Professioneller Mathe-Youtuber aus Stuttgart Von der Hauptschule zum Uni-Abschluss mit Bestnoten

Patrick Haghpanah möchte, dass mehr Menschen Spaß an der Mathematik finden. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Patrick Haghpanah hat in der vierten Klasse eine Vier in Mathe gehabt. Wie er seine Liebe zu Zahlen und Formeln doch noch gefunden hat und warum er heute professionelle Mathe-Youtuber ist.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Patrick Haghpanah hat es schwarz auf weiß. In seinem Zeugnis aus der vierten Klasse steht im Fach Mathematik „ausreichend“. „Ich war ein typischer Junge und habe lieber draußen gespielt, als in meinem Zimmer gerechnet“, sagt der 32-Jährige heute schulterzuckend.

 

Mit der Note Vier in Mathe schien sein weiterer Lebensweg vorgezeichnet. Patrick Haghpanah ging auf die Erich-Kästner-Hauptschule in Ostfildern-Nellingen, die Lehrer trauten ihm nicht viel zu. „Ein solches Schubladendenken stört mich bis heute, weil es in aller Regel die Motivation verbaut“, sagt er.

Bei ihm geschah aber das Gegenteil. In der siebten Klasse machte es klick, und er wollte es allen anderen, aber vor allem sich selbst beweisen. „Ich habe mich hingesetzt und gebüffelt.“ Es seien harte Jahre gewesen, weil ihm viele Grundlagen fehlten. Nach dem Hauptschulabschluss machte er auch seinen Werkrealschulabschluss und ging anschließend auf die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule, ein Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart-Ost. Das Abitur schaffte er „mit Ach und Krach“, wie er zugibt, Abschlussnote 3,3.

„Mit einem solchen Abischnitt konnte ich natürlich nicht viel anfangen“, räumt der junge Mann ein. Studienfächer mit einem Numerus clausus waren für ihn unerreichbar. Er musste nehmen, was sonst keiner machen wollte, und schrieb sich für Elektrotechnik an der Uni Stuttgart ein. „Da hatte ich zu kämpfen, ich habe geschwitzt“, erinnert er sich. Er habe überlebt, sei nicht wie viele andere durch die Prüfung gefallen. Aber Spaß habe es ihm nicht gemacht. Drei Semester hielt er durch. Dass er sein Studium abgebrochen hat, hat er bis heute nicht ganz verdaut. „Es war eine schwierige Entscheidung, aber Elektrotechnik hat einfach nicht zu mir gepasst.“

Seinen Master macht er mit 1,5

Patrick Haghpanah wechselte an die Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und studierte „International Information Systems Managements“ – eine Mischung aus Wirtschaft, Informatik, Englisch und ganz viel Mathematik. „Da lebte ich auf, ich schrieb nur noch Einser. Und ich verstand, wie wichtig Mathe ist, und dass die Mathematik alle Lebensbereiche betrifft“, sagt der junge Mann. Er gab selbst Tutorien. „Dabei habe ich meine Liebe zum Lehren entdeckt.“

Während seines Auslandssemesters in Schottland beschäftigte er sich ausschließlich mit Mathematik. Sein Bachelorstudium schloss er mit Bestnoten ab und sattelte anschließend an der Universität Hamburg am Institut für Informatik noch einen Master in IT Management and Consulting drauf. Abschlussnote: 1,5. Danach arbeitete er im Consulting-Bereich.

„Ich habe verstanden, dass man alles erreichen kann, aber man muss den Weg selbst gehen“, sagt er. Eine Zeit lang gab er Nachhilfe an einer Stuttgarter Realschule und merkte dabei, wie sehr ihm das liegt. Seine Erfahrung: „Lehrkräfte stehen unter Druck. Sie wollen und müssen den Lehrplan schaffen und machen dann oft lieber Unterricht mit den Einser- und Zweier-Schülern, statt auf die schwächeren Kinder einzugehen.“ Patrick Haghpanah ist überzeugt: „Jeder kann Mathematik!“ Er spielte mit dem Gedanken, ein Nachhilfeinstitut zu gründen. Aber um davon leben zu können, hätte er 40 Euro pro Stunde nehmen müssen.

