Viele Menschen lernen schon als Kind: morgens und abends Zähne putzen. Aber ist das wirklich nötig?
Die Empfehlung von Zahnärzten und Fachgesellschaften ist weltweit einheitlich: Zweimal täglich für mindestens zwei Minuten lautet die goldene Regel der Mundhygiene. Dennoch stellt sich im Alltag oft die Frage, ob dieser Aufwand tatsächlich notwendig ist. Reicht es nicht aus, die Zähne nur einmal am Tag – dafür aber besonders gründlich – zu reinigen?
Nur einmal Zähne putzen?
Die Zahnmediziner T. Attin und E. Hornecker schreiben in einer Übersichtsarbeit, dass gründliches Zähneputzen einmal täglich ausreichen kann, um Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten. Gemeint ist aber nicht ein schnelles Putzen nebenbei, sondern eine sorgfältige Reinigung, bei der Zahnbelag wirklich gut entfernt wird.
Und genau daran scheitert es oft. Viele Menschen sind beim Zähneputzen nicht gründlich genug. Belag bleibt leicht am Zahnfleischrand, hinten an den Backenzähnen oder zwischen den Zähnen zurück. Dort können Bakterien Säuren bilden, die den Zahnschmelz angreifen. Aus solchen angegriffenen Stellen kann mit der Zeit Karies entstehen.
Darum empfehlen Zahnärzte in der Regel zweimal täglich zu putzen. Auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) rät, die Zähne mindestens zweimal täglich zu reinigen. Das hat zwei Vorteile: Zahnbelag wird regelmäßiger entfernt. Und die Zähne kommen öfter mit Fluorid aus der Zahnpasta in Kontakt. Fluorid soll laut Angaben des BMG helfen, den Zahnschmelz widerstandsfähiger zu machen.
Was passiert, wenn man nicht gründlich putzt?
Auch Studien stützen die Empfehlung, zweimal am Tag zu putzen. Eine große Auswertung von 33 Studien kam zu dem Ergebnis: Menschen, die seltener putzten, bekamen häufiger Karies. Besonders deutlich war der Unterschied zwischen Menschen, die weniger als zweimal täglich putzten, und Menschen, die mindestens zweimal täglich putzten.
Auch eine Studie mit Jugendlichen aus Brasilien zeigt diesen Zusammenhang. Jugendliche, die höchstens einmal am Tag putzten, bekamen im Laufe von rund zweieinhalb Jahren mehr neue Kariesstellen als Jugendliche, die zwei- oder dreimal täglich putzten. Bei ihnen war auch Zahnverlust häufiger.
Die einfache Zusammenfassung lautet deshalb: Einmal täglich ist besser als gar nicht. Aber zweimal täglich ist für die meisten Menschen sinnvoll. Die Regel ist alltagstauglich, verzeiht aber auch eher, wenn man nicht perfekt putzt.
Wie man richtig die Zähne putzt
Wichtig ist nicht nur, wie oft geputzt wird, sondern auch wie. Die Zähne sollten mindestens zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta geputzt werden. Zwei Minuten gelten als Mindestdauer. Wer sehr schnell putzt, lässt oft Stellen aus. Sinnvoll ist deshalb eine feste Reihenfolge: erst außen, dann innen, dann die Kauflächen – oder eine andere Systematik, Hauptsache, keine Fläche wird vergessen.
Zu viel Druck ist nicht hilfreich. Wer stark schrubbt, kann Zahnfleisch und Zahnhälse reizen. Besser sind kleine, kontrollierte Bewegungen. Besonders wichtig ist der Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch, weil sich dort leicht Belag sammelt.
Die Zahnbürste kommt außerdem nicht gut in die Zahnzwischenräume. Deshalb sollten diese möglichst täglich gereinigt werden – zum Beispiel mit Interdentalbürsten. Zahnseide ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Zwischenräume sehr eng sind.