Prinz William wird 40 Es warten Herausforderungen ganz besonderer Art
Diesen Dienstag feiert Prinz William seinen 40. Geburtstag. Als Anwärter auf den britischen Thron kommen auf ihn ganz andere Herausforderungen zu als auf seine Vorgänger.
Diesen Dienstag feiert Prinz William seinen 40. Geburtstag. Als Anwärter auf den britischen Thron kommen auf ihn ganz andere Herausforderungen zu als auf seine Vorgänger.
Ganz schön beängstigend“ finde er es, 40 zu werden, soll Prinz William Freunden jüngst anvertraut haben. Kein Wunder: Der Enkel der britischen Königin, der nach Vater Charles selbst einmal die Krone tragen soll, sieht sich vor Herausforderungen ganz besonderer Art. „Wills“, der jetzt am 21. Juni seinen 40. Geburtstag feiert, spielt keine untergeordnete Rolle mehr bei den Royals, sondern ist dieses Jahr in eine zentrale Position manövriert werden. An der Seite von Prinz Charles hat er begonnen, die Lücke zu füllen, die die immer häufig werdende Abwesenheit seiner Großmutter auf der großen Bühne geschaffen hat.
Erstmals hat man ihn dieses Jahr bei der Queen’s Speech, die die Queen nicht halten konnte, neben Charles im Palast von Westminster, im Thronsaal des britischen Parlaments, sitzen sehen. Auch beim Dankgottesdienst des Platinum-Jubiläums zu Beginn dieses Monats nahm er, zusammen mit seiner Frau Kate, an vorderster Front die Partnerrolle zu Charles und Camilla ein. Beide Male zeigten sich Beobachter beeindruckt vom Ernst und von der Selbstsicherheit, die der Herzog von Cambridge bei diesen Auftritten an den Tag legte. Sein leidenschaftliches Plädoyer für persönlichen Einsatz gegen Klimawandel während des Jubiläums-Konzerts vorm Buckingham-Palast, der „Party at the Palace“, fand viel positive Resonanz.
Einige Kommentatoren warfen zwar die Frage auf, wie zurückhaltend ein künftiger Monarch bei Themen dieser Art sein müsse. Aber in der Sache selbst stieß William bei Royalisten wie bei Republikanern gleichermaßen auf Applaus. Zum größeren Profil verholfen hat William natürlich, dass sein Vater, der Prinz von Wales, der in zunehmendem Maße Elizabeth II. vertritt, auf eine „verschlankte“ Monarchie hinarbeitet – wie man sie dieses Jahr schon auf dem Buckingham-Balkon erlebt hat. Als nützlich hat sich in dieser Hinsicht erwiesen, dass Onkel Andrew, als schwarzes Schaf der Familie, sich selbst disqualifiziert hat von weiteren Auftritten „im Dienste der Krone“. Und natürlich, dass Bruder Harry mit seiner Frau Meghan nach Amerika abgezogen ist.
Der Zwist mit Harry, der seit über zwei Jahren einen beträchtlichen Schatten wirft auf die Windsors, hat sich, allen Hoffnungen heimischer Monarchisten zum Trotz, bisher nicht beilegen lassen. Dass Harry und Meghan vor einem TV-Millionenpublikum gegen Kate und William mächtig ausholten, haben die „Cambridges“ den „Sussexen“ nicht vergeben. Das wirkt noch immer nach. „Zornig wie noch nie“ hätten sie William erlebt, nach dem „Angriff“ auf seine Frau, berichteten hernach Mitarbeiter des Herzogs und der Herzogin von Cambridge.
Tatsächlich hat die dramatische Abkoppelung Harrys, des vormals populärsten Windsors, von der ungeliebten Verwandtschaft in London dem älteren Bruder und dessen Frau an der „Heimatfront“ deutlich mehr Spielraum verschafft. Das Bühnenlicht haben William und Kate nun weitgehend für sich. Und sie haben es, gerade zu Covid-Zeiten, aber auch seit der Aufhebung der Restriktionen, klug zu nutzen gewusst.
