„Reichsbürger-Held“ Polizei holt Bauer Alois zur Anhörung – seine Unterstützer toben auf Telegram

Bauer Alois auf seinem früheren Hof bei Bad Wurzach, den die Polizei im vergangenen Jahr zwangsräumte. Foto: sichtlichmensch/Andy Reiner

Bauer Alois, der als Held in der „Reichsbürger“-Szene gilt, ist von der Polizei zu einer Anhörung abgeholt worden. Auf Telegram entlädt sich Wut über den Einsatz.

Seit vergangenem Jahr ist Alois ein Bauer ohne Hof. Die Polizei kam an jenem 17. Oktober mit schwerem Gerät, um das Gelände bei Bad Wurzach (Kreis Ravensburg) zwangszuräumen. Der 66-Jährige, der als Held in der „Reichsbürger“-Szene gilt, hatte noch versucht, sich zu verbarrikadieren – vergeblich. Doch die Unterstützung in der Telegram-Gruppe „Bauersfrau“ blieb: Hier tummeln sich Reichsbürger und Querdenker, die ihm die Treue schwören. „Wie ihr wisst, ist Bauer Alois seit 17. Oktober 2024 nicht mehr auf seinem Hof gewesen, weil er dort gewaltsam polizeilich entfernt wurde“, heißt es dort in einer Nachricht am vergangenen Montag.

 

Richter am Amtsgericht: Bauer Alois wieder auf „freiem Fuß“

Denn die Gemeinschaft ereilte die nächste Hiobsbotschaft: „Heute gegen 15.30 Uhr wurde Bauer Alois an seinem derzeitigen Aufenthaltsort polizeilich festgenommen“, heißt es. Und: „Bauer Alois möchte, dass dieser Sachverhalt hier veröffentlicht wird.“ Der zuständige Richter am Amtsgericht Leutkirch im Allgäu bestätigt den Einsatz: Bauer Alois habe sich nicht zu seinen Anhörungsterminen im Rahmen einer Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung gemeldet.

Am 17. Oktober 2024 rückte die Polizei mit schwerem Gerät an und zwangsräumte den Hof von Bauer Alois. Foto: sichtlichmensch/Andy Reiner

Zu einer Anhörung kommt es, wenn der Verurteilte Bewährungsauflagen nicht erfüllt. Dazu können etwa Meldungen eines Wohnsitzwechsels, Arbeits-oder Geldauflagen gehören, erklärt der Richter. Gegen welche Auflagen Bauer Alois verstoßen hat, sagt der Richter nicht, die Bewährungsanhörung sei nicht-öffentlich. Bauer Alois sei aber wieder auf „freien Fuß“ gesetzt worden.

Auf Telegram heißt es: „Sie werden spüren, was sie Alois angetan haben“

Der 66-Jährige ist nicht nur wegen Körperverletzung verurteilt worden, sondern auch wegen Tierschutzverstößen zu einer „geringen Freiheitsstrafe auf Bewährung“, informiert der Richter. Auf Telegram entlädt sich derweil die Wut seiner Unterstützer: „Es wird Zeit, dass diese sogenannten ‚Behörden’ öffentlich bloß gestellt werden! Wir müssen die Namen sammeln und in nicht allzu ferner Zeit, diese Leute zur Rechenschaft ziehen“, fordert ein Nutzer.

Ein anderer schreibt: „Es liegt nur an uns, lassen wir es nicht mehr zu, dass sie uns behandeln als wären wir Sklaven.“ Und eine Frau meint: „Irgendwann werden sie für ihr Tun Verantwortung übernehmen müssen, sie werden spüren, was sie Alois und den Tieren angetan haben.“

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