Apotheken spielen eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung, doch ihre finanzielle Situation ist schwierig. Ein Protesttag soll auf ihre Lage aufmerksam machen.
Zahlreiche Apotheken beteiligen sich am Montag, 23. März, an einem bundesweiten Protesttag – auch in Stadt und Landkreis Esslingen wollen Pharmazeuten auf ihre wirtschaftlich prekäre Situation aufmerksam machen, die das Apothekensterben zu beschleunigen droht. Anders als in anderen Bundesländern will es das baden-württembergische Sozialministerium nicht zulassen, dass Apotheken am Protesttag ganz geschlossen bleiben, weil man der Meinung ist, die Notdienstapotheken könnten nicht zwei Tage in Folge die gesamte Versorgung stemmen. Dennoch wird es auch in der Esslinger Region Protestaktionen geben – zahlreiche Apotheken werden nur im Notdienst-Modus bedienen und mit gezielten Aktionen vor ihren Geschäftsräumen auf ihre Anliegen hinweisen.
Für eine auskömmliche Honorierung
„Wir übernehmen gern Verantwortung, sorgen für eine zuverlässige Arzneimittelversorgung und bieten den Menschen eine niederschwellige Beratung an“, betont der Esslinger Apotheker Christoph Mühlschlegel. „Doch dafür brauchen wir eine auskömmliche Honorierung. Seit mehr als 13 Jahren warten wir auf eine Anpassung des Apothekenhonorars.“ Während die Personal- und Sachkosten seit 2013 um rund 65 Prozent gestiegen seien, liege das packungsbezogene Honorar weiterhin bei 8,35 Euro.
Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sehe zwar eine Anhebung auf 9,50 Euro vor – eine verbindliche Umsetzung stehe jedoch aus. „So wird die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe seit Jahren ausgehöhlt“, beklagt der Neuhausener Apotheker Tassilo Mickeler. Er ist überzeugt: „Durch die Einhaltung von Rabattverträgen und die Früherkennung von Krankheiten sparen wir den Kassen jedes Jahr Milliardenbeträge. Ich bin der festen Überzeugung, das Gesundheitssystem wäre deutlich teurer, wenn es uns nicht geben würde. Wir sind Heilberufler mit Leib und Seele und keine Unternehmer, die einen Gewinn maximieren wollen.“
„Arzneimittelversorgung gesichert“
Weil die Apothekerschaft auch im Landkreis Esslingen davon überzeugt ist, dass es so nicht weitergehen kann, wollen sich viele am Montag am Protesttag beteiligen. Das kann nach Angaben des Landesapothekerverbands bedeuten, „dass Patientinnen und Patienten nur durch die Notdienstklappe versorgt werden, Schaufenster verhängt sind oder Apotheken mit regional organisierten Aktionen auf ihre wirtschaftlich prekäre Situation aufmerksam machen“. Wo Apotheken am Protesttag nur teilweise oder gar nicht verfügbar sind, werde die Arzneimittelversorgung der Bürgerinnen und Bürger durch Notdienstapotheken sichergestellt.