Zum ersten Mal verlegt Gunter Demnig in Stuttgart eine Stolperschwelle für die Opfer der NS-Militärjustiz. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Zum ersten Mal verlegt der Künstler Gunter Demnig in Stuttgart eine Stolperschwelle auf dem Gebiet des Dornhaldenfriedhofs. Sie erinnert an 21 Menschen, die dort hingerichtet wurden.
Das Gelände des Dornhaldenfriedhofs war von 1869 bis 1968 ein Schießplatz. Alte Heslacher, so berichtet Werner Schmidt von der Stolperstein-Initiative, erinnern das Gelände als „No-go-Area“, weil man von dort oft Schüsse hörte. Zum Friedhof wurde es 1974.
21 Hinrichtungen auf dem heutigen Friedhofsgelände
In den Jahren 1941 bis 1945 fungierte das Areal, das zu Degerloch gehört, als Hinrichtungsort. Hier ließ die NS-Justiz Menschen nach militärgerichtlichen Todesurteilen erschießen. „Es waren mindestens 21 Soldaten und Polizisten“, sagt Bertram Maurer von der Stolperstein-Initiative Degerloch. Diese Zahl steht auf der Schwelle. Seit Jahren forscht Maurer zum Thema. Insgesamt wurden auf den Stuttgarter Schießplätzen nach seinen bisherigen Erkenntnissen 32 Menschen erschossen.
Einer, der auf dem Dornhaldenfriedhof am 1. November 1944 hingerichtet wurde, war Ewald Huth. Der Chordirektor und Organist aus Villingen war ein Gegner des Nazi-Regimes. Immer wieder äußerte er sich nach damaliger Meinung abfällig über die NS-Herrschaft. Er wurde denunziert und verhaftet. Von seinen Mitgefangenen ist überliefert, dass sie den damals schon 64-jährigen „Papa Huth“ als Respektsperson bewunderten. Er habe nichts verbrochen. Er habe einfach seine Meinung gesagt.
So wie Gustav Stange aus Stammheim, Schumacher in Heslach, den Eid auf Hitler nicht schwören wollte, weil er das als Zeuge Jehova nicht mit seinem Glauben vereinbaren konnte. Die Anklage vor einem Militärgericht lautete auf Wehrkraftzersetzung. Stange starb am 20. Februar 1942 auf dem Schießplatz Dornhalde. Am 10. August 1942 wurde Josef Martus dort hingerichtet. Das Vergehen des verheirateten Hauptwachmeisters der Schutzpolizei: Er hatte sich in einen Mann verliebt.
Blumen der Schüler für die Ermordeten. Foto: Hilke Lorenz/StZN
Inzwischen hat auch das ausgehobene Loch die richtige Tiefe. Ein paar Besucher der Gedenkrunde sind kurzerhand mit Eimern zum in der Nähe liegenden Betriebshof des Friedhofs gelaufen und haben dort Füllmaterial zum Aufschütten geholt. Gunter Demnig kann mit seinem Assistenten Frank-Matthias Mann das Loch vermessen und mit Wasserwaage, Zollstock und Zement die Stolperschwelle in die richtige Position bringen. Darauf steht „1941 - 1944, Maschinengewehrschießstand, Militärischer Schießplatz Dornhalde, mindestens 21 Soldaten und Polizisten werden nach militärgerichtlichen Todesurteilen hier erschossen“.
Bertram Maurer wird weiterforschen. Und die Schüler legen ihre Nelken ab. Einer von ihnen wischt den Dreck, der auf der Schwelle liegt, ab. Die Arbeiter der Tiefbaufirma machen den Rest. Gunter Demnig ist inzwischen längst weitergezogen.