„Die Verkehrswende hängt nicht am Königsträßle“, brachte es Stadträtin Lucia Schanbacher (SPD) auf den Punkt. Dennoch gab es in den vergangenen Jahren reichlich Diskussionen um die Einrichtung einer Fahrradstraße auf der lediglich 2,5 Kilometer langen Verbindung zwischen Degerloch und Birkach. Der Streit um die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist nun beigelegt. Der gemeinderätliche Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik hat den Kompromissvorschlag der Verwaltung beschlossen.
Die Fahrradstraße wird in zwei Bereiche unterteilt. Auf dem knapp ein Kilometer langen Abschnitt von der Jahnstraße bis zum Haus des Waldes im Sportpark auf der Waldau gilt in Zukunft Tempo 30, hingegen sind 40 Kilometer pro Stunde auf dem rund 1,5 Kilometer langen Abschnitt durch den Wald bis zum Ortseingang von Schönberg erlaubt. Es bewege die Menschen, weil es sich um eine sehr schöne Ecke der Landeshauptstadt handele, „aber man muss auch die Kirche im Dorf lassen“, betonte Martin Körner, der Direktor des Grundsatzreferats Klimaschutz, Mobilität und Wohnen.
Ohne Tempo 40 im Wald, muss die Stadt ihre Pläne ändern
Unterm Strich erfülle die Stadt ihre Aufgabe: Eine Fahrradstraße werde eingerichtet. Schließlich soll über das Königsträßle auch die Hauptradroute 3 verlaufen. Der nun vorgeschlagene Kompromiss sei „gut begründet und vor allem auch rechtlich umsetzbar“, sagt Körner. „Mit Tempo 40 außerhalb der Bebauung wie es bereits seit 2010 der Fall ist.“ Genau das bezweifelt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Stuttgart. Eine rechtliche Anordnung von Tempo 40 sei laut BUND-Sprecher außerorts nur möglich, wenn Gefahr drohe. Etwa bei Belastung durch Feinstaub oder Straßenschäden. Mit der nun fast gänzlich abgeschlossenen Sanierung und der Lage des Königsträßles im Wald entfalle diese Grundlage. Die logische Konsequenz wäre, dass von der Straßenverkehrsbehörde zeitnah wieder Tempo 60 auf dem Abschnitt zwischen dem Haus des Waldes und Schönberg angeordnet werde. Die Fahrradstraße sei somit eine „Mogelpackung“.
Ganz so drastisch sahen dies die Stadträte zwar nicht, dennoch hegt das ökosoziale Lager ein zumindest ein gewisses Misstrauen. Bezeichnend sei dabei wieder einmal, dass in der Sitzung kein Vertreter der zuständigen Straßenverkehrsbehörde anwesend war, waren sich Schanbacher und Björn Peterhoff (Bündnis 90/Grüne) einig. „Zumal noch im Bezirksbeirat Degerloch im vergangenen Jahr von dieser Seite klar gemacht wurde, dass Tempo 40 im außerstädtischen Bereich des Königsträßles rechtlich nicht mehr möglich sei“, so Peterhoff weiter.
Insofern fand der Vorschlag einer durchgängigen Fahrradstraße mit maximal erlaubten 30 Kilometern pro Stunde keine Mehrheit, sondern der Kompromissvorschlag der Verwaltung – allerdings mit einem entscheidenden Zusatz: Sollte sich bewahrheiten, dass die Anordnung von Tempo 40 außerstädtisch rechtlich nicht möglich ist, muss die Stadt ihre Pläne zwingend ändern und eine durchgängige Fahrradstraße mit Tempo 30 umsetzen. Denn „das letzte, was wir wollen, ist ein Rückfall zu Tempo 60 im Königsträßle“.