Preis für Duc-Thi Bui und Laima Adelaide „Kann nicht sein, dass ihr beide aus Stuttgart kommt!“

Duc-Thi Bui und Laima Adelaide sind für ihr Musikvideo ausgezeichnet worden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Duc-Thi Bui und Laima Adelaide haben den Musikvideopreis der Oberhausener Kurzfilmtage gewonnen. Die beiden Künstler werden so zu bundesweit sichtbaren Vertretern der Stuttgarter Popszene. Am 22.7. sind sie bei der About Pop zu erleben.

Digital Desk: Jan Georg Plavec (jgp)

Dass die Stuttgarter Popszene mittlerweile mehr Beachtung findet als noch vor einigen Jahren, hat auch mit Duc-Thi Bui und Laima Adelaide zu tun. Er ist Filmemacher, sie Musikerin und Labelbetreiberin. Gemeinsam ist beiden Künstlern, dass sie über ihr Tun gerne sprechen, aber sehr zurückhaltend. Großspuriges Auftreten ist nicht ihr Ding. Entsprechend verwundert auch das Musikvideo nicht, für das sie jüngst den renommierten Muvi-Award der Kurzfilmtage Oberhausen gewonnen haben.

 

Zum Minimal-Techno-Track namens „Gravity“ wird ein Drehbuch eingeblendet. Das Video besteht aus schwarzem Text auf weißem Grund, der im treibenden Takt der Synthesizermusik eine wundersame Geschichte zur Schwerkraft erzählt. „Statt eine Bildlandschaft für das Publikum vorzugeben, glaubt der Regisseur an uns, das Publikum, als Schöpfer unserer eigenen Bilder. So schafft Duc-Thi Bui ein ganz eigenes Kino“, heißt es in der Begründung der Jury.

Laima Adelaide - Gravity (Music Video) from Laima Priedite on Vimeo.

Das Video wurde fast ohne Budget produziert und stach unter anderem einen Clip der Band Deichkind aus. Im Publikumvoting landete es allerdings auf dem letzten Platz. Dafür haben die beiden Künstler Verständnis, es passt gewissermaßen in ihr Konzept. „Das Video kontrastiert fast alle aktuellen Trends im Musikvideobereich: Quer- statt Hochformat, sieben Minuten statt 15 Sekunden, Kinoleinwand statt Handybildschirm“, sagt Duc-Thi Bui. Man muss sich auf diesen Clip einlassen und tut das am besten mit einem großen Bildschirm und angemessener Soundanlage. Dann öffnet das in Filmform gebrachte Drehbuch tatsächlich Bildwelten im eigenen Kopf.

Mit Fehlfarben und lokalen Künstlern

Der 44-Jährige schreibt beruflich Drehbücher, produziert aus Leidenschaft aber auch Musikvideos – zuletzt etwa für Fehlfarben („Der letzte Traum“), Sally Grayson („God Forbid“) oder in einem aufwendigen Remixprojekt für die Band Kaufmann Frust gemeinsam mit Gästen wie Algiers oder dem Produzenten Ralv Milberg. Laima Priedite studierte an der Stuttgarter Musikhochschule klassische Komposition, produziert alias Laima Adelaide hypnotische Deep-Techno-Tracks und veröffentlicht diese Musik auf ihrem Label Predawn Records.

Duc-Thi Bui sprach die 28-Jährige an, als sie vom Popbüro als Stipendiatin gefördert wurde. „Meine Drehbücher liest ja sonst niemand außer dem Regisseur und den Schauspielern. Ich wollte schon länger mal ein Musikvideo damit machen. ‚Gravity‘ ist der perfekte Track dafür“, sagt er. Gemeinsam besprachen sie die Story und wie sich der Text im Beat aufbaut. Buis Atelierpartner Marc Engenhart setzte das Ganze dann um.

Erstaunte Nachfragen

Laima Adelaide trägt ihre Musik bei diversen Festivals und Clubnächten raus in die Welt. Nun führt der Muvi-Award zu weiterer Sichtbarkeit – und erstaunten Nachfragen. „Kann nicht sein, dass ihr beide aus Stuttgart kommt“: Den Satz hätten sie mehrfach gehört, berichten die beiden. Deep Techno und preiswürdige Musikvideos: Ja, das gibt es beides in Stuttgart. „Um das Potenzial dieser Stadt zu heben, hilft es, wenn Künstler sich zusammentun“, ist Duc-Thi Bui überzeugt. Das Ergebnis stellt in diesem Fall ganz grundsätzliche Fragen: Was ist ein Musikvideo, was soll es leisten? Wie übersetzt sich Musik in Bilder, und welche Rolle spielt der Betrachter? „Gravity“ findet darauf radikale Antworten mit minimalen Mitteln. Es ist die künstlerische Freiheit derer, die nicht an Aufträge gebunden sind. „Es ist ein Privileg, Videos nur zu machen, wenn Idee und Song perfekt zusammenpassen“, so die Musiker: kleines Budget, große Freiheit.

Ähnlich sind auch die Programmpunkte der beiden Künstler bei der About Pop am 22. Juli im Wizemann. Duc-Thi Bui und Marc Engenhart sind dort mit ihrem „Playtime“-Format zu Gast. Da wird typischerweise gemeinsam eine Schallplatte von vorn bis hinten gehört. Weil die Convention im Wizemann aber eher die Zukunft der Popmusik thematisiert, geht es um den Wert von Plattensammlungen – und deren digitale Abbilder etwa auf der Streamingplattform Bandcamp. Laima Adelaide wird eine eigens für die About Pop konzipierte Show uraufführen, samt aufwendiger Lichtshow und Liveperformance.

About Pop. 22. Juli, Wizemann Areal, Programm unter www.aboutpop.de

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