Rechtschreibung Anlauttabellen gibt es seit dem 17. Jahrhundert

Leben: Ricarda Stiller (rst)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Die in die Kritik geratene Anlauttabelle, die bereits im 17. Jahrhundert existierte, eignet sich nur für das sogenannte alpha­betische Schreiben. Erste Schreibversuche nach Gehör lassen sich durchaus bewerkstelligen, doch die Rechtschreibung mit all ihren Regeln lässt sich damit nicht erlernen. Die Lust der Kinder am eigenen Formulieren soll Studien zufolge damit gestiegen sein. Schon in den ersten Klassen schreiben sie jetzt eigene Texte, die unmittelbar mit ihrer Lebenswelt zu tun haben.

Anlauttabellen basieren auf dem Prinzip der Grafem-Fonem-Korrespondenz. Hierbei wird jeder Buchstabe durch ein Bild repräsentiert. Dieses Bild muss einen Begriff darstellen, der genau mit dem Laut beginnt, dem der Buchstabe entspricht. So suchen sich die Kinder anfangs Laut für Laut ihre Wörter zusammen.

Foto: Repro StZ

Dass beim Schreiben nach Gehör Fehler zunächst nicht korrigiert werden, sehen die meisten Pädagogen gelassen. Fragt ein Schüler ausdrücklich, ob etwas richtig geschrieben sei, wird kaum ein Lehrer ein falsch geschriebenes Wort loben, sondern die korrekte Schreibweise erklären. Ist ein Kind hingegen stolz darauf, etwas geschrieben zu haben, wird die Lehrkraft nicht mit dem Rotstift kommen und die Motivation sofort wieder zerstören.

Schreibt ein Kind in der ersten Klasse also „Farat“ für Fahrrad, so ist dies nach der Anlauttabelle erst einmal in Ordnung. Der Sprachdidaktiker Hans Brügelmann, der ebenfalls in die Kritik geraten ist, weil sein Konzept des Spracherfahrungsansatzes auf der Reichen-Methode aufbaut, sagt selbst, dass „Lesen durch Schreiben“ in Reinform ein Fehler sei. Entscheidend ist, dass korrigierend eingegriffen wird, bevor sich Fehler verfestigen. Wird ein Wort immer wieder in unterschiedlicher Weise falsch geschrieben, besteht noch keine Gefahr. Wird es jedoch immer auf die gleiche Art falsch geschrieben, kann sich das verfestigen.

Eine Möglichkeit, einem Kind klarzumachen, dass zwar einerseits schon ganz toll ist, was es schreibt, damit das Ziel aber noch nicht erreicht ist, weil noch nicht jeder dies lesen kann, ist, zwischen sogenannter Kinderschrift und Erwachsenenschrift zu differenzieren. Der Lehrer kann somit etwas loben, was zwar falsch ist, aber gleichzeitig vermitteln, dass es noch etwas zu lernen gibt – nämlich die Erwachsenenschrift, die alle lesen können.

Unsere Empfehlung für Sie