Pro und Kontra Einladung zur Hochzeitsfeier ohne Kinder – egoistisch oder voll verständlich?
Manche Paare laden Kinder explizit von ihrer Hochzeit aus. Unsere Redakteurinnen haben unterschiedliche Meinungen dazu. Ein Pro und Kontra.
Manche Paare laden Kinder explizit von ihrer Hochzeit aus. Unsere Redakteurinnen haben unterschiedliche Meinungen dazu. Ein Pro und Kontra.
Den angeblich schönsten Tag im Leben stellen sich manche Paare ohne Kinder vor; und bitten deshalb ihre Gäste darum, den Nachwuchs daheim zu lassen.
Während manche das egoistisch und kinderfeindlich finden, können andere die Argumente dafür nachvollziehen. Ein Pro und Kontra:
Als ich seinerzeit noch zu Hochzeiten eingeladen wurde, feierten manche Freunde kinderfrei. Die Argumente: Die kleinen Mitesser – die schnell in die Dutzenden gehen konnten – kosteten zusätzlich Platz und Essen, also viel Geld. Und: Wenn alle um 22 Uhr mit den müden Kleinen nach Hause gehen, kommt keine fetzige Party zustande. Als sparige Schwäbin kann ich das Geldargument natürlich gut verstehen. Als Mutter das mit der fetzigen Party auch. Es tanzt sich ekstatischer ohne Quengelquengel am Rockzipfel. Und das tut richtig gut.
Wer nur unter Erwachsenen feschten will, wird aber gleich als Feind der Pimpfe abgetan. Typisch Kinderhasserland Deutschland und so. Dabei sind Kinder heute fast überall willkommen. Mit Riesenkopfhörern auf Popkonzerten, mit Malsachen und Tablet im feinen Restaurant. In Gemeinderäten glucksen Säuglinge auf Pulten, während Teams-Calls glotzen Kleinkinder auf Elternschößen in die Kameras. Das ist einerseits eine gute Entwicklung, weil Eltern halt auch arbeiten müssen und ein Leben haben wollen. Andererseits ist die Frage, ob Konzerte, Sitzungssäle und Sternelokale wirklich das natürliche Habitat der Kleinen sind. Und ob es bei der eingeforderten Kinderfreundlichkeit nicht allzu oft um Elternfreundlichkeit geht.
Aber zurück zu den Hochzeiten. Ja, es ist ein bisschen kaltherzig, wenn Kinder draußen bleiben müssen. Andererseits passt auch hier der Spruch: „Jeder nach seiner Façon.“ Der stammt zwar aus dem vollkommen kinderunfreundlichen 18. Jahrhundert (Prügelstrafe! Preußischer Drill!) und bezieht sich eigentlich auf die Religion. Aber da der Diskurs über den Nachwuchs mitunter religionskriegartige Züge hat, passt es wiederum ganz gut.
Eine Hochzeit sei der „schönste Tag im ganzen Leben“, sagen Bekannte von mir. Da sollen sich die Gäste bitteschön mal für einen Tag zurücknehmen, ausschließlich Augen fürs Brautpaar haben, gebannt den Reden zuhören. Und sie sollen feiern bis 5 Uhr morgens. Da stören Kinder, denn die sind in der Regel weder still noch geduldig. Und sie werden irgendwann müde. Also müssen sie gefälligst irgendwo verstaut werden. So der Wunsch.
Speziell bei Hochzeiten und Junggesellinnenabschieden, die im Ausland stattfinden (und von denen gibt es in meinem Umfeld immer mehr), frage ich mich: Wie sehr soll ich mich eigentlich noch zurücknehmen? Ich zahle Hunderte Euro für Hin- und Rückreise, Hotel, Geschenke, nehme mir Urlaub, mache bei Aktivitäten mit, die ich innerlich ablehne. Und nun soll ich für diese Events auch noch irgendwie eine Betreuung für mein Kleinkind organisieren – obwohl ich selbst gar nicht ohne Kind auf diese Hochzeit gehen will, geschweige denn verreisen.
Hat man noch ein Baby, ist man als Frau sowie als Alleinerziehende bei kinderfreien Hochzeiten sowieso fast immer die Verliererin, also die Person, die nicht dabei sein kann. Und auch wenn das Kind nicht (mehr) gestillt wird und sich von anderen Menschen ins Bett bringen lässt, hat beileibe nicht jeder ein solches Umfeld, zu dem er seinen Nachwuchs für einen ganzen Tag und Nacht bringen kann; bei Hochzeiten im Ausland sogar für mehrere Tage.
Liebe Hochzeitspaare, lasst mich bitte selbst entscheiden, ob ich mein Kind mitbringe. Mir ist durchaus bewusst, dass ich ausgelassener feiern kann ohne Kind. Das muss mir niemand vorgeben. Aber schließt niemanden von Anfang an aus. Man kann auch tanzen mit Babyfon in der einen und Drink in der anderen Hand. Und auf Fotos sieht es übrigens sehr süß aus, wenn Kinderhände Blumen streuen.