Ein Junge steht, einen großen Klotz vor die Augen gebunden, vorne im Klassenzimmer und streckt die Hände aus. „Die Virtual Reality-Brille lernt jetzt seine Hände kennen“, erklärt der Leiter den anderen Schülern. Die virtuelle Dinosaurier-Welt, die der Junge mit der VR-Brille dreidimensional sieht, können die übrigen Schüler in 2D auf der Leinwand verfolgen. Ein virtueller, zitronengelber Schmetterling setzt sich auf die Hand des Jungen. Als er wegfliegt, versucht er ihm hinterherzugreifen – und greift ins Leere. Der Kurs findet im Rahmen des Projekts IT-Ersthelfende statt. Leiter diese Kurses ist ein Mitarbeiter des Energieanbieters EnBW, der das Projekt initiiert hat, und das an mehreren Schulen in Baden-Württemberg abgehalten wird.
Mangel an Arbeitskräften im IT-Bereich
Dass das Fanny-Leicht-Gymnasium und die Schloss-Realschule für Mädchen so ein großes Unternehmen wie die EnBW überhaupt in die Schulen lassen, sei nicht selbstverständlich, sagt Ulrich Janischka, EnBW-Leiter für Landespolitik und Grundsatzfragen. Für die EnBW sei das eine „Riesenchance“, denn im IT-Bereich herrsche Mangel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Insgesamt 60 Schülerinnen und Schüler der beiden Schulen aus den Klassen 8 bis 11 nehmen am dreitägigen Projekt Teil. An zehn Folgeterminen können die Teilnehmenden sich anschließend noch durch Online-Schulungen in Spezialthemen vertiefen. Neben der EnBW leiten auch Mitarbeiter der Firmen Bechtle und BG3000 die Kurse an.
IT-Wissen: Nicht nur für Sonderlinge
„Digitalität und Berufsorientierung sind in aller Munde“, sagt die Schulleiterin des Fanny-Leicht-Gymnasiums, Antje Rannert. Wenn einige ihrer Schüler wie bei dem IT-Ersthelfenden-Projekt eine Expertise auf diesem Gebiet entwickeln, profitiere die gesamte Schulgemeinschaft davon.
Notker Häußler, IT-Beauftragter des Gymnasiums, sagt, es gebe zwar schon eine Technik-AG an der Schule. Dort seien aber die Mädchen in der Unterzahl. Er begrüßt auch, dass Computerwissen normaler werde, wenn es mehr Digitalprofis auf Schülerseite gebe, und diese somit nicht mehr als Sonderlinge gelten. Schirmherr des Projekts ist Ralf Nentwich, Landtagsabgeordneter der Grünen. Das Projekt helfe Schülern auch dabei, Verantwortung zu übernehmen und Selbstwirksamkeit zu erfahren, lobt er.
Viel Bildschirmzeit, wenig Wissen
Clarissa Eberhard, die stellvertretende Schulleiterin der Schloss-Realschule für Mädchen, betont, dass sie den Mädchen vor allem auch Berufe zeigen will, „die sie eher nicht auf dem Schirm haben“, weil sie traditionell als Berufe für Männer gelten. Ihre Schülerinnen verbringen zwar schon in der sechsten Klasse fast den ganzen Tag am Bildschirm und haben auch „teilweise sehr hochwertige“ Geräte, doch könnten sie mit denselben „die wichtigen Sachen“ zum Teil nicht bewältigen.
Sicherheit und Datenschutz, Umgang mit Cybermobbing und Künstlicher Intelligenz, IT-Grundlagen, umweltfreundlicherer Umgang mit IT und der Umgang mit Informationen: die Kursmodule des Projekts schließen soziale und technische Aspekte mit ein.