In der Nähe des Schwabtunnels in Stuttgart sind mehrere Schulen. Mitunter gefährliche Verkehrssituationen gehören damit für viele Kinder zum Schulweg dazu.
Der Schwabtunnel und die Situation für Radler darin beschreiben nicht nur Erwachsene als ein Problem, sondern auch Kinder und Jugendliche. In der Nähe des Nadelöhrs zwischen Stuttgart-West und -Süd sind nämlich mehrere Schulen. Der Schwabtunnel liegt damit für viele auf dem Schulweg.
In einem offenen Brief weist eine Lehrerin auf die Gefahren hin. „Es ist für mich unvorstellbar, dass sich im Schwabtunnel nun Fußgänger mit Radfahrenden inklusive Lastenräder samt Anhänger den Gehweg teilen sollen“, sagt Eva Koberstein, die an einer Schule beim Hauptbahnhof unterrichtet, im Schwabtunnel aber selbst regelmäßig mit Fahrrad unterwegs ist.
Überholen trotz Verbot
Die Stadt hatte den Gehweg vor Kurzem für Radler freigegeben. Das war auf Initiative der Polizei geschehen, die in der Vergangenheit radelnde Schüler theoretisch vom Gehweg scheuchen musste. Das Grundproblem: Autofahrer überholen Radler häufig, obwohl dies in dem Tunnel verboten ist.
Francesco Blandini kennt kaum Schüler, die freiwillig auf der Straße durch den Schwabtunnel radeln. Der 18-Jährige versteht auch, wenn Eltern das verbieten. Er ist Sprecher im Jugendrat West. Der Schwabtunnel sei ein „Hochrisikogebiet“, sagt er. „Viele der Schüler sagen, dass der Schwabtunnel schon lange ein Problem ist. Weil man sich nicht sicher fühlt.“
„Mit dem Fahrrad durch den Tunnel zu fahren, ist alles andere als ein Vergnügen und gerade für Kinder jedes Mal ein kleines Abenteuer“, sagt Kati Meinunger, die Elternbeiratsvorsitzende am Schickhardt-Gymnasium. „Auf der Straße trauen sich die Kinder oft nicht zu fahren, weil sie dann von den Autofahrern teilweise riskant überholt werden oder sie das Gefühl haben, von den nachfolgenden Fahrzeugen bedrängt zu werden.“ Auf dem Gehweg sei allerdings auch zu wenig Platz.
„Aus Schulsicht wäre es am besten, wenn der Schwabtunnel in Richtung Westen für den normalen Verkehr gesperrt wird“, sagt Kati Meinunger. Ein weiterer Vorteil von einer solchen Sperrung sei, dass der Autoverkehr an den Bushaltestellen abnehmen würde. „Was die Sicherheit für die Schüler deutlich erhöht.“ Und es würde leiser werden. Lüften sei in dem Bereich „gerade in verkehrsstarken Zeiten nur bedingt möglich“, so die Elternbeiratsvorsitzende.
Francesco Blandini selbst hat das Abi seit dem vorigen Jahr in der Tasche; er war auf dem Königin-Katharina-Stift am Hauptbahnhof. Einmal die Woche musste er aber für die Mittagsschule ans Schickhardt-Gymnasium – und dann auch durch den Schwabtunnel. Er kennt die Strecke also gut.
Nun lehnt Blandini an einer Mauer des Schickhardt-Gymnasiums, Blick in Richtung Tunnel. „Man muss ja mal die Ungleichbehandlung betrachten“, sagt er. „Die Autofahrer sitzen in einem Stahlpanzer, die Radfahrer nicht.“ Das mache einen großen Unterschied, wenn etwas passiert.
Fuß- und Raddemo am Schwabtunnel
Dass nun Bewegung in die Sache kommt, sich Bezirksbeiräte und Stadträte mit dem Schwabtunnel beschäftigen und sich gar politische Mehrheiten für eine Veränderung abzeichnen, nennt der Jugendrat „schon ein bisschen ein Wunder“.
Bei einer Fuß- und Raddemo mehrerer Stuttgarter Initiativen am Freitag, 4. Juli, Beginn um 17 Uhr, zur Situation im Schwabtunnel wird Blandini ein Grußwort sprechen. Vermutlich wird er dann auch sagen: Der Beschluss des Gemeinderats sei zentral, aber man solle auch auf das Votum in den Bezirken achten. Im Bezirksbeirat West hatte eine Mehrheit einem Verkehrsversuch zugestimmt: testweise eine Spur nur für Busse und Radler zu reservieren.