Unter anderem Kürzungen von Fördermitteln für Beratungsangebote für Menschen mit Essstörungen und Suchterfahrung sowie für die Ganztagsangebote an weiterführenden Schulen stehen bei den Haushaltsberatungen in Stuttgart zur Disposition. Foto: Tobias Hase/Julian Stratenschulte/dpa/Lichtgut
Die Stadt muss sparen. Immer neue Hiobsbotschaften verunsichern Familien, Schulen und freie Träger. Vor der nächsten Runde in den Haushaltsberatungen rufen sie zu Protesten auf.
Die Schulgemeinschaft der Bismarckschule in Feuerbach erlebt in diesen Wochen ein Wechselbad der Gefühle. Erst stand die Abwicklung der Werkrealschule und die Umwandlung in eine Realschule zur Debatte. Dies hätte zur Folge gehabt, dass das Lehrkräftekollegium ausgetauscht worden wäre, weil die meisten keine Lehrbefähigung für die Realschule haben. Das wäre das Ende für die über Jahrzehnte aufgebauten Teamstrukturen und Vernetzungen in den Stadtteil hinein gewesen.
Die Schulgemeinschaft der Bismarckschule ist in Aufruhr und wendet sich in einem Brandbrief an den Gemeinderat. Der Umgang mit den Betroffenen wirke respektlos. Welche individuellen Schicksale mit den zur Disposition stehenden Entscheidungen verbunden seien, werde kaum wahrgenommen, heißt es dort. Viele Mitarbeitende hätten Existenzängste, sorgten sich um ihren Arbeitsplatz, was eine enorme psychische Belastung sei. Zudem biete der Ganztag in seiner jetzigen Form für die Schülerinnen und Schüler nicht nur einen geschützten Raum zum Lernen und für die persönliche Entwicklung, für viele sei er auch ein stabiler und sicherer Lebensort, wo sie Hilfe in jeder Hinsicht bekommen.
Die Zukunft der Bismarckschule ist ungewiss. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
„Lassen Sie uns gemeinsam für die Rechte unserer Kinder eintreten und ihnen die Bildung und die Unterstützung bieten, die sie verdienen“, so der Appell in dem Brandbrief, der von der Schulleitung, der Leitung des Ganztags, der Schulsozialarbeiterin und der Elternbeiratsvorsitzenden unterschrieben ist.
Doch nicht nur sie sind alarmiert. Die Liga der Wohlfahrtspflege ruft am Montag, 15. Dezember, zu einer Kundgebung auf dem Wilhelmsplatz auf. Zur Liga gehören unter anderem die evangelische und katholische Kirche, die Arbeiterwohlfahrt und der Paritätische Wohlfahrtsverband. Unter der Überschrift „An Sozialem, Bildung und Kultur zu sparen, kostet viel zu viel!“ wollen sie ab 11.59 Uhr („Es ist 1 vor 12 Uhr!“) darauf aufmerksam machen, dass pauschale Kürzungen von Fördermitteln die Existenz vieler sozialer Einrichtungen gefährden.
Zudem wollen sich am Montag, 15. Dezember, um 13.30 Uhr, Mitarbeitende verschiedener sozialer Organisationen vor dem Stuttgarter Rathaus versammeln und mobil machen. Um 14 Uhr beginnt im Mittleren Sitzungssaal der Jugendhilfeausschuss, in dem vor allem über den Haushalt gesprochen wird.