Profi des VfB Stuttgart „Nötigt mir Respekt ab“ – warum sich alle beim VfB für Nikolas Nartey freuen

Endlich das erste Bundesligator: Nikolas Nartey bejubelt seinen Treffer zum 3:2 gegen Eintracht Frankfurt. Foto: Baumann/Julia Rahn

Mit seinem Treffer zum 3:2 gegen Eintracht Frankfurt krönt Nikolas Nartey seine Comeback-Geschichte – und gibt damit auch seinem Trainer Recht.

Sport: Dirk Preiß (dip)

Ermedin Demirovic durfte nach dem 3:2 des VfB Stuttgart gegen Frankfurt eine Geschichte erzählen, die durchaus beeindruckend war. Mehrere Monate fehlte der Angreifer der Stuttgarter verletzt, nun ist er wieder fit – und traf gleich bei seinem ersten Startelfeinsatz. Von ganz vielen Emotionen berichtete er danach. Aber: Er erzählte auch noch eine andere Geschichte.

 

Es ist im Grunde die gleiche wie seine eigene – aber in einer ganz anderen Ausprägung. Es ist die Geschichte von Nikolas Nartey. Der Däne gehört zu den dienstältesten Spielern im VfB-Kader, er wurde 2019 vom 1. FC Köln an den Neckar geholt. Zweimal war der damals noch sehr junge Profi ausgeliehen – zu Hansa Rostock und an den SV Sandhausen. Danach war Nartey aber vor allem eines: verletzt.

Innenbandriss, Oberschenkelverletzung, Knie-OP, Bänderverletzung, Knorpelschaden, Muskelfaserriss, Adduktorenbeschwerden, Bauchmuskelverletzung, wieder was am Oberschenkel, Coronavirus – es ist fast ein Wunder, dass der heute 25-Jährige nun wieder auf dem Platz steht. Ein großes Wunder ist die Tatsache, wie er es tut. Und vorläufig abgerundet wurde diese ganze wundersame Sache am Dienstagabend kurz vor halb neun.

Der VfB hatte im Duell mit der Eintracht gerade das 2:2 kassiert, sich dann aber aufgemacht, doch noch den Sieg einzufahren. Dann spielte Deniz Undav einen klugen Steilpass auf Josha Vagnoman, der passte straff nach innen – wo der eingewechselte Nikolas Nartey den Fuß hinhielt. Es war der Siegtreffer für den VfB, das erste Bundesligator des Dänen – und ein Erlebnis, das die ganze Mannschaft bejubelte.

In der Saison 2020/2021 war Nikolas Nartey an den SV Sandhausen verliehen und traf in einem Testspiel auf den VfB Stuttgart. Foto: Pressefoto Baumann

„Es freut mich für ihn, dass er zum Matchwinner wurde“, sagte Ermedin Demirovic und staunte: „Nach so einer Leidenszeit so zurückzukommen. . .“ Der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth erklärte: „Er musste immer wieder von Neuem aufbauen und hat trotzdem immer das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Das nötigt mir Respekt ab. Das ist außergewöhnlich.“ Und der VfB-Coach Sebastian Hoeneß sagte: „Wenn er in der Lage ist, frei zu spielen, ist er für uns ein Riesen-Zugewinn. Ich bin sicher, das Tor wird ihn beflügeln.“

Gemessen an seiner Leidensgeschichte schwebt Nikolas Nartey ja ohnehin schon auf Wolke sieben. Endlich ist er gesundheitlich auf der Höhe, endlich kann er sich im Training regelmäßig zeigen, endlich bekommt er Spielminuten in der Bundesliga und kann Hoeneß’ Worte belegen. Der Coach ist ein ausgemachter Fan des Dänen, der mittlerweile auch für die Nationalmannschaft nominiert worden ist. Hoeneß („Wir müssen behutsam mit ihm umgehen“) setzte sich auch dafür ein, dass sein Schützling trotz der vielen Verletzungen noch einmal einen Vertrag erhalten hat. Und nun zeigt Nartey, warum.

Läuferisch stark, ballsicher, energisch in den Zweikämpfen und sicher im Passspiel – als Quasi-Neuzugang ist Nartey die Entdeckung der Vorrunde bei den Stuttgartern. 23 Pflichtspiele hat er zwischen Sommer 2021 und Sommer 2025 für den VfB nur bestritten, in dieser Saison sind es nun schon 21.

Und eigentlich hatte Nartey schon früher über sein Premierentor gejubelt. Im Spiel gegen den FC Bayern traf der Mittelfeldspieler zum 1:1 – doch das Tor wurde per Videobeweis wieder aberkannt, am Ende verlor der VfB 0:5. Auch diesmal ging nach anfänglichem Jubel der bange Blick von Nartey zum Schiedsrichter. Schnell aber war klar: Diesmal zählt’s. „Das war ein richtig geiles Gefühl“, sagte der Däne – und berichtete: „Ich habe immer an mich geglaubt.“

Es gab auch dunkle Tage bei Nikolas Nartey

Aber: „Es gab auch Tage, an denen es mir nicht so gut ging.“ Dann halfen im Freunde und Familie. Aber auch das Vertrauen des Trainers war wichtig: „Er hat trotz der vielen Verletzungen an mich geglaubt.“ Nun werden beide für ihre Beharrlichkeit belohnt.

„Er hat sich in der Reha und im Training unglaublich aufgerieben“, sagt Fabian Wohlgemuth, „er hat für seine Chance gekämpft.“ Dass er sie nun auch nutzt, ist vor allem für den Spieler selbst eine große Sache. „Ich wollte mich hier immer durchsetzen“, sagte Nikolas Nartey, grinste und ergänzte: „Es hat ein bisschen gedauert, aber es hat sich gelohnt.“

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