Sein Youtube-Kanal hat mittlerweile mehr als 13 000 Abonnenten

Um die breite Masse zu erreichen – und um Geld zu verdienen –, ist er inzwischen professioneller Youtuber. Vor einem Jahr startete er mit seinem Kanal „Mathetipps“, inzwischen kann er davon leben, auch wenn es nicht sein einziger Job ist. „Ich konnte bemerkenswerte Erfolge erzielen: Mittlerweile habe ich 3,4 Millionen Aufrufe und 13 000 Abonnenten“, sagt Patrick Haghpanah.

Er ist Google-Partner. Um das zu erreichen, muss man mit seinen Videos bestimmte Beliebtheitskriterien erfüllen. Dann kann man mit seinem Kanal Geld verdienen. Das dauert normalerweise ein bis zwei Jahre, Patrick Haghpanah brauchte nur knapp vier Monate. Inzwischen stehen Youtube-Shorts im Vordergrund. Das sind kurze Videos von maximal 60 Sekunden, die bei der jungen Generation sehr beliebt sind.

Wer diese gut vermarkten will, sollte Teil der sogenannten Creator-Community werden. Dafür muss man sich bei Google bewerben, doch nur wenige werden genommen. Patrick Haghpanah ist einer von ihnen. Der Kanal des Stuttgarters richtet sich an alle Altersklassen und Leistungsniveaus von der Grundschule bis zur Uni. Er erreicht sogar Senioren, zum Beispiel mit seinem täglichen Mathe-Quiz. „Ich möchte, dass mehr Menschen Spaß an der Mathematik finden“, sagt Patrick Haghpanah. Er versuche, täglich neuen Mathe-Content zu produzieren. Das sei aufwendig. Als professioneller Youtuber gehe es bei Weitem nicht nur darum, kleine Filmchen zu drehen und ins Netz zu stellen. Es gelte auch, rechtliche Dinge zu beachten, wie zum Beispiel das Urheberrecht, und sich Wissen darüber anzueignen, wie man seine Videos gut im Internet verkauft. Viel Zeit koste auch die Moderation der Kommentare. Immer wieder würden sich dort Beleidigungen finden. Patrick Haghpanah kann das bei einem Thema wie Mathematik nicht verstehen.

Als professioneller Youtuber geht es bei Weitem nicht nur darum, kleine Filmchen zu drehen und ins Netz zu stellen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Andere Mathe-Youtuber sieht er als Kollegen

Er bekommt aber auch oft positive Rückmeldungen. Zum Beispiel, dass er gut erklären könne. „Ich komme aus der Hauptschule, ich kenne den Leidensweg, den viele hinter und andere noch vor sich haben“, sagt Patrick Haghpanah. Der junge Stuttgarter ist ambitioniert. „Mein Ziel ist es, langfristig groß zu werden“, sagt er und nennt die Mathematik-Youtuber Lehrer Schmidt, Daniel Jung und Susanne von Mathema-Trick als Vorbilder. Für ihn seien diese Youtuber keine Konkurrenz, sondern Kolleginnen und Kollegen.

Aber ist es wirklich der richtige Ansatz, Kindern Mathe via Youtube beizubringen? „Wir müssen dahin, wo die Kinder sind“, antwortet er. Die jungen Leute seien ohnehin im Internet unterwegs. „Sie dürfen dort nicht nur schlechte Inhalte finden.“ Oftmals seien es eher die Eltern, die auf seinen Youtube-Kanal aufmerksam werden und diesen dann auf dem Handy oder dem Tablet des Kindes installieren. Youtube allein reiche aber sicher nicht aus, um Mathematik zu verstehen. „Ich bin auch ein großer Fan von Büchern. Wir brauchen beides“, sagt er.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart Mathematik Youtube