Unentwegt nämlich hat man William oder Kate in den Medien zu sehen bekommen. Sie haben, durch Besuche vor Ort, Krankenschwestern und Pflegern während der Pandemie mehrfach Respekt gezollt. Sie haben sich eingesetzt für psychisch Kranke, für mittellose Landsleute, für Flüchtlinge, für Obdachlose. Zuletzt hat man, vor wenigen Tagen Prinz William im entsprechenden roten Outfit in Westminster die Obdachlosen-Zeitschrift „The Big Issue“ verteilen sehen. William hat auch Rassismus im Fußball angeprangert, schwulen Sportlern dazu gratuliert, dass sie sich „geoutet“ hatten, und „Raumfahrt-Milliardäre“ für ihre Vergnügungstouren ins All kritisiert.
Das hat natürlich gelegentlich spöttische Kommentare ausgelöst – dass ein Prinz sich hier für eine bessere und fairere Gesellschaft einsetzt, während er zugleich ein Erbprinzip verkörpert, das ihm Reichtum und Einfluss garantiert. Unangefochten von solcher Kritik, spielen William und Kate aber dieser Tage äußerst erfolgreich beide Rollen – die der leidenschaftlichen Streiter für die Schwächsten in der Gesellschaft, und die der beflissenen Gastgeber bei den „Garden Parties“ im Garten des Buckingham-Palastes, mit belanglosem Geplauder und dem Champagnerglas in der Hand. Immerhin: Den Ruf, ein „arbeitsscheuer“ und „nutzloser“ Zeitgenosse zu sein, der ihm einmal anhaftete, hat Prinz William endgültig abstreifen können.
Inzwischen glauben die meisten Monarchisten (und die königstreue Presse), dass William, zusammen mit Frau und Kindern, im Gegenteil die beste Garantie für den Weiterbestand des Königshauses bietet. „Die Cambridges“, hat es etwa die Observer-Kolumnistin Barbara Ellen beschrieben, „haben sich von einem farblosen und relativ steifen Paar, das vorzeitig die mittleren Jahre erreicht hatte, in eine wahre Leuchte königlicher Schicklichkeit und bürgerlichen Anstands verwandelt“. Nicht zuletzt George (8), Charlotte (7) und der lustige Louis (4) tragen zu dieser neuen Farbe ihren Teil bei. Ihnen allen steht nun jedenfalls erst einmal ein Umzug vor. Denn die Familie zieht diesen Sommer aus Kensington Palace, ihrem bisherigen „festen“ Wohnsitz, aus. William und Kate beziehen ein separates Anwesen auf dem weitläufigen Windsor-Gelände, von wo sie irgendwann ins „big house“, ins Schloss Windsor selbst, umziehen wollen, wie man hört. Denn Prinz Charles hat wenig Interesse an Windsor. Er wird seine späten Jahren wohl, nachdem er so lange darauf gewartet hat, im Buckingham-Palast zubringen wollen, und möglichst viel an „Freizeit“ in Highgrove House in Gloucestershire.
Unterdessen bereitet sich William weiter auf eine Rolle vor, von der er weiß, dass sie anders wird aussehen müssen als die Rolle, die bisherige Monarchen gespielt haben. Schon nach seinem und Kates unglücklichem jüngstem Trip in die Karibik wusste er sehr schnell zu sagen, dass es nicht sein „Ehrgeiz“ sei, dem Commonwealth zu präsidieren, wenn das die Mitgliedsstaaten nicht wollten. Sein Wunsch sei es einfach, dem Staatenbund „dienstbar“ zu sein. Schon vor ein paar Jahren hatte der Prinz erklärt, er liege „wahrhaftig nicht wach“ beim Warten darauf, eines Tages König zu werden. Aber er denke viel darüber nach, „wie ich die königliche Familie in den nächsten 20 Jahren relevant machen könnte“. Das sei „die wirkliche Herausforderung für mich“, sagte er.