Reise zum DFB-Pokalfinale „Immo Tommy“ und das falsche Flugzeug

Ziel der Flugreise: das DFB-Pokalfinale in Berlin. Foto: Pressefoto Baumann

Im Privatjet samt Sohn zum DFB-Pokalfinale – so posierte der Immobilien-Unternehmer Primorac im Netz. Doch die gezeigte Maschine flog gar nicht nach Berlin. Wie das?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wie vertrauenswürdig ist der Stuttgarter Immobilienunternehmer und Influencer Tomislav Primorac (41), besser bekannt als „Immo Tommy“? Das fragen sich manche seiner mehr als zwei Millionen Follower in den sozialen Medien, die nach seinem Vorbild mit Immobilien wohlhabend werden wollten. Doch statt es wie er binnen weniger Jahre zu Reichtum zu bringen, kämpfen sie nach dem Kauf mit unerwarteten, teils gravierenden Problemen.

 

Angesichts der bundesweiten Medienberichte darüber dürfte es Primorac nicht wundern, wenn bei seinen Angaben genauer hingeschaut wird. So war es dieser Tage bei einem Beitrag auf dem Karrierenetzwerk Linked-in, in dem er von seinem Besuch beim DFB-Pokalfinale in Berlin berichtete. Nicht nur er selbst sei dazu eingeladen worden, sondern auch sein zwölfjähriger Sohn. Für den sei es, wie für ihn, ein einmaliges Erlebnis gewesen. Die Überschrift: „Sein erstes Mal Berlin. Sein erstes Mal im Stadion. Sein erstes Mal im Privatjet“. Dazu sah man Vater und Sohn stolz auf dem Rollfeld vor einer Maschine posieren, einem zweistrahligen Businessjet vom Typ Bombardier Challenger. Mit diesem Flugzeug, mussten Betrachter annehmen, waren die beiden nach Berlin gereist.

Der gezeigte Jet flog ganz woanders hin

Doch bei näherem Hinsehen ließ sich das Luftfahrzeugkennzeichen des Jets entziffern. Anhand dessen kann man leicht nachvollziehen, wo das Flugzeug in jüngster Zeit unterwegs war. Eine Eingabe bei Flight-Radar 24 zeigte, dass es zwar auf dem Stuttgarter Flughafen Station gemacht hatte, aber von dort aus mitnichten Berlin ansteuerte. Stattdessen flog es am Sonntag weiter auf die Kapverdischen Inseln und von dort nach Sao Paolo – kein Wunder, gehört es doch zu einem brasilianischen Unternehmen.

Hatte „Immo Tommy“ also mit einem Flug angegeben, den es gar nicht gab? So argwöhnte es prompt ein Kommentator auf Linked-in. Die Folge: dessen Anmerkung wurde umgehend gelöscht, er selbst gesperrt. Tatsächlich, bestätigte Primorac jetzt auf Anfrage unserer Zeitung, „sind wir mit einem anderen Jet geflogen als dem auf dem Foto gezeigten“. Das Bild habe „rein symbolisch zur Illustration gedient“ und sei aus Rücksicht auf den Eigentümer des in Wirklichkeit genutzten Flugzeugs gewählt worden. Dieser habe „ausdrücklich um Diskretion gebeten“, weshalb er wohl auch nicht benannt wird.

Viel Zuspruch – und Kritik an „Effekthascherei““

Wenn darin jemand einen Täuschungsversuch sehe, so „Immo Tommy“, weise er das „entschieden zurück“. In dem Beitrag sei es ihm schließlich nicht „um technische Details eines Flugzeugs, sondern um einen persönlichen Moment mit meinem Sohn“ gegangen. Den Kommentar habe er gelöscht, weil Ton und Inhalt nicht angemessen gewesen seien - und „nicht, weil an dem Beitrag etwas verschleiert werden sollte“.

Für das Posting erhielt Primorac ansonsten reichlich Zuspruch. Tenor: es sei doch toll, dass er seinem Sohn so etwas bieten könne. Nur vereinzelt mischte sich auch Kritik in die Reaktionen. „Es wäre für den Junior auch ohne diese Effekthascherei und das Betteln um Reichweite hier unvergesslich“, meinte ein Kommentator. Und ein anderer merkte an, statt mit dem Flugzeug hätte er „lieber mit der Bahn“ reisen sollen.

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