In Berlin sitzt der Deutschland-Vertrieb von Mercedes. Dort ist auch die noble Mercedes-Welt am Salzufer. Foto: Daimler AG/Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland
BMW kann wegen massiver Probleme viele Autos nicht liefern – jetzt will Mercedes enttäuschte Kunden abwerben. Das geht auch ohne die Scheinheiligkeit, mit der Mercedes sein Verhalten bemäntelt, meint Kommentator Klaus Köster.
Dicker können Krokodilstränen kaum sein: Gerade ist BMW wegen der Probleme mit mangelhaften Bremsen ins Straucheln geraten, da reibt sich die Vertriebsmannschaft von Mercedes die Hände – und kleidet ihre Vorfreude auf gute Geschäfte in wenig glaubwürdige Worte des vorgeschobenen Bedauerns. „Wir von Mercedes-Benz erfreuen uns nicht an Problemen unserer Wettbewerber“, heißt es in einem Schreiben aus der Vertriebsleitung an den Vertrieb.
So könnte ein BMW einmal von innen aussehen. Foto: dpa-tmn/BMW AG
Tatsächlich aber kommen diese Nachrichten den Strategen sehr gelegen, sonst würden sie kaum ihre Leute im gleichen Atemzug dazu aufrufen, gezielt frustrierte BMW-Fahrer abzuwerben. Die Krise der einen ist nun mal die Chance der anderen, das gehört zum Wettbewerb. Wer fordert, dass Mercedes in dieser Lage freiwillig auf Umsatz und Ertrag verzichtet, kann auch einen Hund auf die Wurst aufpassen lassen.
Am besten wäre, wenn Mercedes einfach dazu stünde, aus der Schwäche von BMW Kapital schlagen zu wollen. Es ist allerdings noch nicht lange her, da war Mercedes selbst schwer in Nöten, weil über lange Zeit die 48-Volt-Batterie – eine wichtige Komponente für nagelneue, extrem gefragte Modelle – nicht ausreichend verfügbar war. Von BMW waren damals keine scheinheiligen oder angriffslustigen Töne zu vernehmen. Das könnte sich künftig ändern. Denn nach dem Engpass ist vor dem Engpass – das gilt für beide Konzerne gleichermaßen.