives Spielkonzept, bei dem Teilnehmer:innen einen selbst gewählten fiktiven Charakter darstellen, inklusive Verkleidung und Wesenszügen). „Irgendwie faszinieren mich meistens die Dinge abseits der Massenkultur“, gibt Elmar selbst schmunzelnd zu.
Gewisse Parallelen zu Teilen der oben genannten Szenen und (Freizeit-) Beschäftigungen lassen sich auch bei der kommenden Sanctuary-Party ausmachen, die Elmar vor den Heiligen Drei Königen am 5. Januar im Proton Club veranstaltet. Es ist etwa obligatorisch sich zu verkleiden, gerne so freizügig und/oder erotisch, wie man möchte, und obendrauf gibt es an mehreren Stellen im Club immersive Showattraktionen. Wie passt das alles zusammen? Vieles erklärt sich durch das fiktive Setting, das der Veranstalter kreiert hat und in das man sich den Abend lang begibt. Der Club verwandelt sich für die Party in ein „Sanctuary“ (englisch für Zufluchtsort/Unterschlupf) in einer postapokalyptischen, postnormativen Welt. Hier kann jeder Gast sich als die Person, der Charakter verkleiden, die er oder sie in einer solchen Welt gerne wäre und sich – dem Grundkonzept des postapokalyptischen Hedonismus folgend – frei austoben, auch sexuell. Denn passend zum utopischen Setting ist die Motto-Party zugleich auch eine sexpositive Party. Mad Max trifft Kinky Galore.
Im oberen Stock gibt es ein Separée für diejenigen, die in Ruhe zur Sache gehen wollen; ein Awareness Team, Sicherheitspersonal und eine No-Foto-Policy sollen dafür sorgen, dass sich bei aller Freiheit jede und jeder wohlfühlt und Grenzen sowie Privatsphäre respektiert werden.
Und um die Immersion, das Eintauchen in diese fiktive Welt in einer Zukunft nach der Apokalypse, zu erleichtern, gibt es die ganze Nacht lang nicht nur Techno von diversen DJs zu hören, sondern auch haufenweise erotische Performances von Pole Dance über Neo-Burlesque-Shows bis hin zu Shibari-Live-Acts sowie Walking Acts. Die sorgen mit Einlagen und aufwendigen Kostümen im postapokalyptischen Stil dafür, dass man sich tatsächlich wie in einem Industrial Club in Gastown, Unterstadt, Night City, Midgar und wie sie alle heißen, fühlt.
Wie genau man das Motto in seiner Kostümierung umsetzt, ob eher Richtung Industrial-Desert-Look à la Mad Max, als Fetisch-Cyborg oder als Neo-Wikinger, im Neon-Cyberpunk-Style oder ganz anders, ist einem selbst überlassen. Und auch, wie viel Haut man konkret zeigt. „Hauptsache, man kommt dem Motto entsprechend angezogen“, sagt Elmar. „Die individuelle Interpretation bleibt einem aber selbst überlassen.“ Nur in der Alltagsklamotte oder in halb garer Verkleidung der Sorte „funky Hut aufgesetzt und fertig ist das Ding“ kommt man nicht rein. Das unterscheidet die „Sanctuary“ von den meisten gängigen sex-positiven Partys, die in der Regel einen strikten kinky Dresscode vorgeben.
Sanctuary – Diversity in Unity, Proton Club, Königstr. 49, Stuttgart-Mitte, 5.1.25 ab 22 Uhr, Tickets >>>