„Reichsbürger-Held“ in Oberschwaben Hof von Bauer Alois durch Polizei geräumt

Die Polizei rückte mit schwerem Gerät zur Zwangsräumung an. Foto: sichtlichmensch/Andy Reiner

Er gilt als Held in der Reichsbürger-Szene: Bauer Alois, der seinen Hof bei Bad Wurzach trotz Zwangsversteigerung nicht hergeben wollte. Jetzt hat die Polizei zwangsgeräumt.

Bis zuletzt hat „Reichsbürger-Held“ und Bauer Alois darauf beharrt, dass sein Hof bei Bad Wurzach im Kreis Ravensburg trotz Zwangsversteigerung weiterhin sein Eigentum sei (wir berichteten). Selbst als am Donnerstagmorgen mehrere Dutzend Polizeibeamte mit Panzerwagen und mehreren Polizeifahrzeugen vor seiner Tür standen, gab der 65-Jährige nicht auf. Trotz Lautsprecherdurchsagen verbarrikadierte sich der Bauer in seinem Haus. Am Ende führten ihn die Beamten in Handschellen ab. Das zuständige Polizeipräsidium Ravensburg bestätigte die Zwangsräumung, die laut den Aussagen eines Sprechers ohne besondere Zwischenfälle verlaufen sei. Bauer Alois sei kurzzeitig festgenommen, aber gegen 12 Uhr wieder freigelassen worden. Die Räumung sei „in Amtshilfe für den zuständigen Gerichtsvollzieher“ geschehen.

 

Unterstützung erhielt der Mann in den sozialen Netzwerken

Das alte Bauernhaus samt mehrerer Schuppen, Güllegrube und 14 Hektar Felder und Wälder war nach einer gescheiterten Zwangsversteigerung im Jahr 2012 im vergangenen Dezember erneut unter den Hammer gekommen. Dabei hatte der Betreiber einer Biogasfirma den Zuschlag erhalten. Doch Bauer Alois hatte immer wieder betont: er lasse sich vom Hof nicht vertreiben. Den mutmaßlichen Räumungsbescheid ließ der 65-Jährige ungeöffnet am Scheunentor hängen.

Unterstützung erhielt der Mann mit Blick auf eine drohende Räumung in den sozialen Netzwerken: Man müsse ein Protestcamp auf dem Bauernhof veranstalten, schrieb etwa Daniel Langhans, der führende Kopf der Ulmer Querdenken-Bewegung, in einem Telegram-Kanal. Tobias Fink, der die bekannte Querdenker-Gaststätte „Reiwerle“ in Annweiler (Rheinland-Pfalz) geführt hat, ehe sie in finanzielle Schieflage geriet, soll sich als Rechtsbeistand angeboten haben, heißt es. Auch Matthes Haug, der als Vertrauter von Heinrich XIII. Prinz Reuß gilt – dem Kopf der Reichsbürgerverschwörer-Gruppe – wollte helfen.

Bereits 2011 hatte das Ravensburger Veterinäramt die Tiere abgeholt

Doch am Donnerstagmorgen eilte ihm kaum jemand zu Hilfe, in den Telegram-Gruppen bedauerte man zwar die Räumung, aber viele waren entweder verhindert oder leben zu weit entfernt, um aktiv zu werden. Der Hof bei Bad Wurzach ist im Laufe der Zeit zur Pilgerstätte geworden für Reichsbürger, Esoteriker und Corona-Leugner aus Oberschwaben und weit darüber hinaus. Bauer Alois kämpfte gegen das Landratsamt in Ravensburg, gegen die Gerichte, gegen das „System“. Für viele in der Szene ist Alois schlicht ein Held.

Bereits 2011 hatte das Ravensburger Veterinäramt die Tiere abgeholt: Kälber, Ziegen, Schweine, Enten. Die Auseinandersetzungen zwischen dem Veterinäramt und dem Landwirt währten Jahrzehnte. Er habe seinen Hof nur „wie zu Zeiten der Großmutter im Einklang mit der Natur“ führen wollen, sagte Alois vor wenigen Monaten unserer Zeitung: ohne künstlichen Dünger, ohne chemische Pflanzenschutzmittel und ohne Tierarzt. Für die Amtsveterinäre waren die hygienischen Zustände hingegen untragbar. Krankheiten seien einfach nicht behandelt worden, stellten sie fest. Am Donnerstag nun musste sich der 65-Jährige auch dem Gerichtsvollzieher geschlagen geben.

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